"Das Geheimnis der Kelten" in Nordwesteuropa

Sie gewannen das Salz der Nordsee, bauten aufwendige Entwässerungssysteme, und schufen kleine Kunstwerke aus Glas. Ihre Elite ließ sich ähnlich reich bestatten, wie die keltischen Fürsten an Donau, Seine und Mittelrhein. Wer waren diese Menschen, die das eisenzeitliche Nordwesteuropa zwischen Rhein und belgischer Nordseeküste bewohnten und deren Siedlungen und Gräber viele Hinweise auf keltischen Einfluss geben - Kelten? Die Ausstellung „Das Geheimnis der Kelten“ will sich nun dieser Frage widmen. Erstmals werden im Rahmen eines internationalen Kooperationsprojektes seltene Objekte aus dem Rheinland, Belgiens und den Niederlanden vereint und in Nordrhein-Westfalen gezeigt.

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In Oss fand man unterhalb des größten Grabhügels der Niederlande eine Situla (Eimerförmiges Weinmischgefäß) aus Bronze. In ihr fanden sich Leichenbrandreste sowie zahlreiche Grabbeigaben und Trachtbestandteile, wie dieses verbogene Schwert mit Goldgriffeinlagen (ca.825-600v.Chr.). (Foto: Museum Burg Linn)
In Oss fand man unterhalb des größten Grabhügels der Niederlande eine Situla (Eimerförmiges Weinmischgefäß) aus Bronze. In ihr fanden sich Leichenbrandreste sowie zahlreiche Grabbeigaben, wie dieses verbogene Schwert mit Goldgriffeinlagen (ca.825-600v.Chr.). (Foto: Museum Burg Linn)

Zwischen Rhein und Nordsee fand man viele keltische Gegenstände und auch Reste keltischer Sprache können nachgewiesen werden. Lebten hier also Kelten? Die römischen Überlieferungen geben in dieser Frage keine klare Antwort. Daher sind nun Archäologen und Linguisten der Identität der eisenzeitlichen Bewohner auf der Spur. Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass mit Beginn der Eisenzeit keine neue Bevölkerung einwanderte. Die Keltisierung der Gesellschaft muss daher andere Gründe haben. Großflächige Siedlungsgrabungen und die Untersuchung von Gräberfeldern belegen, dass man offensichtlich mit wechselnden zeitlichen Schwerpunkten keltische Bräuche übernahm. Hierbei behielt man im engeren und weiteren Lebensbereich eigene Traditionen bei. Vieles deutet darauf hin, dass vor allem die eisenzeitliche Elite Träger der keltischen Kultur war.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen daher die großen Fürstenbestattungen der frühen und mittleren Eisenzeit mit reichen Beigaben aus Bronze und Gold. Sie zeigen deutliche Übereinstimmungen mit den Gräbern der keltischen Elite Süddeutschlands und Ostfrankreichs.

Das Fürstengrab von Oss

Zu den bedeutendsten Bestattungen, die in der Ausstellung gezeigt werden, zählt die, des sogenannten Fürsten von Oss - in Nordbrabant (ca. 825-600 v.Chr.). Sie wurde von einem Grabhügel überdeckt, der einen Durchmesser von fast 52m einnahm. Er ist das bislang größte Hügelgrab, das in den Niederlanden entdeckt wurde. Die Ausstattung wies eine mit Leichenbrand gefüllte Bronzesitula auf. Die Untersuchung des Leichenbrandes zeigte, dass der Fürst über vierzig war, Übergewicht hatte und sich wenig bewegte.

Solche Brandbestattungen isind übrigens abweichend von den Bestattungssitten weiter südlich. Dort wurden die herausragenden Bestattungen als Körpergräber angelegt.

Beigaben, die nicht auf dem Scheiterhaufen mitverbrannt worden waren, wurden in Tuch eingeschlagen und mit in das eimerartige Bronzegefäß gelegt. Hierzu zählen ein aufwendig verziertes Schwert, Pferdezaumzeug, ein Tüllenbeil, ein Rasiermesser, Holz- und Beinfragmente sowie Trachtbestandteile.

