Ausgerechnet ein Biber bringt eine der ältesten Kulturerbestätten Bayerns in Gefahr: 2025 wurden am Loosbach auffällig aktive Tiere gemeldet - genau dort, wo sich in Pestenacker und Unfriedshausen im oberbayerischen Landkreis Landsberg am Lech Fundstellen des UNESCO-Welterbes »Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen« befinden. Zum UNESCO-Welterbetag am 7. Juni wird hier deutlich, wie lebendig und zugleich pragmatisch moderner Welterbeschutz sein kann.
Für das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) ist nach der Meldung der nagefreudigen Tiere klar: Hier treffen zwei Schutzgüter direkt aufeinander. Unter der Erde liegen hervorragend erhaltene Spuren jungsteinzeitlicher Siedlungen – besonders gut bewahrt durch feuchte Böden. Genau diese Bedingungen machen die Flächen aber auch für die geschützten Biber attraktiv, deren Grab- und Bautätigkeit die empfindlichen archäologischen Schichten gefährden: UNESCO-Welterbe trifft auf Naturschutz. So ist in Pestenacker nicht nur ein bestehender Schutzzaun beschädigt, sondern auch ein großer Biberdamm entstanden. Ebenso in Unfriedshausen nehmen die Nager-Aktivitäten zu.
Die Lösung entsteht schnell und im engen Schulterschluss der Gemeinden Pestenacker und Unfriedshausen, des Landratsamtes Landsberg am Lech, des Naturschutzes und dem BLfD: Der Schutzzaun in Pestenacker wird erneuert, in Unfriedshausen ein weiterer errichtet. Planung und Umsetzung erfolgen in enger Abstimmung mit dem BLfD, um Eingriffe in die Bodendenkmäler zu vermeiden und gleichzeitig den Anforderungen des Artenschutzes gerecht zu werden. Ergänzend werden regelmäßige Kontrollen etabliert.
»Dass sich heute ausgerechnet Biber in 6000 Jahre alten Siedlungsspuren wohlfühlen, ist natürlich eine besondere Herausforderung. Umso schöner ist es, dass hier alle an einem Strang gezogen und eine Lösung gefunden haben, die Natur und Welterbe gleichermaßen schützt«, so Dr. Veronika Fischer, Welterbekoordinatorin am Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege.
Das Ergebnis: Ein Projekt, das zeigt, wie ein scheinbarer Konflikt zur gemeinsamen Aufgabe wird. Das BLfD begleitete die Maßnahmen fachlich und unterstützte sie finanziell mit einem Zuschuss von 50 Prozent. Die übrigen Kosten tragen die Gemeinden Weil und Geltendorf. So wird am UNESCO-Welterbetag deutlich: Der Schutz von 6.000 Jahre alter Geschichte gelingt am besten im Zusammenspiel – selbst dann, wenn ein sehr aktiver Biber mitbaut.
In Pestenacker findet zum Welterbetag am Sonntag, 7. Juni 2026, von 13 bis 17 Uhr ein besonderes Programm statt. Zudem gibt es weitere interessante Angebote mit Beteiligung des BLfD, unter anderem am Limesabschnitt bei Gunzenhausen sowie eine Donaulimes-Tombola am Marc-Aurel-Ufer in Regensburg.




