Fit für den Einsatz: Projekt KulturGutRetter qualifiziert neue CHRU-Teammitglieder

Die kürzlich im EU-Katastrophenschutzverfahren (UCPM) registrierte Cultural Heritage Response Unit (CHRU) bildet auch in diesem Jahr weitere Teammitglieder aus.

Aufbau des Notkonservierungslabors
Aufbau des Notkonservierungslabors für mobiles Kulturgut. Foto: THW / Nico Becker-Kesseler

Die Fachleute aus Zivil- und Katastrophenschutz sowie Kulturerbe können weltweit zum Schutz von Kulturgut nach Naturkatastrophen eingesetzt werden. Zur Vorbereitung auf künftige Einsätze absolvierten vom 19. bis 22. Mai 2026 knapp 50 Teammitglieder eine praxisorientierte Ausbildung im THW-Logistikzentrum in Hilden.

Im Februar 2026 haben die Partner im Projekt KulturGutRetter – das Deutsche Archäologische Institut (DAI), das Leibniz-Zentrum für Archäologie (LEIZA) und die Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW) – die Auslandseinsatzeinheit CHRU im UCPM registriert. Damit kann Deutschland nun bei internationalem Hilfeersuchen gezielt Unterstützung zur Sicherung von mobilem und immobilem Kulturerbe anbieten. Ein zentrales Ziel der sogenannten Stationsausbildung ist es, durch die Ausbildung weiterer CHRU-Teammitglieder alle Profile innerhalb der Auslandseinsatzeinheit mehrfach zu besetzen – von Fachleuten für IT und Logistik über die Teamleitung bis hin zu Dokumentation, Schadensbewertung und Konservierung. Im konkreten Einsatzfall werden alle bei DAI und THW als CHRU-Teammitglieder registrierten Fachleute kurzfristig kontaktiert und nach ihrer Verfügbarkeit gefragt. Da sie freiwillig, bzw. ehrenamtlich mitwirken und beruflich oder privat gebunden sein können, ist die breite personelle Aufstellung entscheidend für die schnelle Einsatzbereitschaft. Seit 2024 wurden bereits 130 CHRU-Teammitglieder im Rahmen von jährlichen Stationsausbildungen qualifiziert. Einige Teilnehmende haben inzwischen selbst Trainer:innen-Rollen übernommen und geben ihre Erfahrungen an die neuen Kolleg:innen weiter.

Vertraut mit Ausstattung und Einsatzabläufen

Rund 65 CHRU-Teammitglieder – darunter sowohl Trainees als auch Trainer:innen – mit unterschiedlichem Erfahrungshintergrund aus dem interdisziplinären Pool kamen zu der diesjährigen mehrtägigen Fortbildung in Hilden zusammen. Im Fokus standen das Verständnis der Rollen im Einsatzteam, das gemeinsame Training von Abläufen und das Kennenlernen der spezialisierten Ausstattung der CHRU.

Für Auslandseinsätze zur Unterstützung gefährdeter Kulturgüter – etwa nach Erdbeben, Überschwemmungen oder Bränden – kann die CHRU mit bis zu 18 Tonnen Spezialausstattung entsandt werden. Ein Teil dieses Materials, das im THW-Logistikzentrum gelagert und kontinuierlich einsatzbereit gehalten wird, kam bei der Stationsausbildung zum Einsatz. So wurde unter anderem das von LEIZA entwickelte Notfallkonservierungslabor aufgebaut. In diesem trainierten die Expert:innen zentrale Arbeitsschritte wie die schnelle und serielle Dokumentation, Reinigung und fachgerechte Verpackung von Objekten aus unterschiedlichen Materialgruppen. Parallel dazu trainierten Teammitglieder Verfahren zur Bewertung und Sicherung immobiler Kulturgüter. Mithilfe moderner Vermessungstechniken wie Tachymetrie, Structure for Motion (SfM), 3D-Laserscanning und Global Navigation Satellite System (GNSS) wurden Schäden dokumentiert, bewertet und geeignete Maßnahmen abgeleitet. Alle erhobenen Daten flossen in ein digitales Dokumentationssystem ein, das eine strukturierte Zusammenarbeit ermöglicht und im Einsatzfall die Weitergabe an betroffene Institutionen unterstützt.

Erfahrungen einfließen lassen

Auch wenn sich konkrete Einsatzszenarien nur begrenzt vorhersagen lassen, ist eine gezielte Vorbereitung entscheidend. Je intensiver und regelmäßiger die Teammitglieder innerhalb der CHRU zusammen trainieren und die notwendigen Handgriffe zum Schutz von Kulturgut einüben, desto effektiver können sie im Ernstfall handeln. Dann spielt Zeit eine wichtige Rolle, um weitere Verluste am betroffenen Kulturgut bestmöglich zu verhindern. Die Stationsausbildung ist daher fester Bestandteil eines mehrteiligen Schulungskonzepts, das durch Online-Module, fachliche Vertiefungskurse und realitätsnahe Simulationsübungen ergänzt wird. Alle Formate sind eng auf die Anforderungen des Zivil- und Katastrophenschutzes sowie auf die Bedarfe des Kulturerhalts abgestimmt.

Die Erfahrungen der Teilnehmenden sowie die Erkenntnisse aus den Schulungen werden systematisch ausgewertet und in die Weiterentwicklung der Ausbildungsformate wie auch der genutzten Ausrüstung und Technik integriert. Dieser kontinuierliche Lernprozess wird künftig auch durch die Auswertung realer Einsätze ergänzt, um die Einsatzbereitschaft und Wirksamkeit der CHRU fortlaufend zu stärken. Gleichzeitig stehen DAI, THW und LEIZA im Austausch mit Partnern auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene, um die eigenen Erfahrungen zu teilen und zugleich von anderen Initiativen zu lernen.

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