Riesige Antriebswelle einer der größten Bergbaumaschinen des 15. Jahrhunderts geborgen

In dieser Woche konnte im erzgebirgischen Bad Schlema die hölzerne Welle eines riesigen Kehrrades erfolgreich geborgen werden. Das Wasserrad mit rund 11,5 m Durchmesser war 2016 bei Sicherungsarbeiten in einer gigantischen untertägigen Radstube/Radkammer entdeckt worden.

Ausschnitt aus dem Video von Spiegel Online
Ausschnitt aus dem Video von Spiegel Online.

Seitdem erforschen die Montanarchäologen des ArchaeoMontan-Projektes beim  Landesamt  für  Archäologie  Sachsen  diesen  einmaligen  Fund,  der dendrochronologisch um 1500 datiert. Es ist das bislang älteste bekannte Kehrrad und damit auch eine der größten Maschinen dieser Zeit, die jemals in  Europa  entdeckt  wurden.  Sie  wurden  während  des  2.  Berggeschreys im  15./16.  Jahrhundert  zur  Wasserhebung  und  Materialförderung  in  den Silberbergwerken im Erzgebirge eingesetzt und konnten umgekehrt – in zwei verschiedene Richtungen - bewegt werden, d.h. sowohl nach über Tage als auch nach unter Tage.

Die  archäologischen  Untersuchungen  werden  durch  das  Sächsische Oberbergamt  Freiberg  und  die  Bergsicherung  Schneeberg  technisch  und logistisch  unterstützt.  Im  Frühjahr  2018  stießen  die  Archäologen  und Bergleute  dann  in  etwa  20  m  Tiefe  auf  die  hervorragend  erhaltene Antriebswelle  des  Kehrrades  aus  Eichenholz,  die  mit  8  m  Länge,  0,60  m Seitenkante und über 4 Tonnen Gewicht gigantische Dimensionen aufwies.

Diese  Welle  wurde  am  1.8.2018  in  einer  sechsstündigen Bergungsaktion mithilfe eines Schwerlastkrans durch einen engen Schacht aus dem Bergwerk gezogen und auf einem Sattelschlepper abgelegt. Hier war  Millimeterarbeit  und  viel  Geduld  gefragt.  Noch  vor  Ort  wurde  das über 500 Jahre alte Holz von Restauratoren für den Weitertransport in die Konservierung erstversorgt. Die weitere Bearbeitung von Welle und Kehrrad wird noch einige Jahre in Anspruch nehmen.

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