Schwaben im Friaul

Die Familie Auersberg und ihre Ritterburg. Ein Lebensbild

von: Bert Krüger
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ItalienMittelalterSiedlung

Die überwiegende Anzahl der deutschen hoch- und spätmittelalterlichen Burgen boten alles andere als Platz für ausschweifende Feste mit Hunderten von Gästen oder gar für Turniere, wie wir sie aus den Heldenepen kennen. Das Leben auf einer Ritterburg war beengt und eintönig, im Winter vor allem düster und kalt. Nicht zu vergleichen mit dem Komfort der größeren und weit aufwendiger erbauten Kaiserpfalzen und Landesfestungen.

Wie lebte es sich auf einer kleinen Adelsburg?

Reisen wir in die Mitte des 14. Jahrhunderts. Tauchen wir ein in eine bewegte und widersprüchliche Zeit und begleiten Ulrico von Auersberg auf die väterliche Burg Cucagna, so, wie sie nach heutigen Erkenntnissen ausgesehen haben könnte.

Schon von weitem wird die Burg Cucagna sichtbar

Schon von weitem wird die Burg Cucagna sichtbar. Große Flächen des steil abfallenden Hügels, auf dem die Burg erbaut wurde, sind abgeholzt und verhindern, dass sich jemand unbemerkt annähern und verbergen kann. Mit der jüngeren Burg Zucco und einem befestigten Stützpunkt am Fuße des Hügels bildet sie eine mächtige fortifikatorische Einheit. Eindrucksvoll und unübersehbar demonstriert die Familie Auersberg damit ihren Einfluss im Lande.

Beim Abstieg vom Pferd drückt das Kettenhemd

Ulrico und seine Begleiter durchqueren Faedis, ein kleines Dorf, und erreichen den befestigten Stützpunkt am Fuße des Hügels. Ulrico ist erschöpft, beim Abstieg vom Pferd drückt merklich das Kettenhemd unter dem Wappenkleid. Kein Wunder, denn Helm und Rüstung wiegen schwer. Der Knecht hilft ihm, reicht etwas zu trinken und versorgt das Pferd. Es war ein anstrengender Tag: Es galt eine Streiterei zwischen zwei Bauern zu schlichten.

Ein schmaler Weg windet sich den schroffen Hügel hinauf

Ulrico, immer noch in Blech und Eisen, und seine Begleiter, bepackt mit allerlei Gütern des täglichen Bedarfs, machen sich an den Aufstieg. Alles muss von Hand oder auf den Rücken kleiner, zotteliger Esel hinauf befördert werden, denn eine Zufahrt zur Burg für Fuhrwerke existiert nicht. Lediglich ein schmaler Weg windet sich den schroffen Hügel hinauf. Der Aufstieg ist schwer und unbequem. Sie erreichen im Gänsemarsch die Rampe zum Tor der Burg Cucagna. Die letzten Meter des Weges verlaufen im Zickzack. Links und rechts verhindern dornige Sträucher und Unterholz ein Durchkommen.

Ulrico's Schildarm zeigt talwärts, sein Schwertarm zur Burg

Der Schildarm Ulrico's zeigt talwärts, der Schwertarm zur Burg: Er wäre leicht verwundbar durch einen Pfeil oder Armbrustbolzen, wäre es nicht seine Burg. Feinde hingegen würde eine Reihe von Schießscharten am Vorwärtskommen hindern. Ein Angreifer, der bis zum Mauerfuß vorgedrungen wäre, hätte nun eine weitere Hürde zu erwarten: die Pechnasen, kleine Maueröffnungen, aus denen es, wie der Name verrät, siedendes Pech oder auch allerlei Unrat regnen konnte. Sie dienten aber auch ganz einfach dazu, Einlasssuchende nochmals aus sicherer Position zu ihrem Anliegen zu befragen. Auch Feuer am Tor, im Falle einer Belagerung, konnte dadurch gelöscht werden.

