Die Antike kopiert

Die Antike und was man dafür hielt, prägte entscheidend die Epoche des Klassizismus. Die Antikenbegeisterung jener Zeit ließ Keramikmanufakturen entstehen, die sich auf die Nachahmung antiker Vasen spezialisierten und einen internationalen Markt bedienten. In der Sonderausstellung "Keramische Meisterwerke des Klassizismus aus Neapel" präsentiert das Antikenmuseum der Universität Leipzig eine Auswahl solcher klassizistischer Vasen aus der Sammlung der Familie von Boch und den Beständen der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz.

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Klassizistischer Volutenkrater mit Apollon als Kitharöde
Volutenkrater mit Apollon als Kitharöde - Die Szene geht auf das Bild eines attisch rotfigurigen Glockenkraters aus der Zeit um 390 v. Chr. zurück. Manufaktur Mollica, letztes Drittel 19. Jahrhundert (Foto: Stiftung Saarländischer Kulturbesitz)

Die Faszination der griechischen und römischen Antike zieht sich wie ein roter Faden durch die europäische Geschichte. Spielte die Antike bereits im Zeitalter der Renaissance eine herausragende Rolle, so war sie auch für den Klassizismus des 18. Jahrhunderts prägend, als durch Ausgrabungen und verbesserte Reisemöglichkeiten die antiken Kulturen erneut ins allgemeine Blickfeld rückten.

Die Wiederentdeckung von Pompeij und Herculaneum löste in Europa eine beispiellose Antikenbegeisterung aus, die sich sichtbar in Ambiente und Ausstattung der damaligen Lebenswelt niederschlug. Die Nachfrage nach Antiken und antikisierenden Dekorstücken ließ im Kunsthandwerk, nicht zuletzt in Neapel, Spezialisten tätig werden, die dem hohen Bedarf an Nachahmungen gerecht zu werden suchten.

Die Ausstellung macht im Gegenüber von originalen griechischen Vasen und klassizistischen Nachschöpfungen die Unterschiede und Gemeinsamkeiten deutlich. Getreue Kopien der antiken Vasen, bei denen ein Gefäß sowohl in der Form als auch im Bildschmuck genau wiederholt wurde, sind eher selten. Häufiger war das Variieren von Motiven und Dekor, die ursprünglich unterschiedliche Gefäße schmückten.

Die ausgestellten Stücke stammen vorwiegend aus zwei bekannten Keramikmanufakturen in Neapel, die im 19. Jahrhundert mit ihren exzellenten Antikenkopien auf internationalen Messen Furore machten. Die Vasen machen das Phänomen der Antikenbegeisterung nachvollziehbar und geben einen direkten Einblick in die Wertewelt des Adels und des Bürgertums, nicht der Antike, sondern des Klassizismus.

Keramische Meisterwerke des Klassizismus aus Neapel
15. Mai - 8. Juli 2007
Antikenmuseum der Universität Leipzig

Weitere Informationen finden Sie hier im Kalender von Archäologie Online.

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