Aufrechter Gang älter als gedacht

Den aufrechten Gang gibt es schon deutlich länger als bisher angenommen. Dies zeigt ein Hominidenfund aus Äthiopien, der jetzt der Öffentlichkeit präsentiert wurde: Der von seinen Entdeckern »Kadanuumuu« getaufte Vormensch ist 3,6 Millionen Jahre alt und lief bereits fast so wie der heutige Mensch.

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KSD-VP-1/1
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In der Afar-Region im nordwestlichen Äthiopien hat ein internationales Forscherteam die fossilen Überreste eines männlichen Hominiden der Art Australopithecus afarensis entdeckt, der mit einem Alter von 3,6 Millionen Jahren etwa 400.000 Jahre älter ist als die berühmte Lucy. Neben dem höheren Alter zeichnet sich der neue Fund vor allem dadurch aus, dass nun erstmals ein Schulterbein und ein Schulterblatt fast vollständig erhalten vorliegen. Auch der Brustkorb ist besser erhalten als bei Lucy. Das neu entdeckte Exemplar (KSD-VP-1.1) erhielt von den Entdeckern den Spitznamen »Kadanuumuu«, was in der Sprache des äthiopischen Afar-Volkes »großer Mann« bedeutet. Die ehemalige Körpergröße von »Kadanuumuu« betrug zwischen 1,50 m und 1,60 m. Damit war er deutlich größer als seine »Urenkelin« Lucy, deren Körpergröße nur etwa 1,06 m betrug.

Die jetzt in der Zeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America (PNAS) veröffentlichen Untersuchungen des Skeletts deuten darauf hin, dass dieser Vormensch bereits aufrecht auf zwei Beinen ging - und das ähnlich gut wie wir heute. »Dieses Individuum war vollkommen zweifüssig und konnte fast wie der moderne Mensch laufen«, erklärte Dr. Yohannes Haile-Selassie vom Cleveland Museum of Natural History, der die Untersuchungen leitete. »Als Ergebnis dieser Entdeckung können wir nun ziemlich sicher sagen, dass 'Lucy' und ihre Verwandten fast ebenso darin geübt waren auf zwei Beinen zu laufen wie wir es sind und dass die Verlängerung der menschlichen Beine früher in der Evolution stattgefunden hat, als ursprünglich angenommen.«

»Unsere gesamte Vorstellung davon, wie Australopithecus afarensis sich fortbewegte, basierte auf 'Lucy'. Da sie ein außergewöhnlich kleines weibliches Exemplar mit sehr kurzen Beinen war, ergab sich für einige Forscher der Eindruck, dass sie nicht vollständig an den aufrechten Gang angepasst war. Dieses neue Skelett widerlegt diesen Eindruck, denn wenn Lucys Gerippe so groß wäre wie bei diesem Exemplar, wären auch ihre Beine proportional länger«, führte Dr. Haile-Selassie weiter aus.

Dr. C. Owen Lovejoy, Professor an der Kent State University und Co-Autor der Studie, sagte: »Von beiden haben wir Beckenknochen, einen vollständigen Unterschenkelknochen und Teile der Arme, der Wirbelsäule und des Brustkorbs. Allerdings hat das neue Exemplar vollständigere Rippen und ein fast vollständiges Schulterblatt. Das sagt uns wesentlich mehr über die Körperform von Australopithecus afarensis als 'Lucy' allein es konnte.«

Die Fundstelle Korsi Dora liegt in der zentralen Afar-Region etwa 336 km nördlich der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba und 48 km nördlich der Stelle, wo Lucy 1974 entdeckt worden war. Insgesamt arbeiteten die Forscher über fünf Jahre an der Freilegung des Skeletts. Der erste Teil, das Fragment eines Unterarmknochens, war bereits im Februar 2005 gefunden worden. Die Knochen waren unter bis zu 1,5 m tiefem Tonstein begraben.

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