Eine Rückkehr zu den Wurzeln - Picener Funde an ihrem Fundort präsentiert

Eine Ausstellung geht auf Reisen. An sich nichts Ungewöhnliches, macht die Präsentation der eigenen Bestände doch einen Großteil des Alltags von Museen und Sammlungen aus.

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Diese Navicella-Fibel mit Schmuckgehänge aus dem 7. Jh. v. Chr. aus der Jenaer Sammlung ist Teil der Ausstellung.

Selten jedoch kehren Exponate - wenn auch nur für kurze Zeit - an jenen Ort zurück, an dem sie einst kunstvoll gefertigt wurden. Dies geschieht Anfang 2007, wenn die Exposition "Piceni & Europe" in der italienischen Provinz Ascoli Piceno Station macht. "Dann schließt sich ein Kreis", freut sich Prof. Peter Ettel, Inhaber des Lehrstuhls für Ur- und Frühgeschichte der Universität Jena. Die wertvollen Exponate stammen nämlich aus der an seinem Institut beheimateten Sammlung. Gefunden wurden sie jedoch einst in Montegiorgio an der mittleren Ostküste Italiens, wo zwischen dem 9. und 4. Jahrhundert vor Christus das Volk der Picener beheimatet war.

1903 erwarb der Glastechnologe Otto Schott die Beigaben aus 49 Gräbern und schenkte sie der Universität Jena. "Die Funde stammen nach heutigen Erkenntnissen aus weit mehr Gräbern und wurden noch in Italien quasi neu geordnet. Dennoch handelt es sich bei unserem Bestand um die größte Kollektion picenischer Hinterlassenschaft außerhalb Italiens und um die derzeit einzigen zugänglichen Zeugen für das eisenzeitliche Montegiorgio überhaupt", umreißt Prof. Ettel die Bedeutung.

Erstmals öffentlich präsentiert wurde ein Teil der rund 500 Objekte - Schmuck, Fibeln, Keramik, Waffen, Helme - nach jahrzehntelangem Schlummer 2004 in Jena. "Damals entstand die Idee, Teile unserer Sammlung auf Reisen zu schicken und sie möglichst auch an ihrem Herkunftsort zu zeigen", blickt der Altertumsforscher zurück. Um diese Idee realisieren zu können, erarbeiteten Jenaer Wissenschaftler gemeinsam mit Kollegen der Universität Primorska im slowenischen Koper und vom Museum im italienischen Udine ein entsprechendes Konzept. "Mit dem konnten wir auch die Europäische Kommission überzeugen, die es nun im Rahmen des Programms ,Culture 2000' für ein Jahr mit insgesamt 200.000 Euro fördert."

Diese Idee bestand zum einen darin, über die Jenaer Stücke hinaus an den drei ausgewählten Orten Koper, Udine und Ascoli Piceno auch vergleichende Funde aus dem Ostalpen- und dem Balkanraum zu präsentieren. Ziel war es, "Beziehungen, Gemeinsamkeiten und Differenzen aufzuzeigen, und dies sowohl in materieller als auch kultureller Hinsicht", so Ettel. Zum anderen beleuchtete ein dreitägiger internationaler Kongress im slowenischen Piran zum Start der Wanderausstellung den Einfluss des Picenum auf das Europa des 7. bis 4. Jh. v. Chr.

"Die Picener gehören zu den damaligen Hochkulturen und lassen sich mit den Etruskern und den Griechen vergleichen, aber sie sind bis heute noch wenig und unzureichend erforscht", macht der Wissenschaftler von der Universität Jena deutlich. Die Forscher interessiert vor allem, welchen Einfluss die Picener auf die eisenzeitlichen Kulturen nördlich der Alpen hatten. Die von den Picenern ersonnene seltene Technik des Tauschierens, bei dem ein Metall intarsienartig in ein anderes eingelegt wird, beispielsweise konnten sie inzwischen nicht nur in Slowenien und Kroatien nachweisen, sondern auch - als bislang nördlichstem Punkt - in Polen.

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