BMBF fördert internationales Kolleg "Morphomata"

Wie bilden sich Vorstellungen vom Schöpferischen, vom Tod, von Zeit oder Herrschaft in Bildern oder Texten ab? Wie speichern diese Bilder und Texte das Wissen einer Zeit? Wie prägen sie es und was überliefern sie für künftige Zeiten? Wie kann man eine Theorie kulturellen Wandels in Bezug auf sinnlich wahrnehmbare Konkretisierungen entwickeln? Mit diesen und ähnlichen Fragen wird sich in den nächsten sechs Jahren ein internationales Forschungskolleg an der Philosophischen Fakultät der Universität zu Köln beschäftigen.

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Möglich wird dies durch die Initiative 'Freiraum für die Geisteswissenschaften' des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). In der zweiten Auswahlrunde wurde das Kölner Kolleg 'Morphomata: Genese, Dynamik und Medialität kultureller Figurationen' durch ein internationales Gutachtergremium neben drei weiteren Kollegs in Berlin, Erlangen-Nürnberg und München zur Förderung empfohlen.

Das Thema des Kölner Kollegs bietet vielfältige Schnittstellen zu den an der Philosophischen Fakultät vertretenen Fach- und Forschungsbereichen und unterstützt somit auch die bereits erfolgreich vorangetriebene Vernetzung der Fächer.

Hauptantragsteller für das Kölner Kolleg waren der Literaturwissenschaftler Prof. Günter Blamberger und der Archäologe Prof. Dietrich Boschung. Mit ihrem Forschungsvorhaben verfolgen die beiden Wissenschaftler das Ziel, kulturell gewachsene Denkbilder und Wissensformen in ihrer Entstehung, Veränderung und medialen Ausgestaltung zu analysieren. Der Begriff des Morphoms steht dabei für Konkretisierungen kulturellen Wissens in einer sinnlich wahrnehmbaren Form, die in ihrer Gestalt weitgehend konstant, in ihrem Gehalt dagegen potentiell veränderlich sind. Morphome nehmen das Wissen ihrer Zeit nicht nur auf, sie verändern oder bestimmen es, sie überliefern es für künftige Zeiten und sind dabei offen für Neudiskursivierungen. "Der methodische Ansatz ist in der Archäologie entwickelt worden, aber er lässt sich auf viele geisteswissenschaftliche Fächer anwenden und ist daher für interdisziplinäre Forschungen besonders geeignet", erläutern Blamberger und Boschung, und unterstreichen das spezifische Innovationspotential des Morphom-Begriffs, das sich aus dem Doppelaspekt von Formkonstanz und medialem Eigensinn bestimmt: "Hierin liegt die synchrone wie diachrone Vergleichsdimension, die kulturellen Wandel erst verhandelbar macht. Morphome sind medien-, epochen- und kulturübergreifende Formen, die nur in Abhängigkeit von ihren jeweiligen Konkretisierungen beschreibbar sind. Das hat den Vorteil, dass der Begriff Morphom in unterschiedlichen geisteswissenschaftlichen Disziplinen operabel ist und in diesem integrativen Charakter die Zusammenarbeit der Fächer und die Kooperation mit ausländischen Wissenschaftlern in einem internationalen Kolleg erleichtert."

Mit der Förderung durch das BMBF eröffnet sich für das Kolleg die Möglichkeit, jährlich zehn internationale Forscherinnen und Forscher aus allen Bereichen der Geisteswissenschaften nach Köln zu holen und sich dem Forschungsgegenstand sowohl aus unterschiedlichen fachlichen und kulturellen Perspektiven wie auch interdisziplinär zu nähern. Darüber hinaus können insgesamt sieben Stellen für wissenschaftliche Mitarbeiter und eine entsprechende Anzahl von Doktorandenstellen geschaffen werden.

Die Initiative des BMBF verfolgt das Ziel, die Geisteswissenschaften strukturell zu stärken und ihnen größeren Spielraum für die Entfaltung ihrer Leistungen zu geben. Bundesweit sollen insgesamt zwölf Kollegs gefördert werden. Die nun ausgewählten Standorte werden in den nächsten Jahren mit jeweils bis zu 2 Mio. Euro pro Jahr unterstützt.

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