Krems als Zentrum der Eiszeitforschung

In den Büros der Akademie der Wissenschaften in Krems (Niederösterreich) herrscht derzeit reges Treiben, da die altsteinzeitlichen Funde aus dem Raum Krems ein international hohes Interesse hervorrufen und nun in sorgfältiger Kleinarbeit inventarisiert werden.

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Studenten und Dozenten der Universitäten Wien und Köln wollen im Rahmen eines Projektes die altsteinzeitlichen Funde aus dem Kremser Raum invetarisieren und aufarbeiten (Foto: Norbert Weigl)
Studenten und Dozenten der Universitäten Wien und Köln wollen im Rahmen eines Projektes die altsteinzeitlichen Funde aus dem Kremser Raum invetarisieren und aufarbeiten (Foto: Norbert Weigl)

Zu den bedeutenden Funden vom Kremser Raum zählen die Fundstellen von Stratzing mit der 32.000 Jahre alten Dame "Fanny", die einzigartigen 27.000 Jahre alten "Zwillinge von Krems", sowie der Befund vom Grubgraben bei Kammern (Langenlois), dessen ca. 19.000 Jahre alte Flöte das älteste Musikinstrument Österreichs repräsentiert. Für das Urgeschichtemuseum Niederösterreich in Asparn/Zaya ist diese Aufarbeitung von enormer Bedeutung, da vieles davon ab 2014 in der Ausstellung zu sehen sein wird.

Etwa 70.000 Objekte aus archäologischen Grabungen aus dem Raum Krems werden derzeit in einem Projekt von deutschen und österreichischen Wissenschaftlern erfasst. Im Büro der "Altsteinzeitforschung" der Österreichischen Akademie der Wissenschaften werden die Objekte in mühsamer Kleinarbeit von Studenten aus Köln und Wien inventarisiert, vorwiegend sind dies Steingeräte. "Das ist für unsere älteste Geschichte und zugleich für das Urgeschichtemuseum Niederösterreich, das 2014 als Kompetenzzentrum für Ur- und Frühgeschichte eröffnen wird, ungeheuer wichtig. Die besonderen Funde werden dann im Original in Asparn/Zaya zu sehen sein" erklärt Dr. Ernst Lauermann, wissenschaftlicher Leiter des Urgeschichtemuseum in Asparn an der Zaya.

Mit diesem Inventarisierungprojekt werden die Objekte der Grabungen am Grubgraben nun bearbeitet. Diese Grabungen fanden zwischen 1985 und 1994 unter der Flagge des Niederösterreichischen Landesmuseums statt, konnten aber durch den überraschenden Tod des Ausgrabungsleiters Dr. Brandtner nicht mehr bearbeitet werden. Unzählige Anfragen aus dem Ausland nach dem hochinteressanten Fundmaterial mussten unbeantwortet bleiben. Nun wird dieses Material aufgearbeitet, die Abteilung für Prähistorische Archäologie des Institutes für Mediterrane und Prähistorische Archäologie (ehem. Prähistorische Kommission) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften mit dem Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Köln sind eine erfolgversprechende Kooperation eingegangen: Univ. Prof. Jürgen Richter kam im Rahmen eines Universitätslehrganges mit einem Dutzend Kölner Studenten nach Krems, um in dreiwöchiger Arbeit zusammen mit Univ.-Doz. Christine Neugebauer-Maresch, Dr. Thomas Einwögerer, Mag. Ulrich Simon und Wiener Studenten einen ersten wesentlichen Schritt zur Inventarisierung des Materials vom Grubgraben in Angriff zu nehmen. "Der intensive wissenschaftliche Austausch ist etwas, wovon alle Seiten profitieren - die Studenten ebenso wie wir Kollegen, die Stadt Krems mit ihrer Infrastruktur und das Land Niederösterreich“ erklärt Christine Neugebauer-Maresch.

Kommentare (1)

  • Christian Herold
    Christian Herold
    am 23.04.2013
    Die Eiszeitforschung wird Ihre Ergebnisse in folgendem Punkt neu bewerten müssen. Um genügend Wasser in die Atmosphäre zu verdampfen benötigen wir nicht eine globale Abkühlung allein sondern auch das Gegenteil. Die Frage wo kommt oder kam das Wasser her das zur Eisbildung in den " kalten Perioden " nötig war ? Lassen sich heute schon Anzeichen erkennen, die darauf hindeuten, dass der Klimaerwärmung mit einhergehender Zunahme von Wasserdampf in der Atmosphäre im Grunde nach der Beginn der Abkühlung bis hin zu einer Eiszeit ist. Oder Verschieben sich die Klimazonen innerhalb einer Warmzeit gar nicht nach norden ?

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