Sicherheit geht vor Bequemlichkeit

Ulrico und seinen Begleitern wird Einlass gewährt. Sie zwängen sich durch ein kleines Tor, gezimmert aus massivem Eichenholz und gesichert durch einen schweren Sperrbalken. All das hat seinen Sinn: Sicherheit geht vor Bequemlichkeit! Burgen sind befestigte Wohn- und Wehrbauten. Allein der Name macht ihre Funktion deutlich: Sie sollen in erster Linie bergen und schützen. Die Burg Cucagna war aber nicht nur ein Wohn- und Wehrbau mit militärischer Funktion. Sie stellte zugleich auch den Mittelpunkt und den Ort der Gerichtsbarkeit für die Grundherrschaft dar, mit der die Familie Auersberg belehnt ist.

Vor uns erhebt sich die wehrhafte Burgkapelle

Zurück zu Ulrico von Auersberg. Er betritt den Vorhof der Burg, gerade mal 5 x 5m groß. Rechter Hand, unmittelbar an das Tor, grenzt eine kleine Torstube, von der aus der Einlass kontrolliert wird. Links erhebt sich mächtig der Palazzo, vor uns die wehrhafte Burgkapelle. Eine breitstufige Treppe aus großen Steinplatten führt uns zu einem schmalen Gang und vor das nächste Tor, das, eingebettet zwischen einer stattlichen Mauer und der Burgkapelle, den Zugang zum Haupthof der Burg versperrt. Ein Feind hätte also nach der Überwindung der ersten Mauer noch nicht wirklich viel gewonnen, denn hier wäre er immer noch ungeschützt den Angriffen der Verteidiger ausgeliefert.

Der Palazzo - Wohnhaus und eigentliches Zentrum der Burg

Bevor wir jedoch das Tor zum Haupthof passieren, folgen wir Ulrico, nach links, in den schmalen Gang, über den wir in den Palazzo gelangen, dem Wohnhaus und eigentlichen Zentrum der Burg. Denn hier wohnt nicht nur der Burgherr und sein Vater, sondern hier spielt sich auch, vor allem bei schlechtem Wetter, das tägliche wie gesellschaftliche Leben der Familie Auersberg ab.

In der ersten Burgphase erfüllte noch ein einfacher Fachwerkbau diese Funktion. Über die Jahre wuchs die Familie jedoch an, so dass die beiden, in der zweiten Burgphase, in der Mitte des 12. Jahrhunderts erbauten Palazzi, offensichtlich nicht mehr dem gestiegenen Bedarf an Wohnraum genügten. Immerhin lebten zu dieser Zeit bereits drei Familien mit ihrem Gefolge auf der Burg Cucagna. Summa Summarum ca. 70 Menschen.

Zu Beginn des 14. Jahrhunderts wird deshalb ein zeitgemäßes Wohnhaus, der erwähnte Palazzo, errichtet, der um das Jahr 1325 durch einen zweiten Anbau erweitert wird. Der neue großzügige Wohnbau versprach zwar ein exklusives und relativ sicheres Wohnen, das jedoch, wie wir sehen werden, nicht immer komfortabel war.

Irdenes und hölzernes Geschirr

Inzwischen hat Ulrico voller Neugierde den 1.Stock des Palazzo betreten, in dem die Küche untergebracht ist: Über der großen Feuerstelle hängt ein schwerer Kochkessel. Darüber öffnet sich ein weit ausladender Rauchfang. An der Herdwand findet sich irdenes und hölzernes Geschirr. Daneben ein Regal für Gewürze und Lebensmittel. Grob gezimmerte Tische dienen zum Bereiten der Speisen. In der Küche herrscht schon seit Tagen reges Treiben und Aufregung, denn es gilt ein Festessen für den Patriarchen und Lehnsherrn vorzubereiten, der sich für den morgigen Tag angekündigt hat. Ulrico ist sichtlich guter Laune und frohlockt, als er die vielen vorbereiteten Speisen erblickt.

Sonst nur schmale Ritterkost

Das bevorstehende Gastmahl wird ohne Frage zu den besonderen Ereignissen im Jahr zählen. Es bietet eine willkommene Abwechslung zum ansonsten eintönigen Burgalltag und der eher schmalen Ritterkost: Eintöpfe, Grütze und Brot, dazu frisches, aber oft auch nur gepökeltes und geräuchertes Fleisch. Je nach Saison: Gemüse, Kräuter und Obst aus dem Burggarten.

