Ausgrabung von Töpferöfen aus der Römerzeit im Burgenland

Vor einigen Jahren tauchten bei Bauarbeiten erste Keramikfunde im Ortsteil Burg der Gemeinde Hannersdorf im Burgenland auf. Geomagnetische Untersuchungen in den Folgejahren lieferten Hinweise auf zahlreiche Öfen, die unter dem Acker verborgen liegen dürften. In einer aktuellen Lehrgrabung unter Leitung von Basema Hamarneh von der Universität Wien haben Archäologinnen und Archäologen nun bereits zwei Töpferöfen freigelegt. 100 weitere Öfen dürften noch unter der Erde liegen – ein bislang beispielloser Fund eines lokalen Produktionszentrums von Gebrauchskeramik aus der Römerzeit.

Nachrichten durchblättern
Reste eines römerzeitlichen Keramikbrennofens
Reste eines Keramikbrennofens aus der römerzeitlichen Keramikproduktion. Foto: L. Schlamp © IKA_Burg_2026

Die Äcker nördlich des Burger Badesees sind durch Oberflächenfunde der römischen Kaiserzeit seit längerem als Bodenfundstelle Asten bekannt. 2021 wurde im Zuge von Bauarbeiten an der im Osten des Areals gelegenen B56 Geschriebenstein Straße bereits eine Vielzahl römischer Keramikfragmente sowie Reste von Keramikbrennöfen gefunden. In den Folgejahren zeigten geomagnetische Untersuchungen, dass zahlreiche archäologische Strukturen unter dem Feld liegen: Öfen, Gebäudegrundrisse und eigeebnete Hügelgräber. Die aktuellen Grabungen sollen nun Klarheit über die tatsächliche Größenordnung und Bedeutung der Fundstelle bringen – die jetzigen Ergebnisse übertreffen die Erwartungen.

Innerhalb der ersten beiden Arbeitswochen konnten in unmittelbarer Oberflächennähe (in ca. 40 cm Tiefe) die Reste zweier Keramikbrennöfen mit Arbeitsgruben sowie weitere Gruben, die als Lehmentnahme- und Abfallgruben anzusprechen sind, dokumentiert werden. Die Öfen und umliegenden Gruben sind mit Keramik befüllt. "Unsere Funde deuten darauf hin, dass es sich hier um eine große Produktionsstätte für Keramik handelt", sagt Grabungsleiterin Basema Hamarneh von der Universität Wien. Hergestellt wurden Schüsseln, Schalen, Becher und Vorratsgefäße.

Im Ganzen erhaltene Funde geben spannende Einblicke in Produktionsalltag

Die aktuelle Ausgrabung bringt gleich einige besondere Funde, die aus der Mitte des 1. Jh. bis zur Mitte des 2. Jh. n.u.Z. stammen. "Es gibt auffallend viele im Ganzen erhaltene Gefäße, was nicht oft vorkommt. Zusätzlich gibt es viele Fehlbrände, also Stücke, die in der Produktion misslungen sind. Das deutet einerseits daraufhin, dass hier im großen Stil und nicht nur für den lokalen Bedarf produziert wurde. Und solche Fehlbrände geben uns auch spannende Einblicke in die Produktionsabläufe", erklärt Hamarneh. Das Archäologie-Team hat außerdem importierte Ware (etwa "Terra Sigillata") gefunden, was ebenfalls die These einer großen Produktionsstätte stützt.

Auffallend ist außerdem, dass es keine bekannte Abnehmersiedlung in unmittelbarer Nähe des Fundplatzes gibt. Die nächste größere römische Ansiedlung ist die 16 km (Luftlinie) entfernte, im frühen ersten Jahrhundert gegründete römische Stadt Savaria (Szombathely) im heutigen Ungarn. Das deutet auch daraufhin, dass es sich um eine überregionale Keramik-Produktionsstätte handelt.

Funde aus der Jungsteinzeit weisen auf besonders gute Lage für Produktion hin

Die Örtlichkeit des Fundes dürfte kein Zufall sein. Es gibt nämlich auch neolithische Oberflächenfunde (Keramikscherben, Reste von Langhäusern in Pfostenbauweise) aus dem 6. Jahrtausend v.u.Z. "Es handelt sich also um eine sogenannte multiperiodale Fundstelle. Die Befunde aus der Jungsteinzeit und der Römerzeit stehen in keinem direkten Zusammenhang, zeigen aber, dass der Platz bereits Jahrtausende zuvor besiedelt war und anscheinend sehr gute Voraussetzungen zur Produktion bietet", so Hamarneh. Daten aus geomagnetischen Untersuchungen haben außerdem gezeigt, dass es etwa 1,5 km entfernt Ausläufer des bekannten hallstatt- und römerzeitlichen Schandorfer Hügelgräberfeldes befinden. "Das ist ein weiteres Indiz dafür, dass der Platz über Jahrtausende hinweg ein wichtiger Knotenpunkt menschlicher Aktivität war", erklärt Hamarneh.

Burgenland war Motor von Produktion und Handel in der Römerzeit

Die Grabungen werden noch bis 7. August fortgesetzt, das Team legt täglich neue Funde frei. "Jeder Fund, von Ganzgefäßen über Fehlbrände bis zu importierter Terra Sigillata, trägt dazu bei, das Bild einer lebendigen, weit vernetzten römischen Wirtschaftslandschaft im heutigen Burgenland zu schärfen und unterstreicht einmal mehr, dass die Region weit mehr als nur ein 'Nebenland' des Imperiums war, sondern ein aktiver Motor von Produktion und Handel“, sagt Hamarneh. 

Lage der Ausgrabungsflächen
Die beiden geöffneten Flächen F1 und F2. Im Hintergrund die Ortschaft Burg mit Badesee. Foto Th. Leutgeb © IKA_Burg_2026
Freilegung der Töpferöfen (Luftbild)
Studierende der Universität Wien beim Ausnehmen der römerzeitlichen Befunde in Fläche F1. Foto L. Schlamp © IKA_Burg_2026