Zwei bemalte Gänseeier in "Frauengrab 11"

Das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland und das LVR-LandesMuseum Bonn präsentieren mit dem "Fund des Monats" April 2011 besondere Funde aus einem römischen Gräberfeld bei Hürth-Hermülheim.

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Ein Gänseei aus einem römischen Grab ist der "Fund des Monats" im LVR-LandesMuseum Bonn. (Foto: LVR / Michael Thuns)
Ein Gänseei aus einem römischen Grab ist der "Fund des Monats" im LVR-LandesMuseum Bonn. (Foto: LVR / Michael Thuns)

Hier hat das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland mehr als vierzig römische Gräber gefunden und untersucht. Zu den Funden aus „Frauengrab 11" gehören zwei Gänseeier. Dabei ist außergewöhnlich, dass deren Schalen rot gefärbt sind, denn bemalte Gänseeier sind im Rheinland bislang nicht gefunden worden. Sie hatten vermutlich unterschiedliche Funktionen, was die Lage im Grab nahelegt.

Ein Gänseei befand sich bei Glas- und Tongeschirr und war daher vermutlich als Speisebeigabe gedacht. "Eier waren ein beliebter 'erster Gang' für ein römisches Essen. Sprichwörtlich dauerte die Mahlzeit 'von den Eiern bis zu den Früchten' ", erläutert der Bearbeiter der Funde, der Archäologe Dr. Raymund Gottschalk. In Grab 11 sind wenigstens zwei Gerichte nachweisbar, neben einem Tonteller mit Hühnerknochen fand sich noch ein mutmaßliches Hühnerei. Das zweite bemalte Gänseei lag bei kleinen Glasflaschen, die als Parfumbehälter dienten. Aus der Antike sind Rezepte überliefert, nach denen Eier zur Herstellung einer Augensalbe oder einer Wimperntusche dienen konnten. Der Toten waren also möglicherweise Zutaten zur Herstellung von Kosmetik mitgegeben worden.

Die Bemalung der Eier diente wohl nur zur Zier. So ist eine Keramikkanne aus dem Grab mit Streifen und Tupfen rot verziert. Es ist dabei allerdings nicht ausgeschlossen, dass die Färbung der Eier noch auf eine zusätzliche Bedeutung hinweisen sollte. So waren im Altertum Mythen bekannt, nach denen das Universum aus einem Ei geschaffen wurde. "Ob solche Vorstellungen hier überhaupt eine Rolle spielten, lässt sich nicht nachweisen" erklärt Raymund Gottschalk. Sicher ist jedoch: Die bemalten Ostereier heutiger Zeit wurden erst einige Jahrhunderte später erfunden.

Die übrige Beigabenausstattung hat zum Teil deutliche regionale Bezüge. Besonders charakteristisch für Gräber des Kölner Raumes sind kleine Kännchen, von denen einem Verstorbenen meist drei mitgegeben wurden. Eine weißtonige Kanne mit roter Bemalung wurde in Köln oder dem städtischen Umland hergestellt. Geschirr zur Beigabe von Speisen und Getränken ist in römischen Gräbern des Rheinlandes häufig. Manchmal sind sogar noch die Knochen der Fleischbeigaben erhalten, häufig von Geflügel, aber auch von Schwein, Rind oder Schaf.

Ein anderes Fundstück lässt darüber hinaus Schlüsse auf ferne Handelsbeziehungen zu. Es handelt sich um einen zierlich gedrechselten Stab zur Verarbeitung von Wolle, einen Spinnrocken. Dieser besteht aus Elfenbein, also einem exotischen Importmaterial.

Der Fund des Monats ist im Foyer des LVR-LandesMuseums Bonn bis zum 1. Mai zu den üblichen Öffnungszeiten zu sehen.

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