Vom Faustkeil zum Mikrochip

"Turkana Boy" in neuer Ausstellung im LWL-Museum für Naturkunde zu sehen

Eine neue Ausstellung des LWL-Museums für Naturkunde in Münster beleuchtet ab dem 20. Mai den Ursprung und die Geschichte der Menschen. Das Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) geht dabei "Vom Faustkeil zum Mikrochip" und zeigt die Evolution des Menschen in vielen ungewöhnlichen Facetten.

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Präparator Werner Beckmann bereitet das Skelett des weltweit bekannten "Turkana Boy" für die Ausstellung vor. (Foto: LWL/Oblonczyk)
Präparator Werner Beckmann bereitet das Skelett des weltweit bekannten "Turkana Boy" für die Ausstellung vor. (Foto: LWL/Oblonczyk)

Ein Beispiel ist der berühmte Knochenfund des sogenannten "Turkana Boy" aus Kenia. Aufgrund dieses Fundes konnten in den 1980er Jahren erstmals wichtige Unterschiede zwischen den Menschenarten Homo ergaster (Turkana Boy) und Homo sapiens (heutige, moderne Menschen) studiert werden.

LWL-Präparator Werner Beckmann hat in rund sechs Wochen den Skelettabguss zusammengesetzt. Knapp 70 Knochen fügte er zusammen, bis ein freitragendes Skelett entstanden war. Die einzelnen Knochen wurden von ihm mit Kupferdrähten verbunden und hartgelötet. Fehlende Teile ersetzte er ebenfalls durch Kupfer. Anschließend wurden die zusätzlichen Teile besandet und schwarz angemalt. Damit will der Präparator den Unterschied zwischen den tatsächlich gefundenen Knochen und den nachträglich angefügten Teilen herausstellen.

Das Skelett des 1,6 Millionen Jahre alten "Turkana Boy" ist einem modernen Menschen schon verblüffend ähnlich. 1984 entdeckten Forscher am Turkana-See in Kenia zunächst das kleine Bruchstück eines menschlichen Schädels. Der Fund entpuppte sich mit über 100 Knochen als das bis heute vollständigste Skelett eines frühen Menschen.

Das Originalskelett ist im "Kenya National Museum" in Kenia zu sehen. Der jugendliche "Boy" starb vor zirka 1,6 Millionen Jahren und war zum Zeitpunkt seines Todes ungefähr 1,50 Meter groß. Hätte er das Erwachsenenalter erreicht, wäre er ungefähr 1,80 Meter groß geworden. Sein Körper war sehr gut daran angepasst, lange Strecken im Gehen zurückzulegen. Sein Becken ist sogar noch etwas schmaler als das der heutigen Menschen. Sein Gehirnvolumen lag mit 880 Kubikzentimeter am oberen Ende der Skala für die Vertreter seiner Art (homo sapiens zirka 1200 bis 1700 Kubikzentimeter).

Aufgrund der recht kleinen Kiefer und Zähne wird vermutet, dass diese frühen Menschen ihre Nahrung vor dem Verzehr durch Zerhacken, Zerkleinern und Zerstampfen zubereiteten. In einer Höhle in Südafrika entdeckten Wissenschaftler zusammen mit Fossilien von Homo ergaster auch einige erste Faustkeile sowie angekohlte Knochen und Spuren, die als Reste eines kontrollierten Feuers interpretiert werden. Die Faustkeile sind die wohl berühmteste Erfindung der Steinzeit und genauso alt wie der Homo ergaster. Sie gaben dieser Menschenart ihren Namen, der grob übersetzt "Handwerker" bedeutet. Das Allzweckwerkzeug wurde noch eine Million Jahre später weltweit verwendet.

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