Der Kamin verbreitet kaum Wärme

Erkunden wir nun mit Ulrico das 2. und 3. Geschoss des Palazzo. Hier liegen die Räume, die dem Wohnen und Schlafen dienen, auch Kemenate genannt [Die Kemenate, entlehnt vom mittellateinischen "caminata", ist der mit einem Kamin beheizbare Raum]. Neben dem Kamin, der nur unzureichend Wärme verbreitet und zudem äußerst brandgefährlich ist, finden sich zusätzlich kleine Becken mit glühenden Kohlen, die weniger qualmen und länger Wärme abgeben. Der Fußboden über den Holzdielen wird, wie in der Küche, von einer feuerfesten Schicht aus Ziegel und Kalk bedeckt. Die Wände sind verputzt und aus hygienischen Gründen weiß gekalkt, zum Teil auch mit Wandvorhängen, in Brusthöhe, verkleidet. Hier und da verraten Jagdtrophäen, dass die Burgherren tüchtige Waidmänner sind.

Ein Baldachin zum Schutz gegen Ungeziefer

Die Einrichtung der Räume mit Mobiliar ist einfach, aber nicht karg: Am Kamin stehen ein großer Lehnstuhl und ein paar Hocker. Entlang der Wände: Bänke, schwere Truhen und kleine Kästen. Nebenan thront ein großes Bett aus schwerem Eichenholz. Darüber findet sich ein Baldachin zum Schutz gegen Ungeziefer. Daneben auf einem kleinen Tisch: ein Altarbild für die Hausandacht. In zwei großen Truhen am Fußende des Bettes bewahrt man Kleider und Bettzeug auf. Für die Morgentoilette steht ein Waschtisch bereit. Zur Verrichtung der Notdurft dienen zwei kleine, in das Mauerwerk integrierte Schachtabtritte, die jeweils mit einem einfachen Sitzbrett versehen sind. Das "Geschäft" landete über Fallschächte in einem Kanal am Mauerfuß. Zu dessen Reinigung nutzt man anfallendes Regenwasser, das zur Spülung in den Kanal eingeleitet wird. Hatte es lange nicht geregnet, half man mit ein paar Eimern Wasser nach.

Ein herrlicher Blick in die Ebene

Kehren wir zurück zu unserem Begleiter und werfen mit ihm einen Blick durch die vielen lichtdurchlässigen Fenster, die den neuen Palazzo weitaus heller und wohnlicher machen als die beiden älteren Palazzi, von denen Ulrico einen mit seiner Familie bewohnt. Die Fenster sind mit Sitzbänken und Mauernischen geradezu komfortabel ausgestattet. Zwar bietet sich im Sommer von hier aus ein herrlicher Blick in die Ebene, bei schlechtem Wetter und vor allem im Winter dringt jedoch zugleich unweigerlich Kälte in die Burg.

Es zieht an allen Ecken und Enden

Nur wenige Fenster sind mit dem teuren, trüben Waldglas versehen, keine wirkliche Hilfe gegen Zug und Kälte. Um dies zu mindern, verschloss man die Fenster in der kalten Jahreszeit mit Holzläden und zusätzlich mit auf Holzrahmen gespannten Tierhäuten. In die Ritzen stopfte man entweder Stroh und Schafwolle oder verklebte sie mit Pech und Talg. Brennende Kienspäne und Fackeln, die in eisernen Tischständern und Wandhalterungen steckten, beleuchteten die dann fast finsteren Räume.

Spärliche Lichtquellen

Vermutlich benutzte man auch kleine Öl- und Talglampen aus Ton, die jedoch, wie die Kienspäne und Fackeln, stark rußten und zudem einen ungemein ranzigen Geruch verbreiteten. Kerzen aus Rinderfett und Hammeltalg, im Besonderen solche aus Bienenwachs fanden sicher keine alltägliche Verwendung. Sie waren nicht nur kostspielig sondern brannten auch sehr schnell herunter. Verglichen mit heutigen Verhältnissen boten diese allesamt recht spärlichen Lichtquellen der Familie Auersberg nur eine dürftige wie sauerstoffraubende Beleuchtung ihrer Gemächer. Zumindest an dieser Stelle passt unser Bild vom "finsteren" Mittelalter.

