Ein neues Museum für einen alten Fundplatz

Inventur und Vitrinenplanung

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Bereits zu Beginn der Planung für das neue Alamannenmuseum in Weingarten war klar, dass im Zuge der anstehenden Bauarbeiten der gesamte Museumssaal geräumt werden muss. Nicht nur der Einbau eines Fahrstuhls, auch Renovierungsarbeiten an Decke, Wänden und Boden des Saales machten dies notwendig. Über mehr als ein halbes Jahr konnte kein Museumsbetrieb stattfinden, daher waren die Mitarbeiter, die sonst Aufsicht führen frei für eine andere wichtige Aufgabe: Die Inventur des Objektbestandes.

Obwohl mehr ein Nebenprodukt der Neukonzeption, war dieses Projekt doch wichtig und relativ umfangreich. Zuvor lagerten alle Funde in normalen Pappboxen aus den 1950er Jahren und waren zwar grob nach Gräbern geordnet, aber zum Teil nicht eindeutig gekennzeichnet. Schon die erste Suche nach potentiellen Exponaten zeigte, dass nicht alle Grabinventare zusammen lagen. Es galt also, die Funde wieder deutlich nach Gräbern zu ordnen. Zudem wurde die Gelegenheit genutzt, um die Gegenstände in säurefreies Papier und Klarsichtboxen aus Polystyrol umzulagern, um ihre langfristige Erhaltung und bessere Übersichtlichkeit zu gewährleisten. Die Mitarbeiter des Museums räumten alle Vitrinen der alten Ausstellung sowie jede Schublade des Magazins vollständig aus und verglichen den Objektbestand mit dem Katalog von 1995 (Roth/Theune, Das frühmittelalterliche Gräberfeld von Weingarten, Stuttgart 1995). Erfreulicherweise fand sich auch eine Gürtelgarnitur wieder, die 1995 noch als verschollen galt.

Im nächsten Schritt der Ausstellungsplanung mussten die Inventare konkretisiert werden. Nach einer Begutachtung des Zustandes der jeweiligen Stücke ging es vor allem darum, die Bestückung der Vitrinen von möglichen auf nötige Objekte zu reduzieren, da die Erfahrungen mit der alten Ausstellung des Museums gelehrt haben, dass mehr Exponate zu einem Thema nicht unbedingt mehr Information bieten. Anschließend an diese Reduktion des Inventars wurden die zukünftigen Exponate für die Planung der Vitrinen vermessen.

Den Designerinnen war es jetzt möglich, genauere Pläne zur Struktur der Fenster, Schubladen, Klappen und Texte an den Vitrinen vorzustellen. In dieser Phase war genaue Abstimmung besonders wichtig: Von der wissenschaftlichen Seite musste darauf geachtet werden, dass die richtigen Zusammenhänge zwischen Texten, Illustrationen und Objekten entstehen und die bedeutendsten Stücke richtig zur Geltung kommen. Von der Didaktik her galt zu bedenken, wie Besucher an die Stationen herantreten, was sie erwarten und welche Probleme entstehen könnten. Die Designerinnen hingegen mussten ein optisch stimmiges Gesamtkonzept finden, kalkulieren wie viel Platz Objekte und Texte einnehmen und welche Schwierigkeiten beim Bau der Vitrinen entstehen könnten. Die Abstimmung dieser drei Interessen gelang nur durch die sehr enge Zusammenarbeit und einer Offenheit gegenüber der ständigen Überarbeitung bestehender Konzepte.

Auch die einzelnen Aktionsstationen musste das Planungsteam nun festlegen, damit die jeweils nötigen Vorrichtungen entworfen werden konnten. Das Thema »Geschichte und Identität der Alamannen« zum Beispiel war schlecht in eine Aktion umzusetzen. Eine interaktive digitale Karte mit wechselnden Limesverläufen musste aus Kostengründen verworfen werden und eine plastische Karte mit beweglichen Figuren schien nicht kindersicher. Schließlich einigte man sich auf eine kurbelbare Rolle mit Schriftquellen über die Alamannen. Ähnliche Entwurfsprozesse waren für die anderen Aktionsstationen nötig, bis zu jedem Thema eine interessante und umsetzbare Aktion gefunden war.

Die entstandenen Detailentwürfe der einzelnen Vitrinen zeigen nun deutlich zwei grundlegende Prinzipien der Ausstellung: Die enge Verknüpfung zwischen Texten und Objekten – sogar einführende Überblickstexte werden mit jeweils einem Objekt verknüpft – und die Verteilung des Informationsangebots auf verschiedene Ebenen, wie Flächen, Schubladen und Klappen.

Nachdem diese Vorraussetzungen geschaffen waren, konnten sich Wissenschaftler und Didaktiker mit den Ausstellungstexten befassen, während die Designerinnen gestalterische Details in Angriff nahmen. Einblick in diese Phase der Vorbereitung erhalten Sie wieder hier.