Forschungs- und Erlebniszentrum Schöninger Speere eröffnet

Seit Dienstag steht das »paläon« getaufte neue Forschungs- und Erlebniszentrum allen Besuchern offen. Am Montag hatte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil in einer Feierstunde mit rund 500 geladenen Gästen den futuristischen Bau offiziell eröffnet.

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Paläon
Das futuristische Gebäude des neuen Forschungs- und Erlebniszentrums Schöninger Speere. Foto: Holzer Kobler Architekturen

Besonders beeindruckt war der Ministerpräsident von den Schöninger Speeren, die er sich von ihrem Entdecker Dr. Hartmut Thieme zeigen ließ. Diese sind mit rund 300.000 Jahren die wohl ältesten vollständig erhaltenen Jagdwaffen der Menschheit: »Mit dem Fund der Schöninger Speere wurde vor rund 20 Jahren eine echte Weltsensation entdeckt. Mit dem paläon – Forschungs- und Erlebniszentrum Schöninger Speere entsteht nun ein Ort, an dem Wissenschaftler und Besucher gleichermaßen die Welt der Schöninger Speere entdecken können« und ergänzt: »Zudem stellt das paläon einen wichtigen Baustein im Strukturwandel der Region dar.«

Das paläon öffnete am 25. Juni für Besucher. Unter dem Motto »Entdecke den UrMensch in dir!« können sie herausfinden, wie viel Steinzeit noch in ihnen »steckt«. Das Konzept des paläon fußt auf drei Säulen: dem Abenteuer Forschung, dem Erlebnis Steinzeit und dem Zusammenspiel von moderner Architektur und altsteinzeitlicher Natur. In unmittelbarer Nähe zum Außengelände finden auch in den nächsten Jahren weiterhin archäologische Grabungen statt, die Funde werden in gläsernen Laboren direkt im paläon aufbereitet. Das insgesamt 24 Hektar große Gelände hält viele Entdeckungen bereit: Auf einem Erlebnispfad werden Kinder selbst zum Archäologen, an der Speerwurfanlage können Besucher ihr Können beim Wurf der Speerrepliken testen und auf einer Wildkräuterwiese grasen Przewalski-Pferde, die zur letzten noch lebenden Wildpferdeart gehören.

Der Spatenstich für das Gebäude wurde im November 2011 von der damaligen Niedersächsischen Ministerin für Wissenschaft und Kultur, Prof. Dr. Johanna Wanka, gesetzt. Das renommierte Züricher Büro Holzer Kobler Architekturen entwarf das Gebäude und auch die Innenarchitektur. Dr. Gabriele Zipf vom NLD zeichnet für die Ausstellungskonzeption verantwortlich. Dr. Wolf-Michael Schmid, Vorsitzender des Fördervereins und in diesem Sinne Vater des paläon, sieht mit der Eröffnung einen Traum wahr werden: »Mit der Eröffnung des paläon erfüllt sich das Hauptziel des Fördervereins. Ich bin dankbar, dass es gelingen konnte, die Landesregierung und wichtige Partner aus Wirtschaft und Region für dieses Projekt zu begeistern.«

Schöninger Speere
Dr. Hartmut Thieme vor seinem Fund, den ältesten bekannten Jagdwaffen der Menschheit. Foto: paläon

Kommentare (4)

  • K. Wilhelmi
    K. Wilhelmi
    am 29.06.2013
    15 Mill. für (die) Notgrabungen (z. B. im Tagebau), für die ich 1980-95 (1994: u. a. die Speere!) als Landesarchäologe kämpfte, wären zwecks Geschichte und -sbewußtsein effektiver (gewesen)...
    Und, doch für eine Einladung an mich zur Eröffnung fehlte das Porto?
  • Markus G.
    Markus G.
    am 30.06.2013
    ja, wenn man Gelder einfach so durch Raum und Zeit beamen könnte, würde mir auch noch einiges sinnvolles einfallen... Aber damals gab es halt noch kein Konjunkturpaket II.

    Ich bin einfach froh, dass ein archäologisches Projekt gefördert wurde, besonderes, wenn man die Tage nach NRW kuckt.
  • K. Wilhelmi
    K. Wilhelmi
    am 30.06.2013
    Für den Winter just 1993/94 verbot ausgerechnet die Landeskonservatorin wider mein Votum jedwede Braunkohlenarchäologie: zugunsten eines Faustkeilplatzes auf der Autobahntrasse b. Lüneburg, für den ich den Fachmann des Landesmuseums eingeworben hatte (der der Außenstelle zog sich zurück). Es gab also durchaus Resourcen...
    Zu NRW s. meinen Kommentar ebd.
  • Henrich Wilckens
    Henrich Wilckens
    am 06.07.2013
    Sehr geehrter Herr Wilhelmi,

    Sie laden hier Ihren Frust beim Paläon ab, das für die
    Vergangenheit nun wirklich der falsche Adressat ist. Schreiben Sie doch Ihren archäologischen Kollegen Florian Westphal an, der das Paläon leitet (www.palaeon.de) - ich könnte mir sehr gut vorstellen, daß er Sie einlädt...
    Herzlichen Gruß von einem der vielen ehrenamtlichen Geburtshelfer für das Paläon Henrich Wilckens

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