Sondagegrabung im Michelsberger Erdwerk von Borgentreich

Archäologen erhoffen sich neue Einblicke in das Leben jungsteinzeitlicher Viehzüchter durch Funde und Bodenproben aus einem Probeschnitt durch den Graben der 10 ha großen Anlage

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Graben der Michelsberger Kultur
Ein Blick auf den 2 Meter tiefen Graben um das Erdwerk aus der Michelsberger Kultur, dass die Archäologen der LWL-Archäologie für Westfalen jetzt in Borgentreich untersucht haben. Foto: LWL/H.-O. Pollmann

Sie legten gewaltige Erdwerke und Gräben an, sie lebten zusammen mit ihrem Vieh und fertigten kunstvolle Keramik. Die Forschung weiß viel über die Menschen der so genannten Michelsberger Kultur. Wie genau diese halbnomadischen Viehzüchter in Westfalen gelebt haben, das erforschen die Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen Lippe (LWL) jetzt in Borgentreich-Bühne im Kreis Höxter. Dabei suchen die Forscher Antworten auf noch offene Fragen zu dieser Epoche, die vor rund 6.000 Jahren eine umwälzende Veränderung der menschlichen Kultur einläutete.

War die mit zehn Hektar Innenfläche stattliche Wall-Graben-Befestigung ein Ort für den Kult der Menschen, die hier im frühen 4. Jahrtausend vor Christus eine bäuerliche Kultur etabliert haben? Oder haben die Menschen in Borgentreich-Bühne damals auf diese Weise ihr wertvolles Vieh geschützt? Welche Funktion genau das Erdwerk hatte, das mit stattlichen 1.200 Metern Grabenlänge fast vollständig in einem Waldstück erhalten geblieben ist, werden die Ergebnisse archäologischer Untersuchungen zeigen. Die konnten jetzt von den LWL-Archäologen der Außenstelle Bielefeld in der Anlage durchgeführt werden, die auch ein Versammlungsort gewesen sein könnte.

Ein Sondageschnitt durch den Graben in die Innenfläche des Erdwerkes brachte auch eine Pfeilspitze und Keramik der jungsteinzeitlichen Bewohner zu Tage. Diese Funde stützen die kulturelle und zeitliche Einordnung der Anlage in die Michelsberger Kultur. Zudem konnten die Fachleute Bodenproben aus dem Sohlebereich des später zugeschwemmten Grabens entnehmen. Darin könnten organische Reste aus dieser Zeit erhalten sein. Von der wissenschaftlichen Analyse der Proben versprechen sich die LWL-Archäologen nähere Erkenntnisse zur noch immer nicht ganz geklärten Nutzung solcher Erdwerke und zu ihrer genauen zeitlichen Einordnung.
Im Warburger Raum gibt es fünf weitere Anlagen dieser Art. Ihre Funktion ist ebenfalls noch eine offene Forschungsfrage. Die aktuellen Sondagen tragen also dazu bei, wichtige Aspekte der regionalen Urgeschichte zu klären.

Die Untersuchungen sind mit Unterstützung der Eigentümerin der Fläche, Freifrau von Elverfeld, überhaupt erst möglich geworden. Technische Hilfestellung bekamen die Archäologen von der Stadt Borgentreich.
Die Michelsberger Kultur erlebte in der Zeit von ca. 4.200 bis 3.600 v. Chr. ihre Blüte. Sie ist nach einem Fundort am Michaelsberg bei Bruchsal benannt und war in Mitteleuropa von Frankreich bis Süddeutschland verbreitet. Es handelte sich dabei um eine bäuerliche Kultur, deren Grundlage eine halbnomadische Viehwirtschaft mit etwas Ackerbau war.

Kommentare (2)

  • K. Wilhelmi
    K. Wilhelmi
    am 05.07.2013
    Bis 2m tief im Wald erhalten - wo ist eine Gefährdung, besonders in Relation zu viel beschworenen Mittelkürzungen?
  • James
    James
    am 04.09.2013
    Wo steht geschrieben, dass Grabungen nur bei Gefährdung durch geführt werden?
    Es steht der Grund eindeutig in dem Artikel: "Welche Funktion genau das Erdwerk hatte, das mit stattlichen 1.200 Metern Grabenlänge fast vollständig in einem Waldstück erhalten geblieben ist, werden die Ergebnisse archäologischer Untersuchungen zeigen." Aufgrund des sehr guten Erhaltungszustandes bot sich eine Erforschung geradezu an. Dadurch ist es m.E. auch mit geringeren Mitteln möglich sehr viel mehr nützliche Informationen für die Forschung zu sammeln.

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