Von Massengräbern und Nachzehrern

Landesamt für Denkmalpflege stellt erste Ergebnisse zur Ausgrabung am Schottenfriedhof in Konstanz vor

Bei der planmäßigen Rettungsgrabung auf dem Gelände des ehemaligen Schottenfriedhofs in Konstanz wurden spannende Erkenntnisse zur Lebenswelt der Konstanzer im 16. bis 19. Jahrhundert gewonnen. Auf etwa 2.000 Quadratmetern wurden über 1.300 Skelette entdeckt. Diese geben Hinweise auf Seuchen und kriegerische Auseinandersetzungen aber auch über Aberglauben und medizinische Behandlungen der damaligen Bevölkerung. Erste Ergebnisse zu den archäologischen Ausgrabungen auf dem Gelände des früheren Vincentius-Areals wurden am Mittwoch vom Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart präsentiert.

Massengrab Konstanz
Massengrab auf dem Gelände des Konstanzer Schottenfriedhofs. Foto: Firma Archäograph

Im Zuge der Ausgrabungen wurden über 1.300 Skelette geborgen, die sich auf Einzel-, Mehrfach- und Massenbestattungen verteilen. Darunter befinden sich Kriegsopfer sowie Opfer der großen Pestwellen der Neuzeit. Hinweise auf Tuberkulosefälle, durchgeführte Sektionen am Schädel sowie unverheilte Hiebverletzungen und mehr oder weniger erfolgreiche medizinische Versorgung am Knochen erzählen vom Leiden der früheren Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt Konstanz. Eine Besonderheit sind einige Bestattungen von sogenannten Nachzehrern. Dabei handelt es sich um Tote, welchen nachgesagt wurde, sie würden, ähnlich der Vampire, den Lebenden die Lebensenergie aussaugen.

Im Rahmen des von der LBBW Immobilien GmbH auf dem Grundstück geplanten Neubauprojekts mit 126 Wohnungen, wurde von dieser die Firma Archäograph beauftragt und die Arbeiten mit eigenen finanziellen Mitteln gefördert und unterstützt. Mit Beteiligung der Konstanzer Anthropologin Carola Berszin und unter der Fachaufsicht des Landesamtes für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart fanden die Ausgrabungen statt.

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