Keltisches Versammlungshaus rekonstruiert

Ein außergewöhnlicher Haustyp der La-Tène-Zeit wird in Österreich erstmals rekonstruiert

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Rekonstruktion des keltischen Versammlungshauses
Rekonstruktion des keltischen Versammlungshauses aus dem 2. Jh. v. Chr. nach Befunden aus Michelstetten. © Urgeschichtemuseum Niederösterreich

Im Freigelände des Urgeschichtemuseums Niederösterreich in Asparn an der Zaya wird derzeit neben dem keltischen Heiligtum aus Roseldorf (Rekonstruktion 2008) ein zweites außergewöhnliches Denkmodell aus der Keltenzeit errichtet: ein Versammlungshaus (2. Jahrhundert v. Chr.). Das Modell im Maßstab 1:1 beruht auf archäologischen Befunden aus Michelstetten (Bezirk Mistelbach, Gemeinde Asparn), wo das Museum in den letzten Jahren umfangreiche Grabungen durchführte.

Der Grundriss des Gebäudes weist eine bisher in Österreich unbekannte Form auf. Mit ca. 8 x 7,5 m und vier ungewöhnlich tief eingegrabenen Holzpfosten kann auf eine herausragende Höhe von ca. 6 m geschlossen werden. Die vier mächtigen Pfosten hatten die gesamte Last des Daches zu tragen, das wahrscheinlich mit Holzschindeln gedeckt war. Die Wände sind aus dicht an dicht gesetzten Holzbohlen errichtet. Im Süden besitzt das Versammlungshaus ein breites Eingangstor, das mit einem eigenen vorspringenden Dach bedeckt war. Genau gegenüber liegt an der Rückseite eine kleinere Tür. Durch diese zwei Eingänge unterscheidet sich das Gebäude von den üblichen Wohnhäusern der Keltenzeit. Außerdem lag das Haus genau im Zentrum an der Hauptstraße des keltischen Dorfes von Michelstetten. Deshalb wird vermutet, dass dieses herausragende Bauwerk als Versammlungs- und Kultzentrum des keltischen Dorfes diente. „Durch die genaue Befundanalyse von Dr. Peter Trebsche ist es gelungen die Spuren dieses Hauses in den Befunden von Michelstetten überhaupt zu finden. Das zeigt, das zielstrebige Analysen oft überraschende Ergebnisse liefern“, so Dr. Ernst Lauermann, wissenschaftlicher Leiter des Urgeschichtemuseums Niederösterreich in Asparn/Zaya.

Es handelt sich um einen in Österreich einzigartigen Befund, denn vergleichbare Gebäude sind bislang nur aus Westfrankreich und Süddeutschland bekannt. „Das Ziel der Landesarchäologie kann es nur sein, den Besuchern wissenschaftliche Ergebnisse zugänglich zu machen. Die Errichtung dieses Gebäudes als Modell im archäologischen Freigelände kann als weiterer bedeutender Schritt als Bindeglied zwischen Wissenschaft und Besucher gewertet werden“, so Dr. Lauermann.

Das Holzgebäude wurde von Experimentalarchäologen mit Werkzeugen und Techniken errichtet, die in der Keltenzeit bekannt waren. Die Außenwände sind farbig angestrichen, um die Bedeutung des Versammlungshauses hervorzuheben. Bei der Ausgrabung konnten leider keine Hinweise auf die Einrichtung gefunden werden. Es ist aber wahrscheinlich, das in dem Versammlungshaus prunkvolle Waffen, Streitwägen, Pferdegeschirr, Kriegstrophäen und Beutestücke aufbewahrt wurden, die bei Kriegerversammlungen, Festen und Gelagen zur Schau gestellt wurden. Für die Gelage und Festmähler waren vermutlich Kochkessel, Bratspieße, Fleischgabeln, Weinkannen, Trinkhörner und Becher vorhanden. „Im Laufe der Zeit wollen wir das Michelstettner Versammlungshaus auch mit Repliken ausstatten, die es dem Besucher ermöglichen Einblicke in die Welt der Kelten zu erhalten“, so Dr. Ernst Lauermann.

Das neue Haus wird Ende Mai eröffnet, die Einweihung wird mit einem großen Keltenfest am 29./30. 5. gefeiert.

Kommentare (2)

  • Schmidt
    Schmidt
    am 07.05.2010
    Eine interessante Sache.
    Nur könnten Sie bitte den Fehler berichtigen, für den jeder Student in einer Klausur geköpft werden würde? Der eponyme Fundort heißt La Tène, folglich ist es auch die La-Tène-Zeit.
    Dankeschön.
  • T. Jordan
    T. Jordan
    am 07.05.2010
    Da ist uns wahrlich ein kleiner, aber feiner Fehler unterlaufen.

    Vielen Dank für den Hinweis!

    Mit freundlichen Grüßen
    Thilo Jordan

    Redaktion Archäologie Online

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