Ein neues Museum für einen alten Fundplatz

Erste Überlegungen

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Die Neukonzeption des Alamannenmuseums in Weingarten beginnt

Im Frühjahr 2007 wurden die ersten Entscheidungen über die zukünftige Dauerausstellung im Alamannenmuseum in Weingarten getroffen. Da eine völlig neue Konzeption entstehen sollte, mussten zunächst einige grundlegende Fragen geklärt werden im Hinblick auf Optik, Inhalt und Didaktik.

Ein wichtiger Aspekt, das Design, konnte sehr schnell geklärt werden. Während meist verschiedene Designbüros ihre Ideen zu einer neuen Ausstellung im Rahmen einer Ausschreibung vorstellen müssen, war man sich in Weingarten direkt sicher: Das Designbüro Bertron.Schwarz.Frey Gruppe für Gestaltung ist die richtige Wahl.

Schon bei der Gestaltung des Stadtmuseums im Schlössle 2001 hatten die Mitarbeiter des Museums, Uwe Lohmann und Rolf Schaubode, gute Erfahrungen mit dem Büro Bertron & Schwarz gesammelt. Das Design im Schlössle überzeugt sowohl durch klare Aufteilung und gelungene Einzelinszenierungen als auch durch die abwechslungsreiche Verteilung der Information auf Schubladen, Drehelemente, Hörtexte, Bilder und Figuren.

Frau Claudia Frey, die als neue Partnerin in diesem Designbüro ihren Standort in Ulm hat, nahm zusammen mit ihrer Mitarbeiterin Cathrin Runge umgehend erste Entwürfe für das Alamannenmuseum in Angriff. Auch dort sollen klare Linien und eine beruhigte Gesamtoptik vorherrschen. Da sich die gesamte Ausstellung in einem großen Saal befindet, sind deutliche Trennungen und Strukturen besonders wichtig.

Angesichts der alten Ausstellung wurde deutlich, dass einzelne Stücke in einer Masse wertvoller Objekte verschwinden können. In der neuen Konzeption sollen daher besondere Einzelstücke durch Anordnung und professionelle Ausleuchtung hervorgehoben werden. Pro Themenstation wird ein Eyecatcher ausgewählt, also ein besonders schönes oder aussagekräftiges Objekt, das als Aufhänger für das jeweilige Thema dient.

Ebenso wurden die Ziele der inhaltlichen Arbeit bereits zu Beginn des Projekts festgelegt. Während in der alten Ausstellung einige Repliken von Objekten aus anderen Fundorten gezeigt wurden, soll in Zukunft das umfangreiche Material des Gräberfelds Weingarten selbst genügen. In der ersten Absprache der Themen zeigte sich, dass die Fülle der Objekte ausreicht um viele verschiedene Aspekte des Lebens im frühen Mittelalter darzustellen. Darüber hinaus wurde besonderer Wert darauf gelegt, die Themen vom Objekt her darzustellen. Das bedeutet, den Besucher mit Informationen zu einem bestimmten Objekt in ein Thema einzuführen und erst dann generellere Aussagen zu treffen.

Die Entscheidungen zu Designkonzept und Inhalt enthielten natürlich bereits Bezüge zur Didaktik, da diese drei Bereiche immer ineinander greifen. Trotzdem wurden auch für die Vermittlung der Information explizite Vorsätze gefasst: Die Besucher sollen nicht mit Information überschüttet werden, sondern selbst auswählen, wie viel sie wissen wollen.

Zu diesem Zweck wird der Ausstellung eine deutliche Gliederung in 9 Themenstationen zu Grunde gelegt. An jeder Station führt ein allgemeiner Text mit dem Eyecatcher in das jeweilige Thema ein. Die weiterführenden Informationen verbergen sich häufig in Klappen und Schubladen, so dass Besucher aktiv entscheiden müssen, zu welchen Unterthemen sie mehr herausfinden möchten. Der Rundgang durch den Raum hingegen wird deutlich geleitet, damit ein klarer Aufbau der Themen möglich wird und Museumsgäste bequem ihren Besuch genießen können, ohne die Sorge eventuell etwas zu übersehen.

Ein wichtiger Teil der Planung war auch von Anfang an eine eigene Ebene für junge Besucher. Neben Kindertexten sollen vor allem Aktivitäten dabei helfen, das Leben des frühen Mittelalters besser begreifbar zu machen. Da viele Schulklassen das Alamannenmuseum besuchen, konnte man auf Erfahrungen der letzten Jahre zurückgreifen: Das Verkleiden als Alamanne oder Alamannin darf zum Beispiel einfach nicht fehlen.

Nachdem auf diese Weise ein Rahmen abgesteckt worden war, begann die eigentliche Konzeption, Recherche und Detailplanung. Das Ziel: die Eröffnung sollte in den Frühsommer 2008 fallen. Doch zunächst waren viele weitere Einzelfragen zu beantworten und eine Auswahl über die Themen der Ausstellung zu treffen. Zu welchem Ergebnis diese Phase geführt hat, können Sie bald hier lesen.