Miteinander reden: Energiewende fördern und Kulturgüter schützen

Die scheinbar gegensätzlichen Interessen von Archäologie und Bauwirtschaft lassen sich bei Bauprojekten im Zuge der Energiewende miteinander vereinbaren, wenn ein intensiver Austausch und eine frühzeitige Kommunikation aller Beteiligten stattfinden. Das ist das Ergebnis einer jüngst in der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) abgehaltenen Fachtagung »Energiewende und Archäologie«, das Archäologen, Netzbetreiber, Planer von Stromtrassen und Solaranlagen sowie Naturschützer positiv nach vorne schauen lässt.

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Ausgrabung Pferdeskelett
Archäologische Funde wie dieses Pferdeskelett aus der Slawenzeit Mitte des 12. Jahrhunderts können zutage gefördert und der Nachwelt erhalten bleiben, wenn Baumaßnahmen im Zuge der Energiewende fachgerecht durch archäologische Grabungen begleitet werden. Foto: Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern

»Nun geht es darum, die Energiewende nachhaltig voranzutreiben und dabei Kulturgut und archäologische Schätze zu schützen, die durch unter- und oberirdische Stromtrassen, Solar- und Windparks auf historischen Flächen und durch den düngerintensiven Anbau von ‚Energiepflanzen‘ gefährdet sind«, resümierte Dr. Paul Bellendorf, DBU-Referent für Umwelt und Kulturgüter.

Die Energiewende könne und müsse nicht nur auf der technologischen und politischen Ebene verwirklicht, sondern auch durch die Archäologie mitgestaltet werden, betonte Dr. Henning Haßmann von der Abteilung Archäologie des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege. »Bei guter Planung und rechtzeitiger Absprache lässt sich das klischeehafte Gegeneinander von Denkmalschutz und Baumaßnahmen von Biogasanlagen, Wind- und Stromparks durchaus überwinden. Im Idealfall entstehen bei einem solchen Projekt sogar bislang ungenutzte Synergieeffekte zwischen Naturschutz und Denkmalpflege«, äußerte sich Haßmann optimistisch. So seien zum Beispiel bei sogenannten Notgrabungen im Zuge geplanter Erdgasleitungen Altsiedellandschaften oder Goldfunde aus der Bronzezeit entdeckt worden.

Doch trotz oder gerade wegen der Erfahrungen und positiven Beispiele der letzten zwanzig Jahre dürften die Probleme und zukünftigen Herausforderungen für die Denkmalpflege nicht aus dem Blick geraten. »Negative Auswirkungen durch die Installation von Fundamenten für Windkraftanlagen und Solaranlagen über historischen Klöstern, Befestigungen oder Siedlungen können durch eine sachgemäße Beteiligung von Archäologen verringert werden«, forderte Dr. Thomas Westphalen, Leiter der Abteilung Archäologische Denkmalpflege im Landesamt für Archäologie in Sachsen. Vorab durchgeführte Grabungen könnten die Befunde sichern und Schäden am kulturellen Erbe verhindern. Vorausschauendes Denken sei gefragt, um auch die langfristigen Probleme der Energiewende in den Griff zu bekommen. So müsse beispielsweise schon beim Errichten von Solaranlagen an die Zeit nach ihrer Nutzung gedacht werden, etwa an eine Wiederherstellung landwirtschaftlicher Flächen durch tiefgründige Bodenlockerungen.

Für den Erhalt kultureller Güter und archäologischer Zeugnisse in Feuchtgebieten seien intakte Moore die Ideallösung. »Doch das ist nicht zu erreichen, weil viele Flächen entwässert wurden. Eine Wiedervernässung wäre nicht nur aus denkmalpflegerischer Sicht sondern auch aus Gründen des Umweltschutzes wünschenswert«, erklärte Haßmann. Einig waren sich sowohl die Archäologen als auch die Planer, Netzbetreiber und Umweltschützer darin, dass die Aspekte der archäologischen Denkmalpflege und des Schutzes von Kulturlandschaften künftig noch stärker in die Agrarumweltförderung einfließen müssen. Bellendorf: »Die Energiewende führt zu massiven Eingriffen in historisch gewachsene Landschaften, die unbedingt archäologisch begleitet werden müssen. Dabei können viele wertvolle Funde gemacht werden, die wichtige Informationen über das Leben unserer Vorfahren liefern. Allerdings ist eine fachgerechte Dokumentation und Bergung der Funde für die Archäologen nur ein erster Schritt. Nur durch eine anschließende wissenschaftliche Aufarbeitung kann das ganze Potenzial der Grabungen genutzt werden.«

Kommentare (2)

  • Marcus Mayr
    Marcus Mayr
    am 17.11.2013
    Die Archäologie legt sich also mit Windkraftlobbyisten ins Bett und verbrämt das mit schönen Worten.
    Das ist wieder einmal ein Beispiel dafür, wie sich die Geschichtswissenschaft dem jeweils herrschenden Zeitgeist anpasst. Mit dem Strom schwimmen, nennt man das auch.
    Pfui Teufel, kann ich da nur sagen.
  • Anneliese Hubertine
    Anneliese Hubertine
    am 30.11.2013
    Der Kommentar von Marcus Mayr zeigt lediglich dessen völlige Unkenntnis der Situation. Wenn die sogenannte Energiewende auf einem gesellschaftlichen Konsens beruht, dann bleibt es zwar dennoch Aufgabe der Landesarchäologien, die Bodendenkmäler und ihre Umgebung zu schützen, nicht aber die Energiewende zu bekämpfen. Hier geordnete Verfahren im Sinne des Denkmalschutzes zu erreichen, ist nicht mit Anbiederei zu verwechseln.

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