Spektakuläres durch alle Epochen

Die Ausgrabung eines großen Fundplatzes auf der künftigen Trasse der A4 bei Düren-Arnoldsweiler erbrachte spannende wie spektakuläre Ergebnisse.

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Der Siedlungsplatz in Arnoldsweiler gibt auch Auskunft über die damalige Bestattungskultur - Grabbeigaben waren üblich. (Foto: Ludger Ströter / LVR)
Der Siedlungsplatz in Arnoldsweiler gibt auch Auskunft über die damalige Bestattungskultur - Grabbeigaben waren üblich. (Foto: Ludger Ströter / LVR)

Gefunden wurden ein jungsteinzeitliches Dorf der ersten Bauern im Rheinland aus der Zeit um 5200 bis 4900 v. Chr. mit Bestattungsplatz – dem drittgrößten in Deutschland – eine wohl bronzezeitliche Befestigungsanlage von ca. 2000 v. Chr. und eine Dorfanlage der Bevölkerung um Christi Geburt, neben der ein römischer Gutshof oder ein Heiligtum der frühen Römerzeit entstand.

Seit Januar 2009 untersuchen Archäologen der Firma Wurzel Archäologie GmbH, unter fachlicher Aufsicht des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland, den durch Oberflächenfunde bekannten Fundplatz zwischen Düren-Arnoldsweiler und Niederzier-Ellen. Finanziert wird die Untersuchung durch den Landesbetrieb Straßen NRW als Verursacher.

Von überregionaler Bedeutung ist die jungsteinzeitliche Großsiedlung. Neben 35 Hausgrundrissen mit wahrscheinlichem Gründerhaus süddeutschen Typs kamen der zweite erhaltene, hölzerne Kastenbrunnen im Rheinland und acht weitere „Wasserstellen" zutage. Erstmalig im Rheinland haben sich in größerem Umfang Skelette dieser Zeitstellung im zugehörigen Gräberfeld erhalten. Diese hier ältesten menschlichen Überreste nach dem Neandertaler und dem Doppelgrab von Oberkassel werden erstmals Auskunft über Alter, Geschlecht, Krankheiten, aber auch Herkunft der ersten Siedler im Rheinland geben können. Einige der über 200 Gräber erlauben jedoch auch Einblicke in geheimnisvolle Bestattungssitten, wie eine Beisetzung mit Beigabe einer Holzschale mit Schädel zeigt.

Ob die beeindruckende Erdbefestigung von 100 Metern Durchmesser mit Innenbebauung und umgebendem Graben in der Bandkeramik oder 3.000 Jahre später zu Beginn der Bronzezeit entstand, als neue Siedler ihr Dorf hier oberhalb des älteren Fundplatzes errichteten, wird erst die Auswertung des Fundmaterials ergeben. Für eine spätere Nutzung des Areals sprechen ein hölzerner Röhrenbrunnen um 1440 v. Chr. und weitere metallzeitliche Brunnen.

Um Christi Geburt befand sich auf dem siedlungsgünstigen Platz ein kleines eingefriedetes Dorf mit zahlreichen kleinen Häusern der einheimischen, keltischen Bevölkerung. Direkt daneben entstand im 1. Jahrhundert eine umfriedete Anlage mit größeren Gebäuden, die eventuell zu einem römischen Landgut (Villa rustica) oder Heiligtum gehörten. Ein Umgangstempel mit Brunnen, möglicherweise ein Quellheiligtum, ist ebenso ungewöhnlich im Rheinland wie eine Gruppe von exakt aneinander gereihten Brandgräbern des 1./2. Jahrhunderts.

Der Fundplatz Arnoldsweiler-Ellebach eröffnet durch die Epochen neue Einblicke und Erkenntnisse und seine wissenschaftliche Auswertung kann mit Spannung erwartet werden.

Auch dieser Holzbrunnen gehörte zu den spektakulären Funden. (Foto: Ludger Ströter / LVR)
Auch dieser Holzbrunnen gehörte zu den spektakulären Funden. (Foto: Ludger Ströter / LVR)

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