Das neue Welterbe Areal Kloster Lorsch öffnet seine Tore

UNESCO Weltkulturerbe Kloster Lorsch öffnet nach dreijähriger Umbauzeit als Welterbe Areal Kloster Lorsch seine Pforten für die Besucher

Pünktlich zum 1250. Gründungsjubiläum der karolingischen Klostergründung und im Rahmen des Karlsjahres eröffnet am kommenden Samstag, 19. Juli, das neue Welterbe Areal Kloster Lorsch mit einem öffentlichen Festakt seine Tore für die Besucher.

Königshalle Lorsch
Kloster Lorsch: Königshalle. Foto © Stadt Lorsch

Die ehemalige Reichsabtei Kloster Lorsch mit ihrer weltberühmten Königshalle zählte einst zu den größten und bedeutendsten Reichsklöstern des Mittelalters. Bereits 1991 wurde die Klosteranlage als zehntes deutsches und erstes hessisches Bauwerk in die Liste der UNESCO Welterbestätten aufgenommen. Die Umbauarbeiten und die Erweiterung zum »Welterbe Areal Kloster Lorsch« wurden vom Bund, dem Land Hessen und der Gemeinde Lorsch mit über 12 Millionen Euro finanziert.

Auf dem neu erschlossenen Gelände des Welterbe Areals wurde ein drei Kilometer langer Rundweg geschaffen, der sich von der ersten Klostergründung Altenmünster bis zur danach errichteten ehemaligen karolingischen Reichsabtei Karls des Großen mit der Lorscher Königshalle erstreckt. Der Besucher kann nun – vorbei an landschaftsarchitektonischen, baulichen und musealen Stationen – auf den Spuren Karls des Großen wandeln und die kulturhistorische Bedeutung des Klosterareals neu erleben: von der Herrschafts- und Geistesgeschichte, über die hohe Kunst- und Baufertigkeit bis zur mittelalterlichen Heilkunde und dem Leben der Bevölkerung auch außerhalb des Klosters.

Das Herzstück der gesamten Anlage ist der Bereich des karolingischen Reichsklosters auf dem Klosterhügel. Von der einst großen und bedeutenden Anlage sind heute noch Überreste der Nazarius-Basilika, die berühmte Königshalle und ein etwa ein Kilometer langer Abschnitt der mittelalterlichen Klostermauer erhalten. Bei der Weihe der Klosterkirche im Jahr 774 war Karl der Große persönlich anwesend. Aufgrund der kostbaren Reliquien des heiligen Nazarius war die Benediktinerabtei Jahrhunderte lang Anziehungspunkt für Kaiser, Könige und Pilger. Rund 100 Mönche beteten, arbeiteten und wohnten zur Blütezeit des Klosters in der Anlage. Berühmt war das Kloster auch für seine umfassende Klosterbibliothek und sein Scriptorium, in dem bedeutende Handschriften aus antiker und spätantiker Zeit kopiert wurden. Zum Bestand der über 600 Bücher umfassenden Bibliothek zählten u.a. das berühmte Lorscher Evangeliar aus der Hofschule Karls des Großen (um 810) und das Lorscher Arzneibuch (um 795), eines der ältesten erhaltenen Arzneibücher, das 2013 zum UNESCO Weltdokumentenerbe erklärt wurde und den Beginn der modernen Medizin im westlichen Europa markiert.

Ein neuer, speziell gestalteter Heil- und Medizinalgarten auf dem Klosterhügel nimmt auf diese bedeutende Handschrift Bezug und stellt die wichtigsten Pflanzen aus diesem Buch vor. Dem Sonderthema Pfingstrose ist eine eigene Lehr- und Schausammlung gewidmet.

Neu ist auch das archäologische Schaudepot Wissenspeicher Zehntscheune mit Grabungsfunden aus der wechselvollen 800-jährigen Klostergeschichte. Erstmals werden diese ehemals auf unterschiedliche Museen verteilten Zeugnisse wieder am Ort ihrer Herkunft zusammengeführt und sind Forschern wie Besuchern gleichermaßen zugänglich. Wie die Menschen zu Zeiten Karls des Großen und seiner Nachfahren gelebt und gearbeitet haben, erfahren die Besucher ab Mitte September im neuen Karolingischen Freilichtlabor Lauresham, einem nach historischen Vorgaben nachgebauten karolingischen Dorf. Es ist das erste Freilichtmuseum zur karolingischen Zeit in Europa und gleichzeitig lebendige, experimental-archäologische Forschungsstation. Sowohl der Wissensspeicher als auch das Karolingische Freilichtlabor Lauresham werden Mitte September 2014 eröffnet.

Klostermauer Lorsch
Klostermauer von Osten. Foto © Ludwig März
Freilichtmuseum
Karolingisches Freilichtlabor Lauresham. Foto © Stadt Lorsch
Kleine Mönche
Kinder lernen das Klosterleben spielerisch kennen. Foto © Stadt Lorsch
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