Bei einem Becher Wein, gewürzt mit Salbei und Rosmarin…

Ein Stockwerk höher, ganz unter dem Dach, erstreckt sich der vornehmste und repräsentativste Raum der Burg: der Rittersaal, der Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens. Hier trifft sich die Familie Auersberg zu besonderen Anlässen und Festen. Die Wände sind, wie in den anderen Gemächern, verputzt, ein Kamin und ein paar Sitzmöbel finden sich ebenso. Für das morgige Festessen hat man den Saal bereits mit besonders schönen Wandbespannungen ausgeschmückt, die sonst sorgsam in großen Kisten lagern. Hier trifft Ulrico auf seinen Vater. Bei einem Becher Wein, gewürzt mit Salbei und Rosmarin, berichtet Ulrico vom Tage. Beide tauschen sich auch über den bevorstehenden Tag aus, hoffen sie doch, durch das Gastmahl den freundschaftlichen Bund zwischen dem Lehnsherrn und ihrer Familie zu stärken. Einige Becher Wein später wünschen sie sich eine Gute Nacht und Ulrico verlässt den Palazzo. Mit ein paar Schritten den schmalen Gang entlang erreicht er, über das uns bereits bekannte zweite Tor, den mit Lehm planierten Haupthof der Burg.

Tief in den Berg getrieben - Die Zisterne

Unter seinen Füßen verbirgt sich die Zisterne [entlehnt aus dem lat. cisterna "Wasserbehälter unter der Erde"], die zur Wasserversorgung, vor allem bei Belagerungen, diente. Tief in den Berg getrieben, nahm sie bis zu 170.000 Liter Regenwasser auf, das zuvor über ein System aus steinernen Rinnen aufgefangen wurde. Bevor das Regenwasser jedoch in die Zisterne strömte, durchlief es zur Reinigung kleine, unterhalb der Burgkapelle gelegene, mit Sand und Kies gefüllte Absatzbecken. Zu erreichen war sie über einen kleinen Zugang, der direkt neben dem Eingang zur Burgkapelle liegt. Einige Stufen tiefer konnte das Wasser mit Eimern geschöpft werden. Zur alltäglichen Wasserversorgung nutzten die Burgbewohner jedoch eine außerhalb der Burg gelegene Quelle, die eine wesentlich bessere Wasserqualität bot. Trotzdem musste es, wie das Wasser aus der Zisterne, erst abgekocht werden, bevor man es ohne Schaden trinken konnte. Mittlerweile hat sich Ulrico in seinen Palazzo zurückgezogen und nach einem kräftigen Abendbrot zu Bett begeben.

Zur Morgenmesse in die Burgkapelle

Am nächsten Morgen weckt ihn das Bellen der Wachhunde. Vom Burggarten vor der Burg, wo sich auch die Tiergehege befinden, dringt das Krähen der Hähne und das Blöken der Schafe herüber. Ulrico reibt sich den Schlaf aus den Augen, nimmt ein kurzes Bad und streift sich sein Feiertagsgewand über. Nach einem kleinen Frühstück betritt er den Burghof und begibt sich zur Morgenmesse in die Burgkapelle: In deren Apsis steht ein einfacher Altar, darauf ein Fresco mit Mariendarstellung. Davor sind schmale Bänke aufgereiht. Durch ein kleines Rundbogenfenster an der Burghofseite und drei Schießscharten strahlt die Morgensonne und lässt die farbig verputzten Wände aufleuchten. Die Schießscharten, die auf den besonders gefährdeten Eingangsbereich der Burg gerichtet sind, unterstreichen neben den mächtigen Mauern den wehrhaften Charakter der Kapelle.

