Staatliches Museum für Archäologie Chemnitz eröffnet am 16. Mai 2014

Mit dem Museum soll Sachsen eine dauerhafte Präsentation seiner archäologischen Landesschätze erhalten.

Auf 3.600 Quadratmetern Ausstellungsfläche werden ab Mai im denkmalgeschützten »Schocken«-Gebäude 300.000 Jahre Menschheitsgeschichte abgebildet und mit über 6.000 Exponaten ein Bogen von der Ur- und Frühgeschichte bis zum Beginn der Industrialisierung gespannt.

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Saniertes Schocken-Kaufhaus in Chemnzit
Die sanierte Fassade des ehemaligen Kaufhaus Schocken – Sitz des Staatlichen Museums für Archäologie Chemnitz. © Roland Halbe

In der Ausstellung werden die Besucher sehen, wie im Laufe der Zeit immer größere Gebiete besiedelt wurden und die Menschen ihre Umwelt stärker strukturierten. Analog zu dieser Entwicklung wandelt sich das szenografisch inszenierte Raumbild von der Naturlandschaft im ersten Obergeschoss über die Siedlungslandschaft im zweiten Obergeschoss bis hin zur Kulturlandschaft im dritten Obergeschoss des Gebäudes. Die beiden Hauptinszenierungen des Museums fassen die Ausstellungsbereiche zusammen. So repräsentiert eine kinetische Skulptur, angelegt als schwebendes Landschaftsmodell, das Land Sachsen im Zentrum des Gebäudes. Einzelne Landesteile bewegen sich dabei vertikal zwischen den Etagen auf und ab. Bespielt mit medial aufbereiteten Daten zu kulturellen, politischen oder infrastrukturellen Aspekten, stehen sie im visuellen Kontext zu den jeweiligen Themen der auf drei Etagen angelegten Ausstellungsebenen. Ergänzend bietet der 17 Meter hohe geologische Profilschnitt im Aufgangsbereich des Museums einen Einstieg in die Erdzeitalter und Kulturgeschichte.

»Die Eröffnung des Museums ist eines der wichtigsten kulturpolitischen Ereignisse des Jahres und ein kultureller Höhepunkt für den gesamten Freistaat«, erklärte Kunstministerin Sabine von Schorlemer bei der Bekanntgabe des Eröffnungstermins am Donnerstag dieser Woche. »Sachsen erhält mit dem neuen Museum im Herzen der Stadt Chemnitz eines der modernsten Archäologiemuseen Deutschlands und ist ein starkes Bekenntnis der Staatsregierung zu Bildung und Kultur in Sachsen. Identität und Selbstverständnis fußen auf dem Bewusstsein unserer Jahrtausende alten Kultur. Im Staatlichen Museum für Archäologie Chemnitz wird sich bald jeder mit seinen kulturellen Wurzeln auseinander setzen können. Aber auch die wechselvolle Zeitgeschichte dieses Hauses und seiner jüdischen Protagonisten wird abgebildet.«

»Mit modernster, multimedialer Technik möchten wir unser Wissen vermitteln und ein breites Publikum begeistern«, erklärte Sabine Wolfram, die Direktorin des Museums. »Besonders freuen wir uns auf die schwebende Sachsenskulptur. Sie ist einzigartig in der deutschen Museumslandschaft und eines unserer Highlights.«

Für die Szenografie der Dauerausstellung zeichnet das Stuttgarter Gestaltungsbüro Atelier Brückner verantwortlich. Kreativdirektor Uwe R. Brückner versprach einen neuen, zeitgemäßen und emotionalen Zugang zur Archäologie. »Gute Szenografie muss den Besucher informieren und faszinieren. Sie vereint Logik und Magie«, sagte Brückner.

Derzeit plant das Museumsteam die Eröffnungsfeierlichkeiten. Unterschiedliche Angebote sollen die Besucher in das Museum locken. »Am Auftaktwochenende wollen wir allen Beteiligten, Interessierten und Neugierigen ein ganz besonderes Programm mit einigen Überraschungen bieten«, so Sabine Wolfram.

