In den Gräbern der Etrusker wandeln

Durch das EU-Projekt TARCHNA können die Besucher in Zukunft in einem virtuellen Museum durch etruskische Gräber spazieren.

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Die ziegelgedeckten Hütten auf den Feldern von Tarquinia sind die einzigen sichtbaren Zeichen für die Schätze, die unter der Erde schlummern
Die ziegelgedeckten Hütten auf den Feldern von Tarquinia sind die einzigen sichtbaren Zeichen für die Schätze, die unter der Erde schlummern (Foto: RUB).

Welche Schätze unter den Äckern Mittelitaliens schlummern, ist nur anhand der Häuschen zu erahnen, die verstreut in der Landschaft stehen und um die teils die Traktoren herumkurven. Sie schützen die Eingänge zu den Grabkammern der Etrusker. Einige Meter unter der Erde finden sich hier üppige Wandmalereien, die Aufschluss über das Leben vor 2500 Jahren geben. Bald werden sie in einem virtuellen Museum zu besichtigen sein, dank des EU-Projekts TARCHNA (Towards Archaeological Heritage Neuw Accessibility). Von der Ruhr-Universität  in Bochum ist Dr. Cornelia Weber- Lehmann (Antikensammlung der Universität) als weltweit bekannte Etrusker-Spezialistin beteiligt. Auf ihrem Archiv aus Hunderten durchgepauster Wandbilder basiert die virtuelle Darstellung. Über TARCHNA berichtet RUBIN, das Magazin der Ruhr- Universität, in der aktuellen Herbst-Ausgabe.

Besucher müssen draußen bleiben

Die Malereien, die aus dem 6. bis 2. Jahrhundert vor Christus stammen, sind für die Forschung extrem wertvoll. Sie geben Aufschluss über die Entwicklung von Riten, die Geschichte der bestatteten Personen, die verwendeten Gefäße und vieles mehr während dieser 400 Jahre dauernden Epoche. Diese beeindruckenden Einblicke auch der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, verbot bisher die Empfindlichkeit der Grabstätten: Zu ihrem Schutz mussten Besucher zumeist draußen bleiben; meist ist nur ein Blick durch eine Glasscheibe vor Ort gestattet. Dank TARCHNA werden Besucher im virtuellen Museum bald auch in die Gräber hinabsteigen, die Grabkammern betreten und sich dort umsehen können. Zu Filmen zusammengefügte Zeichnungen der Innenräume machen es möglich. Das virtuelle Museum erlaubt es darüber hinaus, Informationen über die einzelnen Grabstätten abzurufen und sie in ihren historischen Kontext einzuordnen. Objekte, die über ganz Europa verteilt in Museen stehen, sind hier in einem virtuellen Raum zusammengetragen.

Lebensversicherung für archäologische Funde

Darüber hinaus ist TARCHNA eine Lebensversicherung für die einzigartigen Grabstätten: Hier wird archiviert, was durch Grabräuber, Witterung und Erdbeben ständig bedroht ist. Herzstück des virtuellen Museums ist die TARCHNA-Engine, ein Zusammenschluss mehrerer dezentraler Datenbanken, die die Informationen bereit halten, welche die Forscher gemeinsam eingegeben haben. Von einer übersichtlichen Benutzeroberfläche aus werden sie von Terminals verschiedener Museen aus zugänglich und auch via PDA bei einer Besichtigung der Grabstätten abrufbar sein. Eines der ersten Terminals wird in den Antikensammlungen der Ruhr-Universität Bochum aufgestellt werden.

Kommentare (3)

  • Plattinho
    Plattinho
    am 17.11.2007
    Das ist einmal eine wirklich gute Sache und ich hoffe das funktioniert auch so wie oben erklärt!
  • homonovus
    homonovus
    am 28.11.2007
    Das Gute an dieser Darstellung ist, dass auch die Nebenkammern gezeigt werden, in die man vom Eingang aus kaum oder gar nicht blicken kann. So kann man auch die hier befindlichen Malereien studieren.
    Hoffentlich beschränkt man sich nicht auf die bekannten Gräber, sondern zeigt auch weniger bekannte.
    Die Qualität (Auflösung) der Bilder könnte besser sein, auch sollte man Ausschnitte vergrössert sehen und - noch besser - speichern und drucken können.
    Eine feine, aber verbesserungsfähige Sache! :)
  • archaeo
    archaeo
    am 26.11.2009
    Es wäre ein Riesengewinn auch für die Wissenschaft und Forschung, wenn die Dokumentation der Gräber wenigstens auf diese Weise erschlossen würde.

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