Eine Hirschbestattung gibt Rätsel auf

Neue Einblicke in das mittelalterliche Wurmlingen

Der geplante Bau eines neuen Feuerwehrhauses im Rottenburger Ortsteil Wurmlingen gab Anlass zu einer archäologischen Ausgrabung, bei der hochmittelalterliche Siedlungsstrukturen, ein vermutlich frühmittelalterliches Kindergrab und eine Grube mit einem kompletten Hirschskelett aufgedeckt wurden. Dr. Beate Schmid vom Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart und Sybil Harding von der Firma ArchaeoConnect stellten Angang September die vorläufigen Grabungsergebnisse vor.

Hirschskelett in Grube
Hirschskelett am Boden einer Abfallgrube. Foto: Landesamt für Denkmalpflege; ArchaeConnect Tübingen

Gefunden wurden Erdverfärbungen, die von den Pfosten ebenerdiger Holzgebäude und mehrerer Grubenhäuser stammen und die als Werkstätten und Vorratskeller genutzt wurden. Des Weiteren kamen Brunnen und Abfallgruben zum Vorschein. Diese Befunde sind nicht unüblich für eine früh- bis hochmittelalterliche Siedlung. Überraschend dagegen war das Auffinden eines wahrscheinlich frühmittelalterlichen Kindergrabes, das keine Grabbeigaben enthielt, sodass eine Datierung erst mit Hilfe der sogenannten Radiocarbonmethode möglich sein wird. Noch ungewöhnlicher war der Inhalt einer Grube, die unter anderem ein komplettes Hirschskelett enthielt. Im Mittelalter war die Hirschjagd dem Adel vorbehalten und Fleisch kostbar. Der Grund der Vergrabung des Skeletts, gibt Rätsel auf.

Mit der archäologischen Ausgrabung der rund 5.400 Quadratmeter großen Fläche hat die Firma ArchaeoConnect am 23. Juli 2019 begonnen. Ein vorläufiger Abschluss ist für Ende September 2019 vorgesehen. Ein kleinerer, derzeit nicht zugänglicher Teil der Fläche soll zu einem späteren Zeitpunkt untersucht werden. Die aktuelle Grabung wird von der Stadt Rottenburg a. N. finanziert.

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