Archäologen entdecken 300 Jahre alten Besen

Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) haben in Paderborn einen 300 Jahre alten Reisigbesen ausgegraben. Das Kehrgerät hat sich in einer Latrine unter dem Gaukirchkloster am Markt bis heute erhalten.

Einen 300 Jahre alten Reisigbesen von etwa 25 cm Länge fanden Archäologen in einer Klosterlatrine in Paderborn. (Foto: LWL/Spiong)

Die Archäologen hatten die eigentliche Ausgrabung vor der Errichtung einer Tiefgaragenzufahrt in der Krummen Grube bereits beendet. Da beförderte ein Betonpfahl-Bohrer aus fünf bis 15 Metern Tiefe eine Latrinenfüllung zutage. Sie lag unter dem Keller des barocken Klostersüdflügels aus dem 18. Jahrhundert. "Die Entdeckung ist der Umsicht der Bauarbeiter zu verdanken, die uns auf den übel riechenden Latrinenaushub aufmerksam machten", so Dr. Sven Spiong, LWL-Stadtarchäologe in Paderborn.

In der feuchten Masse haben sich unter Luftabschluss organische Überreste erhalten. Ein Grabungsteam durchsuchte den Aushub sofort und fand Alltagsgegenstände der Benediktinerinnen, die das Kloster im 17. Jahrhundert bewohnten: Besonders spektakulär ist ein mit Baststreifen zusammengebundener, noch 25 Zentimeter langer Besen. Neben diesem erzählen eine Spindel und eine hölzerne Garnspule vom arbeitsreichen Klosterleben der Nonnen. Von ihren einfachen Mahlzeiten berichten Walnuss- und Haselnuss-Schalen sowie Kirschkerne.

Im Gegensatz zu diesen Zeugnissen eines kargen Lebens enthielten die Latrinen der Dom- und Stiftsherren aus der selben Zeit Austernschalen und kostbare Gläser. "Die Paderborner Latrinenfunde und allen voran der Besen belegen damit anschaulich, dass die hiesigen Benediktinerinnen nach ihrem Grundsatz "Bete und arbeite!" gelebt haben", so Spiong.

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