Bei Ausgrabungen an der Kirche wurde bereits 1980 festgestellt, dass ihre ältesten Fundamente aus dem späten 9. bis 11. Jahrhundert stammen. Die früheste schriftliche Erwähnung von Werther stammt aus dem Jahr 1009. Bisher waren jedoch, bis auf einen Graben im Bereich des Regenrückhaltebeckens vom Neubaugebiet "Blotenberg", noch keine archäologischen Spuren der mittelalterlichen Besiedlung bekannt. Die kürzlich abgeschlossene Ausgrabung hat jetzt erstmals einen unmittelbaren archäologischen Nachweis und die ersten Funde aus dem Altstadtbereich überhaupt erbracht.
Das Grabungsteam unter der Leitung von Hisham Nabo hat auf der knapp 800 Quadratmeter großen Grabungsfläche insgesamt 39 Befunde erfasst, darunter einen aus Backstein erbauten jüngeren Brunnen und andere neuzeitliche Befunde.
Entscheidend für die frühe Stadtgeschichte Werthers sind jedoch Pfostengruben, die einen Hausgrundriss zeigen und belegen, dass an dieser Stelle ein fast 20 Meter langes Gebäude in Pfostenbauweise gestanden hat. Das Gebäude lag einst wohl keine 100 Meter vom Schwarzbach entfernt, der sicherlich eine wichtige Rolle bei der Siedlungsentwicklung gespielt hat. Dass das ehemalige Haus über einen langen Zeitraum, vermutlich 30 bis 40 Jahre bewohnt war, zeigen Reparaturspuren an einer der Pfostenstellungen. Offenbar hatte man den Pfosten austauschen müssen und die neue Pfostengrube zum Schutz vor Feuchtigkeit mit Steinen ausgekleidet. Da die Steine vorher starker Hitze ausgesetzt waren, ist es nicht unwahrscheinlich, dass man hierfür kurzerhand Teile einer Feuerstelle verwendete. Durch die archäologische Ausgrabung wird so die Geschichte des Hauses auch 1.000 Jahre später noch erfahrbar.
Typische Keramikscherben aus den Pfostengruben datieren den an der Ravensberger Straße erfassten Siedlungsausschnitt in das 10./11. Jahrhundert und damit in die Zeit der frühen Kirche und der ersten schriftlichen Erwähnung Werthers.
"Die Ausgrabung hat einmal mehr gezeigt, wie wichtig die archäologische Begleitung von Baumaßnahmen in historischen Ortskernen generell und insbesondere bei Nachverdichtungen ist," so Sebastian Düvel, wissenschaftlicher Referent der LWL-Archäologie für Westfalen/Außenstelle Bielefeld. "Nur durch archäologische Untersuchungen sind diese wichtigen Erkenntnisse zur Stadtgeschichte noch zu erhalten. Sie können auf keinem anderen Weg mehr gewonnen werden."
"Wir sind wirklich erfreut über den reibungslosen Ablauf der Untersuchung und dass wir unseren Beitrag zur Erforschung der Stadtgeschichte leisten konnten, zumal wir zum ersten Mal mit der Archäologie zu tun hatten", sagte Bauleiterin Mareike Bünting. Dies ist vor allem möglich, da im Vorfeld bereits eine enge Abstimmung zwischen Denkmalbehörde, Bauträger, Grabungsfirma und LWL-Archäologie für Westfalen stattgefunden hat.







