Landesarchäologie untersucht das ehemalige KZ Bisingen

Im August beginnt die erste archäologische Ausgrabung in einem ehemaligen NS-Zwangslager in Baden-Württemberg. Im Gelände ist heute von dem ehemaligen Konzentrationslager Bisingen nichts mehr zu erkennen. Erste Untersuchungen des Landesamtes für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart (LAD) mit Bodenradar und Geomagnetik zeigen die Spuren von Lagerbaracken und des Lagerweges.

Georadar KZ Bisingen
Ein aktuelles Georadar des ehemaligen Lagerareals zeigt, dass sich im Boden noch Reste von Gebäuden erhalten haben. Quelle: Fachdaten, LAD, Dr. Harald von der Osten; Geobasisdaten, Landesamt für Geologie und Landentwicklung Baden-Württemberg

Seit 2018 untersucht das Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart die materiellen Hinterlassenschaften an ehemaligen Standorten von Außenlagern des nationalsozialistischen Konzentrationslagers (KZ) Natzweiler in Baden-Württemberg. Ab August führt die Landesarchäologie in diesem Rahmen eine archäologische Ausgrabung im Bereich des ehemaligen Außenlagers Bisingen durch.

Das KZ Bisingen wurde im August 1944 als eines von sieben Außenlagern für das »Unternehmen Wüste«, ein Projekt des NS-Rüstungsministeriums, eingerichtet. Die KZ-Häftlinge mussten unter unmenschlichen Bedingungen Schieferölwerke zur Gewinnung von Treibstoff errichten und in der anlaufenden Produktion arbeiten. Untergebracht waren die Bisinger Häftlinge in einem Barackenlager, das am Ortsrand in sumpfigem Gebiet aufgebaut wurde. Überlebende berichten von katastrophalen Zuständen und willkürlicher Gewalt im Lageralltag. In den acht Monaten, in denen das Lager bestand, kamen mindestens 1187 Menschen ums Leben. Das Museum/KZ-Gedenkstätte Bisingen engagiert sich seit Jahren für eine aktive Erinnerungskultur vor Ort.

Vom Lager selbst ist heute oberflächlich nichts mehr zu sehen. Das Areal ist teilweise bebaut, teilweise Grünland. Bei einer vor kurzem von der Landesarchäologie durchgeführten Untersuchung mittels Radar- und Magnetikmessungen konnten Spuren der Lagerbaracken und des Lagerweges im Boden entdeckt werden. Durch die Ausgrabung soll der Erhaltungszustand dieser archäologischen Hinterlassenschaften untersucht und durch erwartete Funde ein Einblick in den Alltag der Häftlinge gewonnen werden. Es ist die erste archäologische Ausgrabung in einem ehemaligen NS-Zwangslagers in Baden-Württemberg.

Am Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 8. September 2019, führen Archäologinnen und Archäologen der Landesdenkmalpflege um 11.00 und 13.00 Uhr über die Ausgrabung (Zugang über Verbindungsweg am Ende Hinter Stöck zu Schelmengasse, 72406 Bisingen). Die KZ-Gedenkstätte bietet Führungen zu den historischen Schauplätzen auf dem Lehrpfad zur Geschichte des Konzentrationslagers Bisingen an (Start 10.00 Uhr beim Museum). Im »Museum KZ Bisingen« (Kirchgasse 15, 72406 Bisingen) erzählt die Ausstellung »Mut zur Erinnerung – Mut zur Verantwortung« von der Geschichte des KZ und des »Unternehmen Wüste«.

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