Denkmalschutz in Gefahr: Sachsen plant Auflösung der Fachämter, Aus für Verursachergrabungen in Niedersachsen

In Sachsen steht eine tiefgreifende Reform des Denkmalschutzes bevor: Die Landesregierung plant, das Landesamt für Denkmalpflege und das Landesamt für Archäologie bis 2028 aufzulösen und in die Landesdirektion Sachsen einzugliedern. In Niedersachsen droht das faktische Aus für Verursachergrabungen. Kritiker sehen in den Plänen einen Angriff auf das kulturelle Erbe.

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Der Denkmalschutz erodiert
Der Denkmalschutz erodiert. Symbolbild (KI-generiert)

In Sachsen steht eine tiefgreifende Reform des Denkmalschutzes bevor, die bundesweit für Aufsehen sorgt. Die Landesregierung plant, das Landesamt für Denkmalpflege und das Landesamt für Archäologie bis 2028 aufzulösen und in die Landesdirektion Sachsen einzugliedern. Kritiker, darunter Fachverbände und Oppositionsparteien, warnen vor einem Verlust an Fachlichkeit und Unabhängigkeit und sehen in der geplanten Reform einen Angriff auf das kulturelle Erbe. Eine detaillierte Analyse der Pläne findet sich im Archaeologik-Blog.

Sachsen ist dabei kein Einzelfall. Auch in anderen Bundesländern wie Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Bayern werden aktuell Reformen geplant oder bereits umgesetzt, die den Denkmalschutz dezentralisieren und deregulieren. In Nordrhein-Westfalen wird die Entscheidungshoheit zunehmend auf Kommunen verlagert, während die Fachämter an Einfluss verlieren. Hessen führt automatische Genehmigungen nach drei Monaten ein, was die Behörden unter Zeitdruck setzt. In Bayern wurden Erlaubnispflichten für Eingriffe in Bodendenkmäler gestrichen, was Kritiker als Aushöhlung der Fachaufsicht sehen. In Niedersachsen wären durch die geplante Änderung von § 13 NDSchG künftig nur noch etwa 15 Prozent der archäologischen Kulturdenkmale in Niedersachsen wirksam geschützt. Die Umsetzung der Änderungspläne würde das faktische Aus für Verursachergrabungen in dem Bundesland bedeuten.

Die Reformen zielen auf Bürokratieabbau und Beschleunigung ab, doch die Kritik ist massiv. Ein Bündnis aus Landesverein Sächsischer Heimatschutz, Archäologischer Gesellschaft in Sachsen und Verband der Restaurator:innen hat in einem offenen Brief vor der Zerschlagung der Denkmalpflege gewarnt. Fachverbände, Kirchen und Oppositionsparteien betonen, dass Fachkompetenz verloren geht, wenn unabhängige Ämter in Verwaltungsstrukturen aufgehen. Zudem sind viele Kommunen überfordert, da ihnen oft die Ressourcen für fundierte Entscheidungen fehlen. In Sachsen wird durch die geplante Kategorisierung der Denkmäler das deklaratorische Prinzip ausgehebelt, das den Schutz unabhängig von einem Listenintrag garantiert.

Gegen die geplante Änderung des Denkmalschutzgesetzes in Niedersachsen startete am 14.7 ein Bündnis der niedersächsischen Kommunalarchäologinnen und Kommunalarchäologen in einem gemeinsamen Aufschlag und in Kooperation mit der Archäologischen Kommission für Niedersachsen  und den in Niedersachsen tätigen archäologischen Fachfirmen eine Online-Petition an den Niedersächsischen Landtag.