Das Jüdische Amulett von Halbturn

Internationales Symposium zum jüdischen Leben in der Provinz Pannonien

Seit gestern treffen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland, Israel, Ungarn und Österreich, um sich mit dem jüdischen Amulett von Halbturn auseinanderzusetzen. Dabei handelt es sich um einen der bedeutensten archäologischen Funde des letzten Jahres. ArchäologInnen der Universität Wien haben das Amulett aus dem 3. Jahrhundert n. Chr. bei Ausgrabungen in Halbturn im Burgenland gefunden. Organisiert wird die Tagung vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum (Mainz) und dem Institut für Judaistik der Universität Wien.

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Das jüdische Amulett von Halbturn (Copyright: Universität Wien, Institut für Ur- und Frühgeschichte)
Das jüdische Amulett von Halbturn (Copyright: Universität Wien, Institut für Ur- und Frühgeschichte)

Der Kongress versammelt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt um den Halbturner Fund und findet am Institut für Judaistik am Campus der Universität Wien statt. Ziel ist es, das Amulett unter archäologischen, historischen, sprachlichen (hebraistischen) und judaistischen Gesichtspunkten genauer zu analysieren.

Was das Halbturner Goldamulett ungewöhnlich und wichtig macht, ist seine in griechischen Buchstaben eingeritzte hebräische Inschrift. Es handelt es sich um ein Zitat vom 5. Buch Mose 6,4, einen Teil des so genannten "Schema' Israel" oder in Deutsch "Höre Israel": "Höre Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr ist einer." Mit diesem Bibelzitat ist das Halbturner Amulett eine jüdische Schriftrolle in Kleinformat. Das Halbturner Goldamulett aus dem 3. Jahrhundert n. Chr. ist damit das älteste Zeugnis jüdischen Lebens im heutigen Österreich.

Halbturn im Burgenland war im 3. Jahrhundert n. Chr. Teil der römischen Provinz Pannonia Superior. Dessen Hauptstadt war das nicht unweit von Halbturn gelegene Carnuntum. Seit dem Ende des 2. Jahrhunderts n. Chr. siedelten Juden in Pannonien und nahmen bis zum 4. Jahrhundert n. Chr. eine wichtige Rolle im Leben der Provinz ein. Das jüdische Leben Pannoniens ist heute noch durch Reste von Synagogen, Inschriften und andere archäologische Funde bezeugt. Jüdische Magie war auch bei den nichtjüdischen Bewohnern Pannoniens geschätzt und ist durch Gemmen und Amulette noch heute bezeugt.

Das Amulett von Halbturn wirft neues Licht auf das jüdische Leben Pannoniens im Allgemeinen und seine jüdische Magie im Besonderen. Juden sprachen und sprechen das "Höre Israel" im 3. Jahrhundert n. Chr. wie auch heute als zentrales Bekenntnis des Judentums. Sie betonen damit die Einheitlichkeit Gottes gegenüber der Vielfalt antiker Götter und der Dreifaltigkeit des christlichen Gottes. Im Halbturner Amulett dient das "Höre Israel" dazu, Dämonen abzuwehren. Wie andere antike Bevölkerungsgruppen des römischen Reichs führten auch Juden Krankheiten auf den Befall durch Dämonen zurück. Um sich vor Dämonen zu schützen, wurden Amulette getragen. Für jüdische Amulette wurden gerne längere Texte verwendet, die immer wieder auch Schriftzitate enthielten. Das Halbturner Goldamulett ragt aus der Menge der Amulette heraus. Es beinhaltet ausschließlich den Vers 5. Mose 6,4. Nicht Zaubersprüche und magische Formeln, sondern der Glaube an den einen Gott Israels hält die Dämonen im Bann.

Kommentare (1)

  • Daniel Amulet
    Daniel Amulet
    am 28.05.2012
    Interessant finde ich die Ähnlichkeit zu heute noch verwendeten Amuletten in Thailand. Bei den dort verwendeten Tarkut-Amuletten wird ein Stück Blei- oder Goldblech mit Pali-Gebeten geritzt und geweiht. Diese "Gebetszettel" werden aufgerollt und mit Fäden und einer Art Siegellack umwickelt. Tarkut sind ein weit verbreitetes Schutzamulett in Thailand.

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