Neue Erkenntnisse zur Besiedlungsgeschichte Unnas

Fast wie neu wirkte die Keramik, die den Archäologen des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) jetzt in Unna einen überraschend umfangreichen Einblick in mehr als 6.000 Jahre Siedlungsgeschichte ermöglichte. Doch nicht nur ganze Gefäße begeistern die Archäologen. Auf einer relativ kleinen Fläche tauchte eine erstaunlich große Anzahl von archäologischen Funden aus allen Epochen auf. Damit wird ein Einblick in die Siedlungskultur am Hellweg möglich, wie es sonst selten der Fall ist.

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Ein kleiner Ausschnitt aus einer Vielzahl von Funden
Ein kleiner Ausschnitt aus einer Vielzahl von Funden: Die LWL-Archäologen sind überrascht und begeistert von der Menge und Qualität der Artefakte, die hier zum Vorschein kamen (Foto: Zafer Görür/Archaeonet GbR)

Schon seit langem ist den Forschern der Außenstelle Olpe der LWL-Archäologie für Westfalen bekannt, dass im Unnaer Boden wertvolle Schätze der Vergangenheit verborgen sind. Immer wieder waren Artefakte aus dem sicheren Schutz der Erde an die Oberfläche gelangt. Deshalb standen die Archäologen auch bereit, als auf dem Gelände einer Firma an der Max-von-Laue-Straße die Bagger anrollten. Eine Hallenerweiterung stand an und damit Eingriffe in das Bodendenkmal. Die Erwartungshaltung der LWL-Archäologen bestätigte sich, als die Baggerschaufel Humus und Mischschichten abgetragen hatte und ein Blick in die tieferen Erdregionen möglich war. Es tat sich im wahrsten Sinne ein Geschichtsbuch aus archäologischen Fundstücken auf.

Zunächst freute sich Dr. Eva Cichy, Archäologin der Außenstelle Olpe, über die ersten Gruben aus der Zeit vor Christi Geburt. Dann die Überraschung: Auf lediglich 3.000 qm Fläche kamen insgesamt 52 archäologische Befunde zu Tage: Artefakte, die in ihrer Lage, den Erdschichten und den sie umgebenden Funden viele wertvolle Informationen für die Archäologen bereithalten. Allein in 40 Gruben legten die Menschen Vorräte in den zu ihrer Zeit gebräuchlichen Gefäßen an oder entsorgten den Müll. Fünf Pfostengruben zeigen, dass hier Bauwerke auf Holzpfählen errichtet wurden. In sieben weiteren Gruben wurden Ernteprodukte und Lebensmittel geschützt vor Feuchtigkeit, Wind und Wetter gelagert.

"Beeindruckend ist vor allem die Qualität der aufgefundenen Keramik, die teilweise in ganzen Geschirrsätzen in den Gruben niederlegt wurde", schildert Dr. Eva Cichy. "Aber auch die Dichte der Funde und Befunde ist bemerkenswert." Durch die Auswertung der Artefakte sind sich die Archäologen sicher: Auf dieser Fläche haben schon vor mehr als 6.000 Jahren Menschen gesiedelt. Vor ca. 3.000 Jahren wurde die gleiche Stelle wieder genutzt. Offenbar war der Ort gut für Siedlungen geeignet. Das eigentliche Siedlungszentrum wird sich vermutlich in unmittelbarer Nähe befunden haben. Die Stelle, an der jetzt die neue Lagerhalle entsteht, haben die Menschen schon vor Tausenden von Jahren vor allem für Vorratslagerung in Speichergruben oder für die Lehmentnahme zum Hausbau genutzt.

Die archäologischen Arbeiten, die von einer Fachfirma aus Bonn ausgeführt wurden, konnten trotz der widrigen Wetterbedingungen jetzt abgeschlossen werden. Bald wird auf dieser Fläche die uralte Tradition des Ortes fortgesetzt und Vorratslagerung nach zeitgemäßen Maßstäben umgesetzt.

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