Clausthalerin auf den Spuren des Neandertalers

Noch bis zum 2. Oktober läuft die neue Grabungssaison an der Einhornhöhle in Scharzfeld (Südharz). Auch in diesem Jahr ist eine Studentin der Technischen Universität Clausthal daran beteiligt.

Ausgrabung in der Einhornhöhle
Die Clausthaler Studentin Lisa Schulze ist begeistert von ihrer Arbeit bei den Ausgrabungen an der Einhornhöhle. Foto: Nadine Kaiser / TU Clausthal

Mit Spitzkelle und Pinsel tragen die Forscherinnen und Forscher vorsichtig die Erdschichten des ehemaligen Höhleneingangs ab. In den Ablagerungen finden sie immer wieder unter anderem Jagdreste und Werkzeuge, wie zum Beispiel Quarzite aus dem Oberharz. Das sind alles Anzeichen auf den ersten Rohstoffsucher im Harz – den Neandertaler. Der frühere Höhleneingang hatte einmal vermutlich eine Höhe von drei bis vier Metern, perfekt für unseren Vorfahren, um das Tageslicht optimal zu nutzen. Die Einhornhöhle gilt als die größte Besucherhöhle im Westharz und hat eine Gesamtganglänge von 700 Metern. Ihren Namen erhielt sie von gefundenen Höhlenbären- und Mammutknochen, die unter anderem von dem Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz fälschlicherweise dem Fabelwesen Einhorn zugeordnet wurden.

Lisa Schulze, die Rohstoff-Geowissenschaften an der TU Clausthal studiert, arbeitet erst seit wenigen Tagen an der Grabungsstätte, ist jedoch schon vollauf begeistert: »Es ist wie in der Kriminologie. Man geht verschiedenen Hinweisen nach und versucht anhand derer herauszufinden, was vor über 100.000 Jahren hier passiert ist.« Auf Empfehlung eines Clausthaler Kommilitonen, der bei der Grabung im letzten Jahr dabei war, bewarb sich die Master-Studentin für die Teilnahme. »Ich finde es toll, Bezug zu den Gegenständen zu haben, die später im Labor analysiert werden«, beschreibt sie ihre Erfahrungen während ihrer ersten archäologischen Ausgrabung. Nach dem ersten »Frühjahrsputz«, bei dem Laub entfernt und Planen zum Schutz der Grabenden angebracht werden, lernt die Studentin verschiedene Objekte in den Schichten zu erkennen und diese fachmännisch zu befreien. Das Wissen zur Paläontologie und Sedimentologie, welches sich die 26-Jährige während ihres Studiums angeeignet hat, kam ihr bei dieser Aufgabe zu gute.
Durchgeführt werden die Ausgrabungen an der Einhornhöhle vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege und der Gesellschaft Unicornu fossile e. V. mithilfe von Fördermitteln des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur.

»Seit zwei Jahren können sich die Studierenden nun auch hier an den Grabungen beteiligen«, sagt Ralf Nielbock, Gründer des Vereins Unicornu fossile e. V. und Betreiber der Einhornhöhle. Der 66-Jährige hat an der TU Clausthal die Fächer Paläontologie und Geologie studiert und in seiner Promotionsarbeit über die Eiszeitfauna der Einhornhöhle geschrieben. »Normalerweise beginnt die Grabungssaison schon im Juli oder August. Allerdings konnten wir auf Grund der aktuellen Situation und den Hygienevorschriften erst jetzt loslegen.« Schon 1984 begann Nielbock von der TU Clausthal aus mit den Ausgrabungen an der Einhornhöhle, nachdem er dort zufällig den ersten Faustkeil fand. Ziel der diesjährigen Forschungen ist es, den Eingangsbereich zur Höhle weiter zu erschließen und herauszufinden, wann und unter welchen Klimabedingungen der frühe Mensch sich im Harz aufgehalten hat.

Bis zum 2. Oktober werden die Grabungen an dem ehemaligen Höhleneingang fortgesetzt und können dienstags bis freitags 11 bis 16 Uhr besichtigt werden.

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