Slawische Schätze des Mittelalters

Das Museum in der Kaiserpfalz in Paderborn präsentiert ab 12. Februar (bis 8. Mai) die Sonderausstellung "Schätze des Mittelalters - Schmuck aus dem Staatlichen Archäologischen Museum Warschau". 440 Schmuckstücke aus dem 10. bis 13. Jahrhundert zeigen die slawische Kultur des Mittelalters. Die Fundorte erstrecken sich über das heutige Polen, Weißrussland und die Ukraine.

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Ohrring vom Kiewer Typ. (Foto: LWL/Soful)
Ohrring vom Kiewer Typ. (Foto: LWL/Soful)

"Schmuck nahm in der menschlichen Kultur schon immer einen wichtigen Platz ein und hat viele Aufgaben - von ästhetischer, sozialer und symbolischer Bedeutung bis hin zur schlichten Gebrauchsfunktion", erklärte LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Thale am gestrigen Donnerstag bei der Vorstellung der Ausstellung. "Schmuck spiegelt die soziale Position seines Besitzers, etwa Alter und Familienstand, aber auch religiöse Überzeugungen wider." Prof. Dr. Michael M. Rind, Chefarchäologe des LWL: "Die Sonderausstellung zeigt wunderschöne Exponate aus der Glanzzeit der slawischen Schmuckherstellung. Wir freuen uns, diese glanzvolle Epoche des polnischen beziehungsweise des Kiewer Reiches im Mittelalter nun in der Paderborner Kaiserpfalz zu präsentieren. Die Zusammenarbeit mit dem Warschauer Museum war hervorragend."

Von dem Reichtum am polnischen Königshof berichtete bereits der fränkische Mönch Gallus Anonymus zu Beginn des 12. Jahrhunderts: "Die Frauenzimmer des Hofes gingen so belastet mit goldenen Kronen, Kolliers, Halsketten, Armringen, goldenen Fransen und Kleinodien, dass, wenn Zweite sie nicht stützen würden, sie dieses Gewicht der Metalle nicht hätten heben können."

Ganz in Gallus‘ Sinn zeichnen sich die ausgestellten Schmuckstücke durch einen Formenreichtum aus, der von der hohen Kunstfertigkeit der Hersteller und vom ausgewählten Geschmack und Wohlstand der Besitzer zeugt. Die Schmuckstücke stammen aus Gräberfeldern, Burgwällen oder wurden als Horte versteckt. Oft sind aber auch die Fundorte und die Umstände, unter denen die Kostbarkeiten in die Erde gelangten, unbekannt.

Zu den Exponaten gehören neben typischem Schläfen- und Halsschmuck auch Ohr-, Arm- und Fingerringe aus Silber, Bronze und Gold, Glas, Halbedelsteinen und Bernstein. Die zum Teil sehr aufwändig gearbeiteten Schmuckstücke aus dem 10. bis 13. Jahrhundert stammen aus dem Reich der polnischen Herrscherdynastie der Piasten und aus der Kiewer Rus - einem Großreich, das Teile des heutigen Russland, der Ukraine und Weißrusslands umfasste. Sie lassen den sagenhaften Reichtum an den slawischen Höfen erahnen und geben Einblicke in die mittelalterliche slawische Gesellschaft.

Zur Ausstellung gibt es ein Veranstaltungsprogramm mit Vorträgen und Workshops sowie vier museumspädagogische Programme für Schulklassen und Erwachsene. In Zusammenarbeit mit dem Warschauer Museum und dem Landesmuseum Brandenburg ist ein Ausstellungskatalog erschienen.

 

Schätze des Mittelalters. Schmuck aus dem Staatlichen Archäologischen Museum Warschau

hrsg. von Museum in der Kaiserpfalz/LWL-Archäologie für Westfalen, Archäologisches Landesmuseum Brandenburg, Martin Kroker, Michael Rind, Franz Schopper
164 Seiten, ca. 500 farbige Abbildungen
Druckverlag Kettler (Bönen 2011)
ISBN 978-3-86206-071-9

Silberperle vom Typ Wolhyn. Silberkügelchen verzieren die raffinierten Perlen. (Foto: LWL/Soful)
Silberperle vom Typ Wolhyn. Silberkügelchen verzieren die raffinierten Perlen. (Foto: LWL/Soful)
Prunkvoller Halsring, aus Silberdrähten gefertigt. (Foto: LWL/Soful)
Prunkvoller Halsring, aus Silberdrähten gefertigt. (Foto: LWL/Soful)

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