Die Spuren des ,deutschen' Homo erectus sichern und auswerten

Sammlung Bilzingsleben nun komplett an der Friedrich-Schiller Universität Jena

Den "aufrecht gehenden Affenmenschen", wissenschaftlich "Homo erectus" genannt, gab es seit 1,5 Millionen Jahren und vor etwa 300.000 Jahren auch in Mitteldeutschland. Zu den wichtigsten Fundstellen aus dieser Zeit in Deutschland gehört Bilzingsleben im Landkreis Sömmerda.

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Die Jenaer Ur- und Frühgeschichtlerin Kati Messerschmidt mit Hirschgeweih aus der Sammlung Bilzingsleben
Die Jenaer Ur- und Frühgeschichtlerin Kati Messerschmidt mit Hirschgeweih aus der Sammlung Bilzingsleben. (Foto: Peter Scheere/FSU)

Dort graben Wissenschaftler der Universität Jena seit fast 40 Jahren nach Spuren des frühen Menschen, um sein Leben und seine Umwelt rekonstruieren zu können. Hier wurde u. a. der älteste Menschenknochen Mitteldeutschlands gefunden sowie zahllose Knochen von heute ausgestorbenen, eiszeitlichen Tieren.

Im Lauf dieser Grabungen ist eine große Menge an Material geborgen worden. Diese Sammlung Bilzingsleben ist jetzt komplett an die Friedrich-Schiller-Universität Jena gekommen, "damit die wissenschaftliche Arbeit fortgesetzt werden kann", freut sich Prof. Dr. Clemens Pasda. Der Professor für Urgeschichte und sein Team haben jetzt in vier Containern rund 6 Tonnen Tierknochen und noch einmal die doppelte Menge an Steinen erhalten.

Zur Sammlung liegen zwar hervorragende paläontologische Daten vor, die v. a. Pasdas Vorgänger Dietrich Mania und seine Mitarbeiter erstellt haben. Aber nun müssen die Kisten vollständig geordnet und ihr Inhalt konserviert werden. Außerdem müssen bisher unklare Funde eindeutig bestimmt werden. "Es gibt viele kleine Knochenbruchstücke, die bisher kaum beachtet wurden", nennt Pasda ein Beispiel. "Auch wollen wir mit archäozoologischen Methoden nun möglichst eindeutige Aussagen zum Zustandekommen dieser zahlreichen Tierreste finden - eine Arbeit, die noch viel Forschung erfordert". Obwohl sich fast zehn Personen aus Pasdas Team mit der Sammlung beschäftigen, erwartet der Jenaer Wissenschaftler, frühestens Mitte 2009 erste Ergebnisse hierzu vorlegen zu können, die sich vor allem auf die Auswertung der jüngeren Ausgrabungen beziehen. Noch wagt der erfahrene Ausgräber keine Prognosen zu allen Funden: "Erst muss eine komplette Vorlage des Materials abgewartet werden, bevor wir klare Ergebnisse ableiten können", bittet Pasda um Geduld.

Zurzeit forscht er auch noch gemeinsam mit Geowissenschaftlern in Bilzingsleben selbst, um zu ermitteln, ob geologische Bewegungen zu dieser Ballung der hier gefundenen Knochen und Steinen geführt haben. Auch ein größeres Projekt, bei dem die Tierknochen mehrerer ähnlich alter, deutscher Fundstellen verglichen und ausgewertet werden sollen, ist in Vorbereitung. "Wir werden uns auch weiterhin, der Erforschung von Bilzingsleben widmen: Das ist ein wichtiger Fundplatz", sagt Prof. Pasda. Jetzt ist er erst einmal froh, dass das bisher gefundene Material vollständig nach Jena gekommen ist und nun ausgewertet werden kann.

Die Sammlung, die in einem Magazin sicher gelagert ist, ist üblicherweise nur für Wissenschaftler zugänglich. Am Freitag, dem 7. November, werden im Rahmen der Veranstaltung "Die Unterwelt der Wissenschaft" die Türen auch für Besucher geöffnet. Interessenten (max. 20 Personen pro Führung) können sich um 16, 17, 18 und 19 Uhr am "Bunker" in Jena-Ost (Karl-Günther-Str. 9-11) einfinden und erhalten eine halbstündige Führung. Der Eintritt ist frei, auf Wartezeiten sollte man sich allerdings einstellen.

Kommentare (4)

  • Sepp Albrecht
    Sepp Albrecht
    am 06.11.2008
    Ich gratuliere Herrn Prof. Pasda dazu dass nun endlich mit einer wissenschaftlichen Auswertung der Funde begonnen werden kann, die frei ist von Vermutungen und Deutungen.
    Ich kenne die wissenschaftliche Arbeit von Herrn Prof. Pasda über die jungpaläolithische Fundstelle von Munzingen und denke dass mit gleicher sorgfalt ausgearbeitet für Bilzigleben großartiges zu erwarten sein wird.
  • Jester
    Jester
    am 12.11.2008
    ich finde es toll dass die Arbeit fortgesetzt und erweitert werden kann. Ich finde es nur leider immer wieder befremdlich wie immer wieder die Rede von "großartigem" usw. sein kann. Die Archäologie ist kein Fach der großartigen Funde mehr. Eher sollten viele kleinere zu einem großen Bild gefasst werden. Man muss abwarten was die Ergebnisse bringen, aber ich würde als Archäologe nie von etwas "großartigem" ausgehen.
  • Achouche
    Achouche
    am 13.04.2010
    hi.Your Comment hi Wie geht es dir. Ich habe etwas zu Wirkungen und ich bin nicht wissen, was es ist. Wurden in die Erde, und ich warte darauf, für Sie Ward bitte.
  • G.Genthe
    G.Genthe
    am 04.05.2010
    Es wäre gerecht, wenn in diesem Beitrag auch die Arbeit von Herrn Dr. Dietrich Mania, der schon zu DDR-Zeiten den Großteil der dortigen Ausgrabungen durchführte, gewürdigt wird.

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