In die Höhe gewohnt. Archäologische Untersuchungen an einem Siedlungshügel bei Groß Rosenburg, Sachsen-Anhalt

Wohnen Menschen kontinuierlich über lange Zeit an demselben Platz, so können sich Abfälle, der Schutt von Häusern usw. schichtenweise zu regelrechten Wohnhügeln auftürmen. Bei Untersuchungen des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt in Groß Rosenburg im Salzlandkreis konnte nun ein solcher Wohnhügel dokumentiert werden, der sich einst über ungefähr acht Hektar erstreckt hatte und über mehrere tausend Jahre immer wieder als Siedlungsplatz genutzt wurde.

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Ausgrabungsflächen bei Groß Rosenburg
Groß Rosenburg. Überblick über die Grabungsflächen. Foto: Nikita Sirman © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt

Archäologischer Hintergrund: Siedlungshügel / Tells

Wohnen Menschen kontinuierlich über lange Zeit an demselben Platz, so können sich Abfälle, der Schutt von Häusern usw. schichtenweise zu regelrechten Wohnhügeln auftürmen. Solche Wohnhügel werden mit einem aus dem arabischen stammenden Wort als »Tell« bezeichnet. Diese Siedlungsform ist jedoch nicht nur für den Vorderen Orient charakteristisch, sondern kommt zwischen Südosteuropa und der Ungarischen Tiefebene häufig im Neolithikum und in der Bronzezeit vor. Weniger geläufig ist diese Siedlungsform in Mitteldeutschland, doch wurden in den letzten Jahren verstärkt Siedlungshügel in der sehr fruchtbaren Goldenen Aue bei Sangerhausen, aber auch an der Elbe und ihren zahlreichen Nebenflüssen entdeckt.

Untersuchungen bei Groß Rosenburg

In Groß Rosenburg im Salzlandkreis ist ein solcher Wohnhügel, der sich einst über ungefähr acht Hektar erstreckt hatte, in für Mitteleuropa einmaliger Weise überliefert. Vor 250 Jahren wurde über dem noch zweieinhalb Meter hohen Tell ein Deich errichtet, der den Fundplatz überdeckte und schützte. Ähnlich zu den ungarischen Wohnhügeln begann die Besiedlung in Groß Rosenburg bereits im Neolithikum. Durch das kontinuierliche Eintragen von Material wie Bauschutt, also das »Hochwohnen«, konnte unmittelbar in der fruchtbaren von der Saale ausgebildeten Flussaue trockenen Fußes gelebt werden: ein enormer Standortvorteil in hochwasserbedrohter Lage.

Sanierungsarbeiten am Deich ermöglichten im Jahr 2025 einen stichpunktartigen, jedoch wichtigen Einblick in die Schichtenfolge. Die frühesten Siedlungsphasen in Groß Rosenburg sind mit der Linienbandkeramik (5500-4900 vor Christus) und der Stichbandkeramik (4900-4600 vor Christus) zu verbinden. Weitere Siedler folgten im Mittelneolithikum, der Späten Bronzezeit und dann noch einmal in der Völkerwanderungszeit, bevor sich im 9. Jahrhundert nach Christus Slawen hier niederließen. Aufgrund des begrenzten Einblicks bleibt unklar, ob während des ausklingenden Neolithikums und der einsetzenden Frühbronzezeit wirklich keine Aktivitäten auf der Anlage zu verzeichnen sind. Auf der ovalen, in der Länge fast einen halben Kilometer messenden Fläche wurde gelebt und gestorben – wie im unmittelbaren Wohnbereich niedergelegte und Brand- und Körperbestattungen aufzeigen.

Der Siedlungshügel von Groß Rosenburg belegt eindrucksvoll, dass bereits vor 7500 Jahren in einer extrem fruchtbaren und gleichfalls stark hochwassergefährdeten Region eine angepasste Lebensweise praktiziert wurde. Bis heute verfügt Sachsen-Anhalt deutschlandweit in der Gesamtschau über die meisten und längsten Flussdeiche, um Lebensraum ausreichend zu schützen. Der schon vor Jahrhunderten errichtete Deich bei Groß Rosenburg schützte zusätzlich in einmaliger Weise einen Wohnhügel und damit eine Siedlungsform, die zwar einst für Mitteldeutschland prägend gewesen sein dürfte, doch vielerorts durch die intensive Landwirtschaft bis zur Unkenntlichkeit abgetragen wurde.

Freilegung eines Urnengrabes
Groß Rosenburg. Ausgrabung eines Urnengrabs mit Steinschutz. Foto: Andriy Danchenko © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt