Goldfund bei archäologischen Untersuchungen in Zug

Bei archäologischen Untersuchungen im Vorgeld einer grossen Wohnüberbauung im schweizerischen Zug hat die Kantonsarchäologie eine Goldmünze aus dem frühen 16. Jahrhundert gefunden. Die Münze wurde zur Zeit der Renaissance in Bologna geprägt und diente als stabile Handelswährung.

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Goldmünze aus Zug: Münzherr Papst Leo X. mit seinem Namen und Wappen. Quelle: Kantonsarchäologie Zug
Goldmünze aus Zug: Münzherr Papst Leo X. mit seinem Namen und Wappen. Quelle: Kantonsarchäologie Zug

In der Hofstraße in Zug sollen neue Wohnhäuser gebaut werden. Bei den im Vorfeld durchgeführten archäologischen Ausgrabungen der Kantonsarchäologie fand ein Mitarbeiter eine Goldmünze von 2,2 cm Durchmesser. Es handelt sich um einen zwischen 1513 und 1521 geprägten Dukaten aus Bologna.

Faszinierender Fund aus dem Italien der Renaissance

Münzbild und -schrift geben Auskunft über Alter und Herkunft des seltenen Fundes. Auf der einen Seite der Münze verewigte sich der Münzherr Papst Leo X. mit seinem Namen und Wappen. Er war als Spross der berühmten Medici-Familie 1475 in Florenz zur Welt gekommen. Papst Leo X. war einer jener berühmten Renaissancepäpste, die mehr Kunst und Kultur als das geistliche Leben förderten. Auf der anderen Seite der Münze ist der Heilige Petrus zwischen dem Wappen der Stadt Bologna und dem Medici-Wappen dargestellt. Bologna gehörte seit 1506 zum Kirchenstaat. Petrus ist nicht nur Patron des Vatikans sondern auch der Kathedrale von Bologna. Umgeben ist das Bild vom Spruch "Bononia docet", was "Bologna unterrichtet" bedeutet und auf die berühmte städtische Universität Bezug nimmt. Die Universität Bologna war 1088 gegründet worden und ist die älteste derartige Hochschule in Europa.

Händler und Söldner vor 500 Jahren

Der Dukat aus Bologona war zusammen mit denjenigen aus Mailand und Venedig eine bekannte Münze. Sie übernahm im 16. Jahrhundert mit einem stabilen Gewicht von 3,5 g die Rolle einer internationalen Handelswährung. Trotzdem finden sich diese Goldmünzen nördlich der Alpen viel seltener als Kleingeld. Offensichtlich gab man sich mit dem Verlust einer wertvollen Goldmünze nicht so schnell zufrieden und suchte systematischer danach als z. B. nach einem verlorenen Pfennig. Gehörte die Münze zuletzt einem Händler oder einem Söldner, der aus dem Kriegsdienst in Norditalien zurückgekehrt war?

Auch der Obere Roosthof in unmittelbarer Nähe der Fundstelle wurde untersucht. Denn alle bestehenden Gebäude wurden für das Bauprojekt abgebrochen. Das Wohnhaus stammte aus dem Jahr 1591 und war ein aufwändig gestalteter Blockbau mit einer Wendeltreppe als Kellerabgang. Bauherr dieses kleinen Herrensitzes war der Söldnerführer, Ratsherr und Stadtschreiber Hans Brandenberg.

Goldmünze aus Zug: Heiliger Petrus zwischen dem Wappen der Stadt Bologna und dem Medici-Wappen. Quelle: Kantonsarchäologie Zug
Goldmünze aus Zug: Heiliger Petrus zwischen dem Wappen der Stadt Bologna und dem Medici-Wappen. Quelle: Kantonsarchäologie Zug

Kommentare (2)

  • Nicolas Heyden
    Nicolas Heyden
    am 19.03.2011
    Söldner und Landsknechte wurden in der Regel miserabel bezahlt und waren eher von den Plünderungen und Leichenfledderungen im Krieg abhängig. Sollte jene Münze tatsächlich einem Soldaten gehört haben, dürfte er entweder sturzbetrunken oder bereits für seine Verhältnisse reich gewesen sein; was bei einem Hauptmann möglicherweise sogar der Fall war. Ich persönlich tippe eher auf einen reichen Händler oder Städter, der irgendwelche Geschäfte abgschlossen und bei der Barzahlung den Gulden (?) verloren hat.
  • Nicolas Heyden
    Nicolas Heyden
    am 19.03.2011
    ...Verzeihung, den Dukaten meinte ich.

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