Nachwuchsforscher untersuchen Ausbreitung der Milchwirtschaft im Europa der Jungsteinzeit

Marie Curie Research Training Network "Leche" zur Rolle der Milchwirtschaft in der menschlichen Evolution veranstaltet Workshop in Mainz

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Milch zählt zu den wichtigsten Nahrungsmitteln - zumindest für uns Europäer. Denn im Gegensatz zu dem größten Teil der Weltbevölkerung können die Bewohner Nord- und Mitteleuropas Milch sehr gut verdauen und sich somit eine wertvolle Nahrungsquelle erschließen. Der Grund dafür liegt in einer Fähigkeit, die als Laktasepersistenz bezeichnet wird und die fast nur nördlich der Alpen und bei wenigen Afrikanern vorkommt: die Fähigkeit, Milchzucker mit Hilfe des Enzyms Laktase auch noch im Erwachsenenalter zu verdauen. Mit dieser erstaunlichen Selektion beschäftigt sich eine Gruppe von Nachwuchswissenschaftlern, die von der Europäischen Union im Rahmen ihrer Marie-Curie-Förderungen unterstützt werden und nun Anfang September zu einem Arbeitstreffen nach Mainz kommen. Bei dem Workshop wird vor allem das Thema Domestikation und Milchwirtschaft behandelt.

Das Gen, das den Organismus befähigt, Milch zu verdauen, ist das am stärksten von der Evolution selektierte Gen des Menschen, zumindest bei Europäern und einigen Afrikanern. Diese molekulargenetische Erkenntnis führte zur Einrichtung des EU-geförderten Ausbildungsnetzwerks "Leche". Seit 2008 forschen 15 Doktoranden und zwei Postdoktoranden mit ihren Betreuern rund um das Thema Milch. Beteiligt sind Archäologen, Genetiker, Isotopenchemiker, Zoologen und Spezialisten für Computersimulationen. Sie vertreten verschiedene Institutionen, die teilweise auf ihrem Gebiet führend sind, so etwa die Universitäten von Oxford und Cambridge aber auch den CNRS in Paris und die Römisch-Germanische Kommission in Frankfurt am Main. Das grundlegende Prinzip eines Marie Curie Research Training Networks ist, dass die Kandidaten jeweils aus dem europäischen Ausland kommen müssen, um so die Mobilität und Vernetzung innerhalb der EU-Jungwissenschaftler zu fördern. In Mainz arbeitet seit Januar 2009 die gebürtige Römerin Michela Leonardi, die ihr bisheriges Studium in Ferrara und Paris absolviert hat. An der Johannes Gutenberg-Universität beschäftigt sie sich mit popula-tionsgenetischen Simulierungen von Domestikationsereignissen in der Vorgeschichte. Ihre Leidenschaft gilt also großen Datenmengen und dem Computer, und das, obwohl sie ursprünglich Archäologie studiert hat. "Sie vertritt exakt die Kombination aus Prähistorie und Bioinformatik, die uns vorschwebte", so Joachim Burger, Juniorprofessor am Institut für Anthropologie und Gastgeber des Workshops. "Neue Sequenziertechnologien in der Molekulargenetik produzieren derzeit eine ungeahnte Menge an DNA-Daten, die nun statistisch aufgearbeitet werden müssen. Insofern wird die Dissertation von Frau Leonardi bedeutend für unser Feld sein." Burger und sein Palaeogenetik-Team untersuchen die DNA aus prähistorischen Skelettpopulationen und modellieren Bevölkerungsdynamiken der letzten Jahrtausende. Das Team gilt hinsichtlich der Analyse alter humaner DNA als weltweit führend.

Während des Workshops muss jeder teilnehmende Nachwuchswissenschaftler eine schriftliche Arbeit zum Thema "Domestikation und Milchwirtschaft" verfassen. Morgens bzw. abends erhalten die Teilnehmer zusätzlich Unterricht von Seiten der Betreuer aus der EU, die ebenso an dem Workshop teilnehmen. Diese stehen dann auch tagsüber für Diskussionen zur Verfügung. "Es ist ein großes Privileg, von den besten Lehrern aus ganz Europa unterwiesen zu werden. Das Marie-Curie-Stipendium ist ein wahrer Glücksfall für jeden, der es bekommt", sagt Michela Leonardi. "Und ein besonderes Glück ist es, nach Mainz am Rhein zu kommen, wo mir die Atmosphäre in der Gruppe, aber auch in der Stadt besonders gut gefällt", fügt sie hinzu.

Der Workshop beginnt am 8. und endet am 15. September und findet in den Räumen des Instituts für Anthropologie im SBII, 2. Stock, Campus der Johannes Gutenberg-Universität Mainz statt. Die Vorträge im Hörsaal des Instituts sind öffentlich.

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