Völlig unerwartet war man auf ein Bauwerk gestoßen, das in seinem Alter, seiner Bauweise und seinem hervorragenden Erhaltungszustand bayern- und deutschlandweit einzigartig ist. In den folgenden Monaten arbeiteten Archäologen, Restauratorinnen und Wissenschaftler vielfältiger weiterer Disziplinen daran, den Prozess der Erfassung und Bergung des komplexen Befundes zu optimieren. Auch für Laien ersichtlich, ist nun ein wichtiger Schritt getan: Das erste Drittel der 2400 Jahre alten Eichenbalken ist geborgen. Per Hand wurden sie in einem intensiv vorbereiteten Verfahren aus dem Bauwerk gelöst. Ein Kran beförderte die etwa 200 bis 250 Kilogramm schweren und drei bis vier Meter langen Balken aus der Baugrube. Restauratoren säuberten die Hölzer und bereiteten sie für die Nasslagerung vor. In einem nächsten Schritt werden 3D-Laserscans jedes einzelnen Balkens angefertigt. Die gut erkennbaren Bearbeitungsspuren durch eisenzeitliches Werkzeug wie Beile und Dechseln geben schon jetzt tiefe Einblicke in die angewendeten Handwerkstechniken. Langfristig soll ein Teil der Balken und der Steinmauer konservatorisch für eine Ausstellung im Aschaffenburger Stiftsmuseum aufbereitet werden.
"Wozu die Anlage diente, wissen wir noch nicht. Wir vermuten, dass es den Zugang vom Main hinauf zur Siedlung schützte. Unmittelbar vor dem großen Bauwerk aus Trockenmauern und einer aufwendigen Holzbalkenkonstruktion lag zum Fluss hin eine hölzerne Plattform. Vielleicht legten hier Boote an, wurden Waren und Lasten aus- und umgeladen", sagt Dr. Stefanie Berg, Leiterin der Abteilung Bodendenkmalpflege am BLfD. Die Anlage zeugt von erstaunlichem handwerklichem und bautechnischem Wissen. In ihrer Bauweise dürfte sie den schwierigen Anforderungen durch den feuchten Untergrund angepasst worden sein, was nur mit erheblichem Aufwand zu realisieren war.
"Ein solches Bauwerk entstand nicht nebenbei. Es brauchte viele Menschen, eine gute Planung und viel Arbeit. Die Eichen wurden im Spessart gefällt, bearbeitet und ebenso wie das Steinmaterial auf dem Main bis hierhin transportiert. Vor Ort errichtete man die Trockenmauern und passte die schweren Balken genau in die Konstruktion ein. Das Bauwerk dürfte vom Main aus weithin sichtbar gewesen sein. Es machte deutlich: Hier oben liegt ein bedeutender Ort. Und einer, den seine Bewohner zu schützen wussten.“, erklärt Berg.
Die Grabung liefert derzeit eine Fülle neuer Informationen, die weit über Aschaffenburg hinausreichen und etwa das Wissen über den Holzbau der Eisenzeit erweitern können. Archäologie und Bauforschung untersuchen aktuell die Konstruktion. Geoarchäologie und Archäobotanik nehmen Boden, Schichten und Pflanzenreste in den Blick. Die Restaurierung sichert und untersucht die Funde. Auch die Stadtgeschichte ist in die Forschungen eingebunden. Proben für naturwissenschaftliche Datierungen sind genommen, die Auswertungen stehen noch aus. Das Bayerische Landesamt für Umwelt ist einbezogen und wird im September Klebeprofile des eisenzeitlichen Bodens für seine Bodenprofilsammlung anfertigen. Trotz der laufenden Wissenserweiterung lässt sich eines schon jetzt sagen: Wer ein solches Bauwerk errichtete, konnte viele Menschen, Material und handwerkliches Können mobilisieren. Das zeigt die besondere Bedeutung der Siedlung vor rund 2500 Jahren.
Die archäologischen Untersuchungen erfolgen in enger Abstimmung mit der Stadt Aschaffenburg. Im Bereich des geplanten Pumpenkellers wird während der laufenden Ausgrabung weiter gebaut. Bis Ende des Jahres sollen die archäologischen Arbeiten abgeschlossen sein.
Veranstaltung:
Die Öffentlichkeit wird am "Tag des offenen Denkmals", 13. September, die Gelegenheit haben, den archäologischen Befund von oben einzusehen. Ein Archäologe des BLfD erklärt die Grabungsarbeiten; des Weiteren sind im Stiftsmuseum u.a. bislang nicht ausgestellte keltische Funde aus Aschaffenburg zu sehen. Beiden Führungen können über die Homepage der Stadt Aschaffenburg gebucht werden.








