Archäologische Grabungen geben Einblicke in die historische Wasserversorgung der Wilstermarsch

Brunnen aus dem 17. Jahrhundert an der SuedLink-Trasse entdeckt

Ein Brunnen aus Torfsoden, wohl vor mehr als 300 Jahren angelegt, zählt zu den besonderen Befunden der diesjährigen archäologischen Grabungen in Büttel, Kreis Steinburg. Die Untersuchung zeigt, mit welchen Mitteln die Menschen in der Wilstermarsch ihre Wasserversorgung sicherten, lange bevor die Höfe der Region an das öffentliche Trinkwassernetz angeschlossen wurden.

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Ausgrabung eines Warftkellers
Ein Mitarbeiter des ALSH legt eine Wand des Warftkellers frei. Quelle: ALSH

Von Mitte April bis Anfang September untersuchte ein Grabungsteam des Archäologischen Landesamtes Schleswig-Holstein im Rahmen der bauvorgreifenden Hauptuntersuchungen auf der SuedLink-Trasse zwei historische Warften (Büttel LA 23 und LA 25; Kreis Steinburg). Diese künstlich aufgeschütteten Wohnhügel boten Schutz vor dem Wasser in der flachen Marschlandschaft und waren über Jahrhunderte Lebensmittelpunkt der dort ansässigen Menschen.

Ein besonderer Befund kam am Rande einer der untersuchten Warften zum Vorschein. Im Grabungsverlauf zeigte sich der kreisrunde Brunnen mit einem Durchmesser von knapp 1,5 m, dessen Wände aus keilförmig zugerichteten Torfsoden bestanden. Die Soden waren mit Klei und Moosresten verfugt, um der Konstruktion zusätzliche Stabilität zu verleihen. Nach unten hin wurden die Soden zunehmend dicker und ruhten schließlich auf einer bearbeiteten, runden Unterlage aus vier zusammengesetzten Kiefernholzbohlen.

Dank der außergewöhnlichen Trockenheit im Sommer 2026 konnte der Brunnen bis in eine Tiefe von knapp drei Metern freigelegt und dokumentiert werden. Seine Sohle lag rund 2,5 m unter dem Meeresspiegel. Unter den üblichen Bedingungen des hohen Grundwasserstandes in der Marsch wäre eine so umfassende Untersuchung kaum möglich gewesen. Auch zur Datierung lassen sich Aussagen treffen: Ein Holzbrett aus der Brunnensohle konnte naturwissenschaftlich untersucht werden. Es ergab ein Fälldatum nach 1670. Der Bau des Brunnens ist demnach gegen Ende des 17. Jahrhunderts wahrscheinlich. Eine separate Baugrube war nicht erkennbar, was darauf hindeutet, dass der Brunnen unmittelbar senkrecht in den Klei eingebracht wurde.

Der Brunnen steht beispielhaft für die Herausforderungen der Wasserversorgung in der Marschlandschaft. Erst in den 1960er Jahren wurde die Region flächendeckend an das Trinkwassernetz angeschlossen. Zuvor waren die Bewohner auf eigene Anlagen angewiesen. Dazu gehörten neben Brunnen auch Zisternen, in denen Wasser gesammelt und gespeichert werden konnte.

Auf der zweiten untersuchten Warft entdeckten die Archäologen eine solche Zisterne in einem Kellerraum. Eine Drainage aus Backsteinen leitete offenbar Wasser aus den Torfschichten der Warft über Eisenrohre in die Anlage. Die Befunde verdeutlichen, wie die Bewohner die natürlichen Eigenschaften des Untergrunds nutzten, um Wasser für den Alltag verfügbar zu machen.

Neben den Anlagen zur Wasserversorgung konnten weitere Fundamente und Keller von ehemaligen Wohn- und Wirtschaftsgebäuden freigelegt werden. Die untersuchten Hofstellen belegen zusammen mit dem zahlreichen Fundmaterial eine archäologisch fassbare Besiedlung vom 17. bis ins 20. Jahrhundert. Die Befunde aus Büttel zeigen, wie archäologische Forschung die Alltagsgeschichte des Lebens in der Marsch sichtbar macht, vor allem aber auch, wie aufwendig die Versorgung mit einer heute als selbstverständlich erachteten Ressource wie Wasser einst war.

Torfsodenbrunnen im Grabungsprofil
Profil des Torfsodenbrunnens. Quelle: ALSH