Auch in einem anderen Punkt lassen sich deutliche Unterschiede erkennen. Anscheinend bedurfte die Selbstdarstellung der eisenzeitliche Elite bis in die beginnende Römerzeit keiner archäologisch erkennbaren Architektur, wie etwa großer Hofgrundrisse oder befestigter Höfe. Auch die auf eine Zentralmacht verweisenden hallstatt- und latènezeitlichen Höhenfestungen und Stadtanlagen fehlen hier mit Ausnahme weniger Beispiele. Hierzu zählen u.a. die Höhenfestung auf dem Kemmelberg in Belgien, die befestigte Siedlung Hambach-Niederzier im rheinischen Braunkohletagebau und eine mit einer Ringabschnittswallmauer gesicherte Siedlung auf dem Hülserberg bei Krefeld.

Die Ausstellung "Das Geheimnis der Kelten" skizziert die geschichtliche Entwicklung der eisenzeitlichen Kultur und Gesellschaft im Nordwesten Europas (ca. 800 v.Chr.-100 n.Chr.), in deren Mittelpunkt große Fürstenpersönlichkeiten und ihre reichen Grabausstattungen stehen.

Das Geheimnis der Kelten

20.1. bis 3.8.2008

Museum Burg Linn
Rheinbabenstr. 85
47809 Krefeld

Infoline:
0049 (0)2151/570036, burglinn(at)krefeld.de
www.diekelten.de

Das Museum ist bis zum 31.03.2008 immer Dienstags bis Sonntags und Feiertags von 11-17 Uhr und ab dem 1.4. 2008 Dienstags bis Sonntags und Feiertags von 10-18 Uhr geöffnet.

Kommentare (2)

  • markus münch
    markus münch
    am 29.01.2008
    Die gesamte Debatte um die Bronze und Eisenzeitlichen Bewohner
    Mittel und Nordeuropas hat sich ja gewissermaßen selbst in die Sackgasse manövriert.
    Wir sollten uns von den alten Denkmustern Kelten / Germanen endlich trennen.
    Nachweislich sind doch die Germanen von denen Beispielsweise Caesar berichtet
    mit an Sicherheit grenzender Warscheinlichkeit auch Kelten gewesen.
    Wir stellen doch gerade für die Zeit zwischen Hallstadtzeit bis zur Zeitenwende
    eine ziemlich homogene Kultur in Mittel und Nordeuropa fest.
    Und die damalige Aufteilung in Kelten und Germanen war im Prinzip sehr Willkürlich,
    und war eher eine Politische als eine Kulturelle Trennung.
    Da die Römer immer Probleme hatten Kelten und Germanen zu Unterscheiden
    müssen die echten Unterschiede marginal gewesen sein.
    Ausserdem unterstelle ich innerhalb des Gebietes mit Keltischer Kultur eine gewisse
    Bandbreite an Regionalen Unterschieden.
    Jedenfalls sind die "Germanen" in Süd und Westdeutschland sehr stark Keltisiert.
    Und vermutlich waren dies die Bewohner weiter Nördlich auch.
    Es wird wird aus meiner Sicht immer der Fehler gemacht Kultur und Volkszugehörigkeit
    zu vermischen. Die Kelten waren weder ein Volk mit einer gemeinsamen Sprache,
    noch mit identischer Religion. Sie hatten aber eine gemeinsame Kultur und Wertevorstellung,
    die es Ermöglichte die vielen Elemente der Proto Keltischen Zeit mit einander zu verbinden.
    Es mag sprachliche Unterschiede gegeben haben die man heute noch nachweisen kann,
    aber wenn wir ehrlich sind treten die Unterschiede hinter den Gemeinsamkeiten zurück.
    Daher plädiere ich für die Bezeichnung Kelten nicht im Sinne eines Volkes sondern einer
    Kultur.
    Ein anderer Punkt ist dass die Germanen Caesars nicht identisch sind mit den Germanen
    der Völkerwanderung, die ja Ausnahmslos aus dem Osten eingewandert sind und eine
    völlig andere Kultur mitbrachten, die sich deutlich von der Keltischen Unterschied,
    auch wenn sie viele Elemente der Keltischen Kultur enthielt aber auch starke Persische
    und Skytho / Sarmatische Einflüsse aufweist. Und diese Germanen prägten wiederum
    die Völker Europas ohne die alte Keltische Kultur völlig zu überdecken.
  • naffets0
    naffets0
    am 30.01.2008
    :rolleyes:

    Hallo, das ist für mich als Laie
    eine interessante und einleuchtende Darstellung.
    Zumal in dieser Zeit vermutlich
    die Stammeszugehörigkeit das
    wichtigste Kriterium war, oder?

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