Ötzi: Ausstellung zum »20. Geburtstag« eröffnet

Am 19.09.2011 wird der Mann aus dem Eis 20 Jahre alt – zumindest in seinem zweiten Leben als natürliche Gletschermumie und Weltsensation. Das Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen widmet seinem Star deshalb eine Sonderausstellung, die am Dienstag eröffnet wurde.

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Ötzi-Rekonstruktion von Kennis
So könnte Ötzi zu Lebzeiten ausgesehen haben (Rekonstruktion: Kennis). Foto: © Südtiroler Archäologiemuseum / Ochsenreiter

Die Ausstellung mit dem Titel »Ötzi20« beleuchtet die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse, umfasst aber auch Kurioses und Absurdes wie esoterische Interpretationsansätze, witzige Vermarktungsideen und skurrile Blüten der Medienberichterstattung. Wie ein roter Faden schlängelt sich durch die Ausstellung die spannende Frage: Was macht Ötzi mit uns?

1991 verfolgten die Menschen in aller Welt voller Staunen die Bergung eines vollständig erhaltenen Menschen aus der Kupferzeit, der in einem Gletscher der Ötztaler Alpen 5.300 Jahre fast unversehrt überdauert hat, Kleidung und Werkzeug inklusive. Von den Medien liebevoll »Ötzi« getauft, hält uns der berühmte Südtiroler seitdem auf Trab mit immer neuen Erkenntnissen zu seinem Leben und seinem Tod. Bis auf Haut und Knochen analysiert, bekannt wie unser Wohnungsnachbar und gleichzeitig voller Rätsel, löst Ötzi damals wie heute konträre Emotionen und Reaktionen aus. Die Sonderausstellung »Ötzi20« ist eine Momentaufnahme. Zugleich stellt sie die Frage nach der Zukunft: Welche Geheimnisse werden neueste Untersuchungsmethoden dem Mann aus dem Eis noch entlocken? Ötzi wurde von zahlreichen WissenschaftlerInnen erforscht und von fast 3 Millionen Menschen im Museum besucht. Dem Leben vieler Menschen fügte er neue Perspektiven hinzu: er schob wissenschaftliche Karrieren an, schuf Arbeitsplätze, brachte Menschen aus aller Welt nach Bozen.

Die Ausstellung zeigt auf vier Etagen unter jeweils unter einem der Themen life, science, fiction und reality die gesamte Bandbreite von Ötzis Entdeckung, seinen Lebensumständen, den Forschungsergebnissen, der Medienrealität sowie der Fiktionen und Fragen, die um Ötzi herum entstanden sind. Jedes Stockwerk präsentiert sich in einem eigenen, vom Thema inspirierten Design und Material und gewährt neue Perspektiven von Ein- und Durchsichten. Interaktive Stationen und der Einsatz von Filmen, Interviews und Hands-on garantieren eine spannende und unterhaltsame Wissensvermittlung.

Die Sonderausstellung versteht sich nicht nur als Rückblick, sondern vor allem als Momentaufnahme eines bestimmten Zeitraums nach Ötzis Entdeckung und zeigt die auch ständige Veränderung an den Erkenntnissen und dem Bild, das von Ötzi entsteht. Dies spiegelt sich auch in der Ausstellungsgestaltung wider: Wissenschaftliche Neuentdeckungen und neue Diskussionsansätze fließen auch während der Ausstellungsdauer laufend ein und vermitteln den Mann aus dem Eis als Fenster in unsere archäologische Vergangenheit und soziale Sensation, die uns noch lange weiterbeschäftigen wird.

Wie sah Ötzi wirklich aus?

Eine der am häufigsten gestellten Fragen bleibt auch heute noch: Wie sah Ötzi wirklich aus? Viele Rekonstruktionsversuche konnten bisher keine zufriedenstellende Antwort darauf geben. Zur Ausstellungseröffnung stellte das Südtiroler Archäologiemuseum der Öffentlichkeit eine neue Rekonstruktion von Ötzi vor, die auf anatomischen 3D-Aufnahmen des Schädels basiert. Realisiert wurde sie von den renommierten Experten Alfons und Adrie Kennis aus den Niederlanden, die bereits dem Neandertaler ein Gesicht gaben. Neben ihrem künstlerischen Input flossen auch wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Forensik in die Rekonstruktion ein.

Künstlerische Auseinandersetzung mit Ötzi

Zahlreiche Künstler und Künstlerinnen haben sich seit der Entdeckung des Mannes aus dem Eis in den unterschiedlichsten Disziplinen und Techniken mit Ötzi auseinandergesetzt. Stellvertretend zeigt die britische Künstlerin Marilène Oliver in der Sonderausstellung eine Installation aus dem Jahr 2007, die mit der Vielschichtigkeit der Mumie spielt. Mit »Ötzi: Frozen, Scanned and Plotted« (auch »Iceman« genannt) hat Oliver den CT-Scan des Leichnams aus dem Eis in Bildpunkte übersetzt, die sie in Acrylscheiben Schicht für Schicht gebohrt und anschließend zu einem Block zusammengefügt hat. Die Südtiroler Fotokünstlerin Brigitte Niedermair ist europaweit auf die Suche nach dem „Bild von Ötzi“ gegangen, das sich Ausstellungsmacher von ihm schaffen. Ihre Fotografien im Großformat halten zahlreiche Ötzi-Rekonstruktionen in verschiedensten Kontexten und Interpretationsfacetten fest.

Die Ausstellung in Bozen ist noch bis zum 15.1.2012 zu sehen. Am 19.9. ist eine »Ötzi-Geburtstagsfeier« geplant. Ebenfalls im September findet ein wissenschaftliches Symposium mit neuen Ergebnissen zum Mann aus dem Eis statt.

Ötzi-Rekonstruktion von Kennis
Alfons Kennis legt letzte Hand an die Rekonstruktion von Ötzis Kopf. Foto: © Südtiroler Archäologiemuseum / Heike Engel 21Lux
Skulptur »Ötzi. Frozen, Scanned and Plotted«
»Ötzi. Frozen, Scanned and Plotted«. Skulptur der Künstlerin Marilène Oliver. Foto: © Südtiroler Archäologiemuseum
Blick in die Ausstellung Ötzi20
Blick in die Ausstellung Ötzi20. Foto: © Südtiroler Archäologiemuseum / foto-dpi.com

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