Datenbank zur Nürnberger Handelsgerichtsbarkeit ist online
Die Datenbank ist ein Ergebnis des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekts "Nürnberger Handelsgerichtsbarkeit. Kaufmännische Gutachten, gerichtliche Praxis und ihr Beitrag zur Entwicklung einer handelsrechtlichen Normativität in der Frühen Neuzeit". Juraprofessorin Anja Amend-Traut, Leiterin des Lehrstuhls für Deutsche und Europäische Rechtsgeschichte, Kirchenrecht und Bürgerliches Recht an der Universität Würzburg, hat das DFG-Projekt von 2015 bis 2025 geleitet.
Ziel des Projekts war es, die sogenannten Nürnberger Pareres – kaufmännische Gutachten zu handelsrechtlichen Streitfragen – systematisch zu erschließen, der Öffentlichkeit digital zugänglich zu machen und in einem weiteren Schritt wissenschaftlich auszuwerten.
In Nürnberg erstellten die Marktvorsteher als erfahrenste Kaufleute des Handelsplatzes auf Anfrage aus dem In- und Ausland Gutachten zu handelsrechtlichen Fragen und Konflikten. Vergleichbare Expertisen kamen auch aus anderen Handelsstädten wie Frankfurt am Main oder Leipzig.
Im Unterschied zu diesen Städten sind die Nürnberger Gutachten jedoch in einer nahezu geschlossenen seriellen Überlieferung erhalten: Die sogenannten Pareres-Bücher dokumentieren den Zeitraum von 1628 bis 1806 nahezu vollständig – mit Ausnahme eines verlorenen Bands für die Jahre 1660 bis 1677. Mit rund 1.400 überlieferten Gutachten übertrifft der Bestand vergleichbare Sammlungen anderer Handelsplätze deutlich. Ein Abgleich mit den sogenannten Kopierbüchern zeigte zudem, dass die Pareres-Bücher keine vollständige Sammlung darstellen. Daher wurden in dem Projekt auch jene Gutachten erfasst, die ausschließlich in den Kopierbüchern überliefert sind.
Trotz ihres außergewöhnlichen Erhaltungszustands waren die Nürnberger Pareres bislang kaum wissenschaftlich ausgewertet worden. Der Umfang der Überlieferung und der lange Zeitraum erschwerten insbesondere die thematische Recherche und systematische Analyse.
Hier setzt die Datenbank an: Eine rechtshistorische Verschlagwortung erleichtert das gezielte Auffinden einzelner Sachgebiete. Darüber hinaus sind personengeschichtliche, sozialgeschichtliche und ortsbezogene Recherchen möglich. Die Pareres können sowohl qualitativ-inhaltlich als auch quantitativ ausgewertet werden – bezogen auf einzelne Themenbereiche ebenso wie auf den Gesamtbestand.
Jeder Datensatz ist mit einem hochauflösenden Scan der Originalquelle verknüpft, der zur besseren Lesbarkeit vergrößert werden kann. Ergänzend stehen Transkriptionen der handschriftlichen Texte zur Verfügung. Damit wird die Arbeit mit den frühneuzeitlichen Quellen erheblich erleichtert und beschleunigt. Die digitale Plattform ermöglicht es, Originalscan und Transkription parallel einzusehen und zugleich gezielte Suchabfragen durchzuführen – ohne einen Archivbesuch vor Ort. Damit leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zur Digitalisierung und Internationalisierung der rechtshistorischen Forschung.
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