Eine Nachahmung des Himmels

Ausstellung in der UB Augsburg zeigt "Neue und alte Bilder der Hagia Sophia"

Die Ausstellung rekonstruiert u. a. mit großformatigen digitalen Rekonstruktionen die Geschichte dieses faszinierenden Sakralbaus und seiner über Jahrhunderte hinwegreichenden wechselhaften Nutzung.

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Rekonstruktion der Hagia Sophia
Rekonstruktion der Hagia Sophia von L. Grobe, O. Hauck, M. Kim, A. Noback, R.H.W. Stichel und H. Svenshon (TU Darmstadt)

Die Hagia Sophia ist wie kein anderes Monument mit der Geschichte Istanbuls verbunden. Seit ihrer Einweihung 537 n. Chr. unter Kaiser Justinian ist sie das Symbol dieser Stadt. Parallel zur Transformation dieser Stadt von Konstantinopel zu Byzanz und schließlich zu Istanbul veränderte sich der Bau von einer byzantinisch-christlichen Basilika und griechisch-orthodoxen Kirche zur Moschee. Immer aber blieb er sakraler Mittelpunkt. Auch mit der Umwandlung in ein Museum unter Atatürk hat die Hagia Sophia nichts von ihrer Faszination verloren.

Ihre Bedeutung verdankt die Hagia Sophia nicht zuletzt der Architektur, die im Urteil der Zeitgenossen "den Himmel selbst nachahmt". Vor allem die Größe des stützenlosen Innenraums, dem eine scheinbar frei schwebende Kuppel aufgesetzt wurde, war und ist Anlass für Bewunderung. Geschickt betont die Innenraumausstattung zusätzlich diesen Effekt einer "Entmaterialisierung".

Die bis zum 16. Januar 2014 in der Zentralbibliothek der Universität Augsburg zu sehende Ausstellung "Einblicke in den virtuellen Himmel", die auf ein Projekt von Prof. Dr. Rudolph H. W. Stichel (TU Darmstadt) zurückgeht und von Prof. Dr. Valentin Kockel (Klassische Archäologie der Universität Augsburg) und seiner Mitarbeiterin Daniela Deplano konzipiert wurde, zeigt anhand alter und neuer Bilder, was die Faszination für die Hagia Sophia bis heute ausmacht.

Anhand eines breiten Spektrums von Exponaten, die von spätmittelalterlichen Stadtansichten bis zu politisch-historischen Illustrationen in Zeitschriften aus dem 19. Jahrhundert, von den ersten wissenschaftlichen Bauaufnahmen des beginnenden 20. Jahrhunderts bis zu modernen Computersimulationen reichen und durch einen Film über den Entwurf des Kirchenbaus und seine liturgische Nutzung ergänzt werden, können die Besucher der Ausstellung nachvollziehen, mit welchen medialen Mitteln einerseits jeweils versucht wurde, eine Vorstellung vom Aussehen der Hagia Sophia zu vermitteln und wie und mit welchen Absichten die Hagia Sophia auch "benutzt" wurde.

Das der Ausstellung zugrundeliegende Projekt der TU Darmstadt "Die Hagia Sophia Justinians" führt mit einem CAD-Modell des Innenraums, das einen überwältigenden dreidimensionalen Einblick gewährt, wieder zurück auf das Monument an sich. Indem rückwirkend sowohl die faktischen baulichen Schichten der jahrhundertelangen Nutzung wie auch die intellektuellen Überlagerungen entfernt werden, wird ein eindrucksvolles Bild des ursprünglichen Monuments rekonstruiert und die Hagia Sophia erstrahlt als "virtueller" Himmel neu.

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