Zeichen gegen Kulturzerstörung: SPK übergibt Tonziegelfragment an den Irak

Angesichts der systematischen Zerstörung von Kulturerbestätten in vielen Ländern des Nahen und Mittleren Ostens setzt die Stiftung Preußischer Kulturbesitz ein Zeichen der besonderen Art. Am kommenden Montag werden Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, und Markus Hilgert, Direktor des Vorderasiatischen Museums, im Berliner Archäologischen Zentrum eine Inschrift des babylonischen Herrschers Nebukadnezar II. (605-562 v. Chr.) an den Botschafter der Republik Irak, Dr. Hussain M. Fadhlalla Alkhateeb übergeben.

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Die auf einen fragmentarischen Tonziegel gestempelte Widmungsinschrift des legendären babylonischen Herrschers war der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in einem Päckchen kürzlich zugesandt worden. Der anonyme Absender hatte das Stück nach eigenen Angaben in den 1970er Jahren in Babylon gefunden und mit nach Deutschland genommen.

»Mit der Übergabe dieses archäologischen Objekts unterstreicht die Stiftung Preußischer Kulturbesitz ihren Respekt vor dem einzigartigen kulturellen Erbe des Irak. Der partnerschaftliche Dialog mit denjenigen Staaten, aus denen die Objekte in unseren Sammlungen stammen, ist für mich von zentraler Bedeutung«, so Hermann Parzinger.

Das Ziegelfragment dürfte ursprünglich in einem monumentalen Bauwerk  Nebukadnezars II. in der antiken Stadt Babylon verbaut gewesen sein. Altorientalische Herrscher versahen solche Ziegel in der Regel mit Keilinschriften, die Auskunft über den Bauherren und seine politischen Leistungen geben. Sie wurden in Massenfertigung produziert.

»In einer Zeit, in der der Nahe und Mittlere Osten von einer beispiellosen Plünderung archäologischer Stätten heimgesucht wird, setzen wir mit dieser Übergabe ein weithin sichtbares Zeichen der Solidarität und Entschlossenheit«, sagt Markus Hilgert.

Wichtigster Absatzmarkt für geplünderte archäologische Objekte ist der illegale Handel mit Kulturgütern. Dokumente, die jüngst vom US-amerikanischen Außenministerium veröffentlicht wurden, beweisen, dass die Terrormiliz »Islamischer Staat« an diesem einträglichen Geschäft mitverdient. Wie der illegale Handel mit Kulturgütern in Deutschland funktioniert und mit welchen Instrumenten Ermittlungsbehörden relevante Informationen sammeln können, untersucht das am Vorderasiatischen Museum angesiedelte Verbundvorhaben ILLICID. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit insgesamt 1,2 Millionen Euro geförderte Projekt wird von der SPK in Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut für
Sichere Informationstechnologie und GESIS – Das Leibniz Institut für Sozialwissenschaften durchgeführt.

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