Besonderes Augenmerk der Gespräche mit dem Antikendirektor lag auf den Projekten Damaskus GIS und Palmyra GIS, die unterschiedliche Anforderungen und Rahmenbedingungen widerspiegeln, jedoch ein gemeinsames Ziel verfolgen: Den Aufbau Geographischer Informationssysteme (GIS) als zentrale Grundlage für den Erhalt und Wiederaufbau historischer Bausubstanz: »Uns ist dabei der gemeinsame Auf- und Ausbau der Systeme wichtig. Letztendlich entscheiden unsere syrischen Partner, was benötigt wird. Wir möchten sie in diesem Prozess auf Augenhöhe unterstützen«, betont Claudia Bührig, Leiterin der Außenstelle Damaskus am DAI.
Aufbau eines Geographischen Informationssystems für die Damaszener Altstadt
Nach langer Unterbrechung nahm das Team der Außenstelle Damaskus 2025 mit einem Pilotprojekt zur Altstadt von Damaskus die Arbeit wieder auf. Die Altstadt zählt seit 1979 zum UNESCO-Weltkulturerbe und ist bis heute ein dicht besiedelter, lebendiger Stadtraum. Das Damaskus GIS befindet sich derzeit im Aufbau und dient dem Management der urbanen Struktur der historischen Altstadt. Eine besondere Stärke des Systems besteht darin, historische, archäologische, infrastrukturelle und städtebauliche Daten konsistent zusammenzuführen. So kann es als Grundlage für Dokumentation, Denkmalpflege, künftige Stadtplanung und nachhaltige Erhaltungsmaßnahmen dienen. Im ersten Schritt erfolgt die Bestandserfassung des urbanen Gefüges auf Basis historischer und aktueller Katasterkarten, Satelliten- und Luftbilder sowie der im Rahmen des Syrian Heritage Archive Project (SHAP) erhobenen Daten. In deutsch-syrischer Zusammenarbeit entsteht mit dem Damaskus GIS in den kommenden Jahren ein lebendiges digitales Archiv – von Bedeutung nicht nur für Denkmalpfleger:innen und Kulturwissenschaftler:innen, sondern auch für Planer:innen und Ausführende.
Das Palmyra GIS hingegen liegt bereits vor und konzentriert sich auf die nicht überbaute archäologische Stätte Palmyra, ebenfalls UNESCO-Weltkulturerbe. Es wurde ab 2016 im Rahmen der Projektreihe Stunde Null entwickelt und bündelt archäologische und topographische Daten der antiken Oasenstadt. Das System dient der Sicherung bestehender Dokumentationen, der Erfassung von Kriegsschäden sowie der Vorbereitung künftiger Forschungs-, Schutz- und Restaurierungsmaßnahmen – und unterstützt zugleich den Wissenstransfer und die Ausbildung syrischer Fachkolleg:innen in digitalen Dokumentationsmethoden.
Workshop zur Drohnenbefliegung und Photogrammetrie
Mit finanzieller Unterstützung des Auswärtigen Amtes und der Gerda Henkel Stiftung wurde im November 2025 ein sechstägiger Workshop erfolgreich durchgeführt. Sieben Mitarbeiter:innen der syrischen Antikenverwaltung (DGAM) aus Damaskus und Aleppo erarbeiteten Drohnenbefliegung und photogrammetrische Aufnahmetechniken und erfassten die Nordhälfte der Damaszener Altstadt flächendeckend. Das Ergebnis ist eine präzise photogrammetrische Aufnahme des Istzustands. Gleichzeitig bot der Workshop den syrischen Kolleg:innen die Möglichkeit, moderne Dokumentationstechniken praxisnah kennenzulernen und unmittelbar anzuwenden. Besonders deutlich wurde dabei das Potenzial zum Wissenstransfer innerhalb der syrischen Fachgemeinschaft: Austausch, Training und Dokumentation bilden das Fundament für einen Neuanfang in Syrien.
Ausblick
Für 2026 stehen der Ausbau des Damaskus GIS sowie projektbezogene Schulungen für syrische Kolleg:innen in beiden GIS-Projekten auf dem Programm. Im Austausch mit dem Antikendirektor wurden darüber hinaus gemeinsame Perspektiven für zukünftige Kooperationen in den Bereichen Denkmalpflege, digitale Archivierung, Ausbildung und wissenschaftlicher Austausch entwickelt. Dabei unterstreicht der Besuch die Bedeutung langfristiger internationaler Zusammenarbeit für Schutz und Erforschung des syrischen Kulturerbes.





