Moderne Autobahn trifft historische Römerstraße

Wo künftig der neue Albaufstieg verläuft, befand sich vor rund 2.000 Jahren bereits eine der wichtigsten römischen Straßen Südwestdeutschlands. Bei Untersuchungen haben Archäologinnen und Archäologen jetzt ein Teilstück der sogenannten "Alblimes-Straße" freigelegt.

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Ausgrabung einer Römerstraße auf der Schwäbischen Alb
Für den Bau der Alblimes-Straße verwendete man den anstehenden weißen Jurakalkstein aus dem Verwitterungshorizont der schwäbischen Alb und legte diese sorgsam als Grundlage des Straßenkörpers an. Foto: Dr. René Wollenweber, LAD.

Seit August 2025 betreut das Landesamt für Denkmalpflege (LAD) im Regierungspräsidium Stuttgart umfangreiche Ausgrabungen von Kulturdenkmälern an der Albhochfläche. Die Untersuchungen erfolgen im Vorfeld des neuen A8-Albaufstiegs. Am 29. Juli 2026 gewährte das LAD Einblicke in die aktuellen Funde, die die Arbeitsgemeinschaft der archäologischen Fachfirmen fodilus und ArchaeoBW nahe Drackenstein freigelegt hat. Die Ausgrabungen dauern voraussichtlich bis Ende des Jahres an. Dr. René Wollenweber, Referent für lineare Projekte am LAD, sagte: "Die Funde erhellen unser Bild über die Entstehung, Bedeutung und Nutzung einer der ältesten Straßen in Baden-Württemberg. Die Ausgrabungen zeigen, dass der Bau moderner Verkehrswege, die denkmalpflegerisch begleitet werden, nicht nur essentiell für den heutigen Landesausbau ist, sondern auch unser Wissen über die Entwicklung der Kulturlandschaft sowie das kulturelle Erbe Baden-Württembergs bereichern."

Bislang wurden rund 90 Meter der "Alblimes-Straße" freigelegt. Die Verbindung zwischen Rottweil und Heidenheim an der Brenz zählt zu den ältesten Straßen Baden-Württembergs und wurde vermutlich unter Kaiser Vespasian angelegt. Neben den Kastellen und Siedlungen stellt die "Alblimes-Straße" die maßgebliche Infrastruktur der im 1. Jh. n. Chr. neu gegründeten Provinz "Germania Superior" dar. Sie erfüllte eine kommunikative Funktion im Sinne des wirtschaftlichen und strategischen Austauschs und markierte über ein Jahrhundert lang die Grenze zwischen dem römischen Imperium und dem bis dato noch freien Germanien.  

Die schwäbische Alb ist geographisch eine in sich geschlossene Landschaft, die vom Rheinfall bei Schaffhausen bis zum Nördlinger Ries reicht. Die natürliche Landbrücke ist 200 Kilometer lang und 45 Kilometer breit. Aufgrund ihrer Beschaffenheit integrierte sie das expandierende römische Imperium im 1. Jh. n. Chr. gezielt in seine Grenzstrategie. Der "Alblimes" auf der Albhochfläche bestand vor allem aus Grenzkastellen, z. B. Urspring, Donnstetten, die durch die "Alblimes-Straße" verbunden wurden. Lange Zeit wurde die Existenz des "Alblimes" aus strategischen Gründen lediglich vermutet. Erst Ausgrabungen im 19. und 20. Jahrhundert brachten den Beweis. Seitdem gilt der "Alblimes" als Kulturdenkmal von überregionaler Bedeutung. 

Lage der Ausgrabungsstelle
Die historische Alblimes-Straße wird von der zukünftigen Trasse der A8 bei Drackenstein im 90-Grad-Winkel gequert. Zu sehen sind die aktuellen Freilegungsarbeiten der römischen Straße im Juni 2026, Blick nach Ost. Foto: Susanne Barthel, fodilus GmbH.
Halber Sesterz von der Ablimes-Straße
Eine Bronzemünze (unrestauriert, 1 Dupondius = ½ Sesterz) aus dem Bereich der römischen Straße. Schemenhaft ist auf der Vorderseite (rechts) das Abbild eines Kaisers (vermutlich Kaiser Domitian) zu erkennen. Foto: Kathrin Conrad, fodilus GmbH.
Bronzezeitliche Rollenkopfnadel
Eine bronzezeitliche Rollenkopfnadel aus dem Bereich der Straße, die aus der Urne beim römischen Straßenbau aus der Urne gelöst wurde. Foto: Kathrin Conrad, fodilus GmbH.
Römische Schuhnägel
Funde von römischen Schuhnägeln (Eisen, noch unrestauriert). Foto: Kathrin Conrad, fodilus GmbH.