Das Staatliche Museum für Archäologie blickt auf eine längere Entstehungsphase zurück. Eine erste Idee zu dem Landesmuseum am Standort Chemnitz wurde bereits 2002 formuliert. Ein Kabinettsbeschluss der Sächsischen Staatsregierung gab im Jahr 2006 den Startschuss für die Museumsplanung. Der Freistaat und die Stadt Chemnitz – Besitzerin des Gebäudes – unterzeichneten 2009 den Mietvertrag. Ab 2010 fanden die Sanierungs- und Umbaumaßnahmen an dem ehemaligen Kaufhaus Schocken statt. Seit zwei Jahren präsentiert sich die Fassade des Gebäudes der Klassischen Moderne wieder so, wie sie der berühmte Architekt Erich Mendelsohn 1927 entwarf. Auftraggeber damals waren die Brüder Simon und Salman Schocken, die das Kaufhaus am 15. Mai 1930 eröffneten.

Ausstellung im Archäologie-Museum Chemnizt
Lichtstimmungen machen den Wechsel von Kalt- und Warmzeiten für den Museumsbesucher spürbar. © ATELIER BRÜCKNER
Sachsenskulptur
Die schwebende Sachsenskulptur schafft eine inhaltliche Verbindung zwischen den Ausstellungsetagen. © ATELIER BRÜCKNER

Kommentare (2)

  • Prof. Dr. Wolfgang Kuhoff
    Prof. Dr. Wolfgang Kuhoff
    am 22.01.2014
    Der Artikel, der im beträchtlichem Maße Stellungnahmen von Beteiligten widergibt, ist ein Beispiel für merkliches Schönreden. Mit keinem Worte wird darauf eingegangen, daß es zur völligen Neueinrichtung eines sogenannten Archäologischen Landesmuseums auf der grünen Wiese in Chemnitz eine Alternative gab, nämlich den Ausbau und die wirkliche Innensanierung des ursprünglichen Sitzes dieses Museums, nämlich des Japanischen Palais in Dresden. Diese eigentlich naheliegende Idee wurde aus welchen Gründen auch immer verworfen und stattdessen für die grüne Wiese geplant. Es kommt daher der Eindruck auf, daß sich hiermit eine Einzelperson oder eine Landesregierung profilieren wollte, ohne gewachsene Strukturen zu berücksichtigen. Deswegen gab es ja auch merkliche Widerstände und Rücktritte von ausgewiesenen Fachleuten im archäologischen Bereich, die eine Verlagerung der unzähligen in Dresden vorhandenen Objekte nicht als richtig ansahen. Liest man nun die regelrecht euphorischen Aussagen der heutigen zuständigen Personen, so muß deutlich gesagt werden, daß auch Kultusminister und -ministerinnen in der Regel keine Fachleute für Alles sind, sich aber vielfach zu Unrecht als solche gerieren. Die angedeutete Konzeption der Innengestaltung läßt darüberhinaus die Befürchtung aufkommen, daß nicht die Sachobjekte, sondern deren Präsentation nach hypermodernen Vorstellungen im Mittelpunkt stehen wird. Daß diese die Macher freut, ist verständlich, doch ob ein solches Vorgehen wirklich die Leitlinien der Menschheitsgeschichte im geographischen Bereich Sachsens mittels eines von den Sachobjekten ausgehenden und nicht von fachfremden Gestaltern hingebogenen Konzeptes darzustellen vermag, muß dahingestellt bleiben. Hoffentlich kommt nicht ein derartiges Werk heraus, das ich aufgrund der Erfahrung in anderen Fällen mit dem Satz zu bezeichnen pflege: "Vor lauter modernistischem Brimborium mußte man die Originalobjekte mit der Lupe suchen." Damit ist niemandem gedient. Noch ein Detail: Auf jeden Fall müssen die Vitrinen aus doppelt entspiegeltem Glas gefertigt werden, damit die Besucher die Objekte und nicht ihre eigenen Gesichter beim Betrachten sehen. Das wohl deutschlandweit vorbildliche Museum in dieser Hinsicht steht nämlich genau in Sachsen: Es ist das Grüne Gewölbe im Dresdner Schloß. Hieran sich ein Vorbild zu nehmen, wäre immerhin eine gutes, dem zu erwartenden Publikum nützendes Gestalten.
  • Hans-Hermann Koch
    Hans-Hermann Koch
    am 22.05.2014
    Freundliche Grüsse aus dem Stadtmuseum Pegau.

    Tylo Peter und ich würden uns über eine Einladung zum 17.09.2014 sehr freuen, um unsere Exponate aus
    dem Pegauer Sankt Jakob Kloster zu beschauen.

    Mfg H-H Koch

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