Südtiroler Archäologiemuseum erzählt "FROZEN STORIES"

Neue Sonderausstellung eröffnet

Die neue Sonderausstellung im Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen (Südtirol) beleuchtet eine unerwartete Facette des Klimawandels: Seine archäologische Seite. Er bringt zu Tage, was für lange Zeit im Gletschereis verborgen war.

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Plakat
Plakat der Sonderausstellung (© Südtiroler Archäologiemuseum)

Ötzi ist nicht der einzige Glücksfund der letzten Jahrzehnte. Viele weitere Objekte sind aufgetaucht und erzählen spannende Geschichten aus der Vergangenheit. Und mit jedem neuen Fund stellt sich die Frage: Was trieb die Menschen über Jahrtausende auf die Gletscher?

Schnee und Eis frieren Gegenstände, Geschichten und Schicksale ein. Die Gletscherschmelze gibt sie Jahrtausende oder Jahrhunderte später wieder frei – und begründet damit einen noch relativ jungen Zweig der Geschichtsforschung, die Gletscherarchäologie. Oft sind es zunächst Alpinistinnen und Alpinisten, die unvermittelt auf menschliche Hinterlassenschaften stoßen. Holz, Metall, Leder, Stoff und viele andere Materialien werden bei Minusgraden und unter Ausschluss von Licht und Luft unter geradezu perfekten Bedingungen konserviert. Bedroht werden die Objekte im Eis dabei nur von den immensen Kräften, die durch die Gletscherbewegungen auf sie wirken.
Die geborgenen Gegenstände konfrontieren die Zuschauer mit Geschichten und Schicksalen der Vorfahren. Sie geben Hinweise darauf, dass Menschen in den unwirtlichen Höhen der Alpen seit jeher anzutreffen sind; Kälte, Schnee und unerträglichen klimatischen Bedingungen zum Trotz. Was bewegt Männer und Frauen seit jeher dazu, Gletscherregionen aufzusuchen? Die Sonderausstellung begibt sich auf ihre Spuren und rekonstruiert Absichten, Geschichten und Tragödien.

FROZEN STORIES zeigt über 30, teilweise erst vor kurzem geborgene Funde aus den Gletscherregionen der Alpensüdseite und benachbarter Regionen. Viele der Objekte werden erstmals öffentlich ausgestellt. Der multimedial gestaltete Parcours mit Animationen, Videos, Bildern und den Originalfunden lässt das Phänomen Gletscher auf 300 m² fassbar werden und vergegenwärtigt seine Aktualität.

Der Aufgang zur Sonderausstellung FROZEN STORIES veranschaulicht den Eintritt in eine abgeschiedene, gletschereisblaue Welt, in der es viel zu entdecken gibt. Zentrale Themen gleich am Anfang sind die Entstehung der Gletscher und die Klimageschichte mit ihren Wärme- und Kälteperioden, sowie der Temperaturanstieg der letzten Jahrzehnte. Er führt zu einem bedeutenden Abschmelzen der Alpengletscher und bringt dadurch immer neue Funde ans Licht.

Die archäologischen Folgen des Klimawandels lassen nicht auf sich warten: ein weiterer Aspekt der Ausstellung beleuchtet den Unterschied zwischen Konservierung im Eis und Konservierung in der Erde. Anschaulich wird dies durch die Gegenüberstellung der Gletschermumie Ötzi und dem Modell einer Bestattung aus derselben Epoche.

Im Gegensatz zur bekannten Feldarchäologie hat die Gletscherarchäologie einige Besonderheiten zu meistern. Die angewandten Techniken dieser sich noch im Aufbau befindlichen Forschungsrichtung werden anhand der Bergungsdokumentation eines kürzlich entdeckten Fundkomplexes dargestellt.

Die Anordnung der Objekte orientiert sich nicht an der Chronologie, sondern an den Beweggründen, die Menschen veranlassten und veranlassen, in die Schneeregion aufzubrechen - zur Jagd, zum Handel treiben, weil sie in den Krieg ziehen mussten oder als Freizeitabenteuer im Zuge des modernen Alpinismus. Jeder Fund erzählt von Mut, von Notwendigkeit oder von Verzweiflung am Gletscher und erlaubt uns einen einzigartigen Blick auf menschliche Schicksale am Höhenlimit.

Die Ausstellung ist bis zum 22.2.2015 zu sehen.

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