Virtuelle Blicke in die Vergangenheit

Drei neue digitale Projekte gibt es auf der Portalseite Franconica-Online, präsentiert vom Team um Professor Jürgen Albert (Lehrstuhl für Informatik der Uni Würzburg) und der Abteilung Handschriften und Alte Drucke der Universitätsbibliothek. Sie setzen jeweils unterschiedliche Schwerpunkte.

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Zoomtechniken stehen im Mittelpunkt der "Papsturkunden aus dem Benediktinerkloster Sankt Stephan in Würzburg". Zehn Bleibullen aus der Zeit zwischen 1236 und 1452 bieten Einblicke in das päpstliche Urkundenwesen des Spätmittelalters und die wechselvolle Geschichte des größten und lange Zeit bedeutendsten Würzburger Klosters. Kleine Videoclips veranschaulichen den Auffaltevorgang der Urkunden, den der Forscher im Archiv erst einmal zu bewältigen hat, denn die mitunter sehr großformatigen, auf zähes Pergament geschriebenen Papsturkunden liegen in der Regel gefaltet vor. Was in der Realität viel Geschick und Fingerspitzengefühl erfordert, funktioniert nun am Bildschirm ganz simpel.

Das nächste Projekt bewegt in einer echten 3D-Animation das Rundbuch des Fürstbischofs Julius Echter. Vor Jahresfrist meldete die Universitätsbibliothek, dass es durch die Vermittlung von Professor Walter Eykmann und mit Unterstützung der Bayerischen Landesstiftung überraschend gelungen war, das bislang nur wenigen Spezialisten bekannte einzige kreisrunde Buch der Renaissance aus der ehemaligen Hofbibliothek des Würzburger Fürstbischofs bei Christie's in New York zu ersteigern und an seinen Entstehungsort zurückzuführen. Die im Rahmen eines studentischen Projektpraktikums erarbeitete Online-Präsentation des Rundbuches ermöglicht es jetzt allen Wissenschaftlern, Studierenden und sonstigen Interessierten weltweit, dieses Kuriosum kennen zu lernen und die außergewöhnliche Buchbindekunst, die dahinter steht, in Text, Bild und Animation nachzuvollziehen.

Ein "alter Bekannter" begegnet den Nutzern des Portals Franconica-Online schließlich im dritten Projekt, bei dem die Chronik der Bischöfe von Würzburg, verfasst vom bischöflichen Sekretär und Archivar Lorenz Fries (1489/91-1550), in neuem Gewand und mit neuen Techniken aufbereitet wurde. Ins aktuelle Corporate Design der Universität gegossen, bietet die Online-Version ein Instrumentarium zur Nutzung dieser Prachthandschrift, das in dieser Form einmalig ist:

  • fehlertolerante Volltextsuche sowie vielfältige Navigationselemente und Zoom-Möglichkeiten,
  • eine Doppellupe und Überblendungen für das Lesen der alten Schreibschrift durch Vergleich mit der Transkription, also der Übertragung der Handschrift in unsere heutige Schrift,
  • Doppelseitenansicht und Blätteranimation, die die Handschrift in ihrer Körperlichkeit und Text-Bild-Komposition authentisch vermittelt.

Die hier entwickelte Oberfläche bietet erstmalig den künftigen Standard für die Web-Präsentation besonders wertvoller Bücher der Universitätsbibliothek.

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