Grabungsfinissage auf dem Pforzheimer Rathaushof

Die Archäologische Denkmalpflege des Landes Baden-Württemberg untersuchte im Vorfeld der geplanten Überbauung des Rathaushofes seit Herbst 2012 rund 4200 Quadratmeter dieses, einst inmitten der historischen Altstadt gelegenen, Areals. Am vergangenen Mittwoch fand die Grabungsfinissage statt.

Goldener Ouroboros-Ohrring
Goldener Ouroboros-Ohrring aus einem Männergrab des 17./18. Jahrhunderts in der Stadtkirche Sankt Stephan (ehemalige Dominikanerkirche). Im Sarg lag neben dem Skelett außerdem ein Degen. Foto: Landesamt für Denkmalpflege, Marianne Lehmann

Unter dem Pflaster des nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg hier angelegten Parkplatzes waren Befunde aus der Vorgeschichte und aus acht Jahrhunderten Stadtgeschichte konserviert. Die Grabungsfinissage fand in Anwesenheit von Prof. Dr. Dirk Krausse, Landesarchäologe des Landesamts für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, und der Bürgermeisterin der Stadt Pforzheim, Sibylle Schüssler, statt. Mitarbeitende des Landesamts für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart erläuterten die bisherigen Grabungsresultate und die aktuellen Grabungsbefunde.

Die ältesten Siedlungsspuren stammen aus der Zeit der bronzezeitlichen Urnenfelderkultur (1200–800 vor Christus). Ab der Stadtgründung im 12. Jahrhundert ließ sich die Siedlungsentwicklung dann annähernd lückenlos bis zum Zweiten Weltkrieg dokumentieren. Westlich der ehemaligen Schulstraße erstreckte sich ein dicht bebautes Wohnquartier mit zahlreichen adeligen Wohnsitzen, darunter auch das nach dem Zweiten Weltkrieg abgetragene, sogenannte Gotische Haus.

Östlich der Straße wurde im späten 13. Jahrhundert die ältere Wohnbebauung durch das Dominikanerkloster überlagert. Als Ansatzpunkt für die Niederlassung der Bettelmönche erwies sich eine innerstädtische Brache, die in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts durch ein archäologisch großflächig nachgewiesenes Brandereignis entstand.

Mithilfe der Grabungsbefunde konnte die Entwicklung anhand der Klosterkirche, die nach der Reformation als Stadtkirche Sankt Stephan diente, und der anschließenden Klausurgebäude bis zu deren Zerstörung im Jahre 1789 dokumentiert werden. Dies lieferte zahlreiche, neue Erkenntnisse zur damaligen Baugeschichte. Im Zuge dessen wurden annährend 800 Körpergräber aufgedeckt. Diverse Grabsteine, der älteste aus dem Jahr 1282, und Grabbeigaben aus Gold belegen eindrücklich die Beliebtheit der Kirche als Bestattungsort der städtischen Oberschicht.

Vom versuchten Wiederaufbau zeugen die mächtigen Fundamente der vom badischen Baumeister Heinrich Hübsch geplanten, aber nie realisierten, protestantischen Idealkirche. Zu den Höhepunkten der Grabung zählte die Öffnung des Grundsteins am 25. August 1829.

Seitschwert aus dem frühen 16. Jh.
Seitschwert (frühes 16. Jahrhundert): Fundlage in einem Männergrab in der Pforzheimer Stadtkirche St. Stephan (ehemalige Dominikanerkirche). Foto: Landesamt für Denkmalpflege, Marianne Lehmann
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