Wie Klöster im Mittelalter Wissen vermittelt haben

Die Frage, welche Rolle karolingische Klöster als Träger und Vermittler von Wissen im Mittelalter gespielt haben, ist Thema einer internationalen Tagung Ende Oktober im Museumszentrum des Klosters Lorsch.

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Karolingische Buchmalerei Hrabanus Maurus
»Hrabanus Maurus, von Alcuin empfohlen, übergibt sein Werk dem Erzbischof von Mainz, Otgar«. manuscriptum Fuldense ca. 831/40, Österreichische Nationalbibliothek Wien

Vom 31. Oktober bis 2. November 2012 werden Wissenschaftler aus dem In- und Ausland im Museumszentrum des Klosters Lorsch zusammenkommen, um aktuelle Forschungsergebnisse vorzustellen und zu diskutieren. Dabei geht es insbesondere um die Geschichte und Funktion der Klosterbibliotheken.

Bei dem Ort der Tagung handelt es sich selbst um eines der wichtigsten Zentren der Wissensvermittlung im Frühmittelalter. »Das Kloster Lorsch verfügte über einen der bedeutendsten europäischen Bücherbestände und repräsentierte damit einen Idealbestand vor allem des spätantiken Wissens. Anhand des Skriptoriums und der Klosterbibliothek lässt sich rekonstruieren, auf welche Weise die Zeitgenossen auf das karolingische Wissenssystem einwirkten und die Vermittlung von Wissen steuerten«, erläutert Dr. Julia Becker vom Sonderforschungsbereich »Materiale Textkulturen« (SFB 933) der Universität Heidelberg, die gemeinsam mit Dr. Tino Licht die Konferenz organisiert hat. Lorsch bildet demnach einen Schwerpunkt der Tagung, die in vier thematische Blöcke unterteilt ist: Zunächst geht es um die Entstehung der karolingischen Literatur aus der antiken und spätantiken Tradition, dem folgt eine Vortrags- und Diskussionsrunde zu karolingischen Bibliotheken als Wissensspeicher und Wissensordnungen. Thematisiert werden außerdem die Schriftentwicklung am Oberrhein sowie die Rolle von Trägern der karolingischen Klosterlandschaft wie Bischöfen, Äbten und Mönchen.

Initiiert wurde die Tagung mit dem Titel »Karolingische Klöster. Wissenstransfer und kulturelle Innovation« von Wissenschaftlern eines Teilprojekts des SFB »Materiale Textkulturen«. Der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Sonderforschungsbereich hat es sich zum Ziel gesetzt, die Grundlagen für ein neues methodisches Instrumentarium der text-interpretativen historischen Kulturwissenschaften zu entwickeln. Im Mittelpunkt stehen dabei schrifttragende Artefakte aus non-typographischen Gesellschaften, in denen keine Verfahren der massenhaften Produktion von Geschriebenem verfügbar oder verbreitet sind.

Weitere Informationen zur Tagung sowie zum Sonderforschungsbereich »Materiale Textkulturen. Materialität und Präsenz des Geschriebenen in non-typographischen Gesellschaften« können im Internet unter www.materiale-textkulturen.de abgerufen werden.

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