Archäologiepreis Baden-Württemberg 2010

Für ihr jahrzehntelanges überdurchschnittliches Engagement bei der Unterstützung archäologischer Forschungen und deren Präsentation in der Öffentlichkeit wurden die Stadt Ladenburg und der Heimatbund Ladenburg e.V. mit dem Archäologiepreis Baden-Württemberg 2010 ausgezeichnet. Wirtschaftsminister Ernst Pfister überreichte den Preis am Dienstag in Stuttgart.

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Der diesjährige Förderpreis in Höhe von 2.500 Euro ging an Gertrud Boley, Armin Krüger, Friedrich O. Müller und Herbert Paul – vier engagierte Bürger der Stadt Asperg, die sich ehrenamtlich große Verdienste um die Vermittlung landesarchäologischer Ergebnisse an die breite Öffentlichkeit erworben haben. Der Archäologiepreis Baden-Württemberg ist mit 5.000 Euro dotiert und wird alle zwei Jahre von der Wüstenrot Stiftung Ludwigsburg vergeben. Die Veranstaltung wurde von Dr. Claus Wolf, Leiter des Landesamtes für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, und Professor Dr. Wulf D. von Lucius von der Wüstenrot Stiftung eröffnet.

Der Minister betonte, dass die Stadt Ladenburg eine Vielzahl archäologischer Zeugnisse aufweise – unter anderem die Reste aus römischer Zeit und eine der größten stadtartigen Siedlungen rechts des Rheins. Wichtige Grundlagen legte Dr. Berndmark Heukemes, Ehrenbürger der Stadt und spiritus rector der frühen archäologischen Forschungen. Sein Einsatz führte zur Gründung des Lobdengau-Museums. Der seit 1926 bestehende und heute rund 560 Mitglieder zählende Heimatbund Ladenburg unterstützte die Ausgrabungen von Heukemes und dokumentierte selbstständig archäologische Aufschlüsse. Der Heimatbund betreibt das Lobdengau-Museum, das nur durch erhebliche Finanzmittel der Stadt realisiert und erweitert werden konnte. Die Mitglieder des Heimatbundes führen die Aufsicht, betreuen ein archäologisches Depot, geben Schriften heraus und bieten Museums- sowie Stadtführungen an. Im Jahr 1979 wurde die Ladenburg-Kommission ins Leben gerufen. Der hochrangig besetzten Kommission gehören Vertreter der Stadt, der Archäologischen Denkmalpflege und der universitären Forschung an. „Die Kommission ist ein Musterbeispiel für die Zusammenarbeit zwischen einer Stadt und institutionalisierter Denkmalpflege“, so Ernst Pfister. „Die Stadt Ladenburg und der Heimatbund Ladenburg e.V. haben ein jahrzehntelanges überdurchschnittliches Engagement bei der Unterstützung archäologischer Forschungen und deren Präsentation in der Öffentlichkeit geleistet – eine beispielhafte Zusammenarbeit zwischen Ehrenamt, kommunalen und anderen staatlichen Stellen.“

Im Mittelpunkt der Arbeit der vier Bürgerinnen und Bürger der Stadt Asperg stand die Vorbereitung der sehr erfolgreichen Ausstellung „Die Kelten kommen zurück“, die 2008 in Asperg stattfand. Dabei präsentierten die Preisträger ganz bedeutende Funde und Befunde der frühkeltischen Zeit in Asperg und stellten diese archäologische Thematik professionell und didaktisch vorbildlich dar. In diesem Jahr veröffentlichten die vier Autoren das Buch „Kelten am Hohenasperg“. „Sowohl die Ausstellung als auch das daraus entstandene Buch stellen ein exzellentes Beispiel für engagierte und kompetente heimatgeschichtliche Arbeit engagierter Bürger dar“, erklärte der Minister. Er wies daraufhin, dass das Wirtschaftsministerium als Oberste Denkmalschutzbehörde seit Jahren rund 4,5 Millionen Euro für Projekte der Archäologie bereitstellt.

Ernst Pfister betonte, Baden-Württemberg habe in den vergangenen Jahren bemerkenswerte Archäologie-Ereignisse vorzuweisen. Er nannte hier unter anderem das älteste gefundene Musikinstrument der Welt – eine Flöte aus dem Flügelknochen eines Gänsegeiers und die „Venus vom Hohlen Fels“ bei Schelklingen – eine mindestens 35.000 Jahre alte Frauengestalt. Eiszeitliche Tierfigürchen aus den Höhlen des Lone-, Blau- und Achtals gehören zu den ältesten Kunstwerken der Menschheit. „Deshalb wollen wir die Aufnahme der eiszeitlichen Siedlungslandschaft mit den Höhlen am Südrand der Schwäbischen Alb in die Liste der Welterbestätten der UNESCO vorbereiten“, so Pfister. Derzeit sei Baden-Württemberg auch maßgeblich am multinationalen UNESCO-Antrag zur Aufnahme der jungsteinzeitlichen und bronzezeitlichen Pfahlbausiedlungen um die Alpen beteiligt. Mit der Entscheidung sei im Sommer 2011 zu rechnen.

Aktuelle Arbeitsthemen der Landesarchäologie sind derzeit beispielsweise die Schwerpunktgrabungen, die groß angelegte Bauprojekte aus denkmalpflegerischern Sicht begleiten, damit der Verlust oder die Zerstörung von archäologischen Denkmalen bei linearen Großprojekten in Grenzen gehalten wird. Derzeit finden etwa auf den Trassen der neuen ICE-Strecke Stuttgart-Ulm und der Ethylen Pipeline Süd entsprechende Grabungen statt.

Anerkennung erhält die archäologische Forschung in Baden-Württemberg durch eine vielfältige Drittmittelförderung zahlreicher landesarchäologischer Projekte etwa durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft. In diesen Projekten werden neueste Methoden angewendet wie beispielsweise eine 3D-Computertomographie beim Projekt zur Aufarbeitung der frühmittelalterlichen Grabfunde von Lauchheim. „Die 3D-Aufnahmen erlauben ganz neue Einsichten in die materielle Welt der Alamannen und Franken, da nun auch Textilien und kleinste Details der Grabbeigaben erkannt und zerstörungsfrei untersucht werden können“, so Ernst Pfister. Die technische Ausrüstung wurde aus Innovationsfördermitteln und aus Denkmalfördermitteln vom Wirtschaftsministerium finanziert.

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