Der Bergfried, das älteste und eindrucksvollste Bauwerk der Burg

In Gedanken das "Vaterunser" noch auf den Lippen, verlässt Ulrico die Kapelle. Sein Ziel ist der Bergfried, das älteste und eindrucksvollste Bauwerk der Burg. Den Weg dorthin versperrt noch einmal eine besonders dicke und hohe Mauer, die sogenannte Schildmauer. Durch ein schmales Tor passieren wir mit Ulrico hingegen ohne Probleme diesen letzten Verteidigungsring und vor uns reckt sich machtvoll der stolze Bergfried empor [mhd. berc = Berg u. mhd. vride = Schutz]: Er ist der letzte Zufluchtsort für die Bewohner der Burg, falls ein Feind bereits alle anderen Verteidigungsanlagen erobert hat. Seine Mauern sind robust und wehrhaft und ragen in eine Höhe von nahezu 23m. Sie sind ein Inbegriff der Stärke und des einstigen Herrschaftsanspruchs der Vorfahren Ulricos. Die Lage des Eingangs macht deutlich, dass hier nur der Burgherr und sein Gefolge willkommen sind. Denn er befindet sich erst in einigen Metern Höhe. Über eine einziehbare Leiter erklimmt Ulrico den Bergfried. In leicht gebückter Haltung, zwängt er sich durch eine schmale Tür und gelangt gleich in das erste Geschoss des 4 Stockwerke umfassenden Turmes. Die darunter liegenden Räume, die weder Fenster noch Türen aufweisen, dienen hauptsächlich zur Lagerung von Vorräten für den Ernstfall.

Im Belagerungsfall…

Über einfache Holztreppen geht es im Halbdunkel nach oben. Im darüber liegenden Geschoss dringt noch mal etwas Licht über kleine Schlitzfenster ins Innere. Auf der letzten Ebene wartet wieder eine einziehbare Leiter, über die Ulrico eine offene Plattform erreicht. Im Belagerungsfall bot sich von hier oben zwar noch einmal ein günstiges Schussfeld, quasi war man nun aber in seiner eigenen Burg gefangen: Entweder drohte dann, im schlimmsten Fall, Mord und Totschlag oder nahende Rettung und Vorräte ließen noch auf ein gutes Ende hoffen. Von der offenen Plattform aus schweift Ulricos Blick über das weite Land. Er sieht Wälder und Wiesen, am Rande der Felder kleine strohgedeckte Häuser.

Musik spielt auf

Am frühen Nachmittag, als alle Gäste und der Lehnsherr eingetroffen sind, wird im Burghof eine Messe gelesen. Danach begibt man sich in den festlich geschmückten Rittersaal. Musik spielt auf, der gesellige Teil kann beginnen. Bevor jedoch auf ein Zeichen des Burgherrn aufgetafelt wird, gebietet es die Tischsitte, dass sich alle die Hände waschen. Dazu reichen Diener dem Burg- und dem Lehnsherrn am Tisch eine Kanne, Schüssel und Handtuch. Ulrico wie der Rest der Festgemeinde muss mit einem einfachen Waschbecken vorlieb nehmen. Dann lassen auch sie sich auf den schlichten Holzbänken nieder, die nur an einer Seite der strahlend weißen Tafel aufgereiht sind. Für Ulrico und die meisten Gäste stehen Becher aus Majolika, einer glasierten und reich bemalten Keramik, bereit, die sie sich jeweils mit ihren Tischnachbarn zu teilen haben. Hingegen sind dem Burg- und dem Lehnsherrn Becher aus Waldglas vorbehalten. Als Besteck dienen jedem Messer und Löffel. Finger ersetzen die Gabel, einfache Holzplatten den Teller.

Flinke Mägde reichen kräftige Speisen und Wein

Endlich werden die ersten Speisen und große Krüge mit Wein aufgetragen. Es gibt gebratenes und gekochtes Fleisch von Schwein, Rind und Geflügel. Zur Feier des Tages auch Wild. Dazu reichen flinke Mägde verschiedene, fast schnittfeste Saucen, Gemüse und Brot aus Weizenmehl. Der große Weinkrug, den sich Ulrico mit seiner Tischdame teilt, leert sich zügig, denn die kräftig gewürzten Speisen machen durstig. Gegen Abend lässt der Chefkoch der Burgküche Gewürzkuchen, eingemachte Früchte und Käse servieren.

Im Schein der vielen Fackeln…

Als das Mahl vorüber ist, tragen Diener die leicht zerlegbaren Tische einfach beiseite. Daher die heute noch gebräuchliche Redewendung "die Tafel aufheben." Im Schein der vielen flackernden Kerzen und Fackeln ertönt Musik. Die Jongleure und Gaukler sind eingetroffen. Wenig später spielen fahrende Musikanten zum Tanz. Ulrico sitzt indessen am Kamin und erfreut sich am Wein und dem bunten Treiben.